Beinahe Helikopter-Crash über dem Zürcher Oberland

Zwei Helikopter kamen sich in der Nähe von Uster bedrohlich nahe. Ein Fluglotse hatte die Situation falsch eingeschätzt.

Fast kollidierten ein militärischer und ein ziviler Helikopter: Ein Super Puma auf dem Flugplatz in Dübendorf.

Fast kollidierten ein militärischer und ein ziviler Helikopter: Ein Super Puma auf dem Flugplatz in Dübendorf. Bild: Reto Oeschger

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Der 4. Mai 2016 war ein ziemlich sonniger Tag. Ideal für einen Schulungsflug. Doch der Flug, der den Schüler und seinen Lehrer in einem Helikopter des Typs Colibri von Zürich aus über das Toggenburg und wieder zurück führte, endete mit einer Schrecksekunde: Plötzlich näherte sich ein Super Puma der Armee. Obwohl dessen Pilot eine Kurve einleitete, kamen sich die zwei Maschinen sehr nahe: Zuletzt betrug der Abstand horizontal noch 360 Meter, vertikal knapp 38. Das geht aus einem Flugunfallbericht hervor, den die Untersuchungsstelle Sust heute veröffentlicht hat.

Ursache für den Beinahe-Zusammenstoss ist gemäss dem Sust-Bericht ein Fehler des zuständigen Platzverkehrsleiters. Dieser gab dem Flugschüler die Bewilligung, die Kontrollzone Dübendorf auf 1200 Meter Höhe zu durchfliegen. Dabei hatte die Anflugverkehrsleitung den Platzverkehrsleiter kurz vorher darüber informiert, dass sie dem Super Puma die Erlaubnis erteilt hatte, ebenfalls auf 1200 Meter abzusinken, um danach in Dübendorf zu landen. Dennoch glaubte der Platzleiter, der Super Puma würde auf ungefähr 2400 Meter Höhe weiterfliegen.

Super Puma war kaum erkennbar

Schliesslich schlug ein automatisches Warnsystem in der Leitstelle an. Dennoch wartete die Anflugverkehrsleitung 25 Sekunden, bis sie den Piloten des Super Puma warnte. Bis der Colibri vom Platzverkehrsleiter die Anweisung erhielt, auf 900 Meter zu sinken, dauerte es sogar mehr als eine Minute – deutlich zu lang. Was die Sache für den Flugschüler erschwerte: Er, der auf Sicht flog, konnte den Super Puma wegen seiner Tarnbemalung nur schlecht erkennen. Aber auch der Militärpilot hatte Mühe, den Colibri zu sehen und dessen Flugweg einzuschätzen, weil dieser direkt von vorn kam.

Die Sust übt in ihrem Bericht deutliche Kritik am Platzverkehrsleiter. Denn dieser hatte nicht nur zu spät reagiert. Es war ihm auch nicht klar gewesen, dass es sich beim Flug des Super Puma um einen militärischen Flug handelte, der auf jeden Fall von allen anderen Flügen hätte gestaffelt werden müssen. Das sei unverständlich, schreibt die Sust.

Allerdings hält sie auch fest, dass der Lotse unter nicht einfachen Bedingungen arbeiten musste. Er war allein und hatte alle Hände voll zu tun. Auf dem Flugplatz Dübendorf liefen die Aufbauarbeiten für den Love Ride, wofür der Lotse die Pistenbenützung koordinieren musste. Gleichzeitig stellte der Flughafen Zürich sein Anflugverfahren um, was Auswirkungen auf Dübendorf hatte. Ausserdem startete ein weiterer Hubschrauber. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 04.12.2017, 11:43 Uhr

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