Belz’ Ehrenrunde und Kenia-Sprints

Der Zürcher Silvesterlauf wurde zum würdigen Abschiedsrennen des Berners Christian Belz, obwohl der Tagessieg an den Kenianer Paul Kipkorir ging. Bei den Frauen siegte Caroline Chepkwony (Ken).

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Von Jörg Greb, Zürich

Christian Belz war mit einem Ziel zum Zürcher Silvesterlauf gefahren: eine tolle Leistung abliefern. Schliesslich sollte es das letzte Rennen in der über 20-jährigen Karriere des Berners werden. Er hatte sich dabei auf die 9,8 km oder sieben Runden durch die Zürcher Innenstadt fokussiert. In der unmittelbaren Vorbereitung kamen Erinnerungen an seinen letzten grossen Auftritt hoch: an den EM-Final über 10 000 m Ende Juli in Barcelona, als er Sechster wurde.

Das Vorhaben glückte Belz in einem «uralten Shirt» des ST Bern besser als erhofft. Mit Rang 7, nur 30,5 Sekunden hinter Sieger Paul Kipkorir (Ken) und als stärkster Schweizer lief der langjährige Toplangstreckler (u. a. EM-Vierter 2006 über 10 000 sowie Schweizer Rekordhalter über 3000 m Steeple und 10 000 m) ein. Dank seiner Routine gelang es ihm, genau das abzurufen, was er sich vorgestellt hatte. Als ganz besonders erlebte Belz auf diesem Weg die dritte Runde – er führte das Feld an. «Es war, als hätten meine Widersacher gespürt, was los ist, sodass sie mich gewähren liessen», sagte Belz danach und fügte an: «Jetzt ist der Job Spitzensportler passé.» Er setzt nun auf seinen Beruf als Sportökonom und wird sein Teilzeitpensum am Bundesamt für Sport (Baspo) in Magglingen aufstocken. Daneben will er sich vermehrt seiner Familie widmen – er ist mit der ehemaligen 800-m-Spezialistin Anita Brägger verheiratet und hat zwei Töchter (4 und 2½ Jahre).

Ostafrikanische Dominanz

An der Spitze des Silvesterlaufs profilierten sich die afrikanischen Spezialisten. Der Kenianer Paul Kipkorir gewann den Spurt sicher vor dem in Uster lebenden Eritreer Tadesse Abraham und seinem Landsmann Daniel Chebii. Bemerkenswert dabei: Kipkorir hatte bereits am Vorabend beim Weihnachtslauf in Sion gesiegt. Der ebenfalls in Uster lebende Simon Tesfay (Eri) von der TG Hütten belegte Rang 4, direkt vor dem besten gehörlosen Marathonläufer der Welt, Daniel Kiptum. Belz verpasste trotz seines Tagessieges in der nationalen Post-Cup-Wertung seine Vorgabe, den letztjährigen Gesamtsieg zu wiederholen. Denn sein Widersacher Jérôme Schaffner (FSG Bassecourt) platzierte sich unmittelbar hinter Belz und holte die erforderlichen Punkte. Schnellster Zürcher war der Ebmatinger Rubén Oliver auf Platz 12, knapp vor den Triathleten Jan van Berkel (Winkel, 14. Rang) und Ronnie Schildknecht (Thalwil, 16.).

Nachwuchstalent überraschte

Trotz Doppelstart Sion/Zürich liess sich Caroline Chepkwony (Ken) bei den Frauen nicht bezwingen. Für die Überraschung sorgte im Rennen über 7 km die erst 17-jährige Solothurnerin Andrina Schläpfer als Zweite. Sie gilt in der Szene als eine der ganz grossen Nachwuchshoffnungen – und zwar nicht auf der Strasse, sondern auf der Mittelstrecke (800 m, 1000 m). Als Silbermedaillengewinnerin an den Olympischen Jugendspielen im Sommer in Singapur war ihr schon Bemerkenswertes geglückt, hatte sie doch die ostafrikanische Dauerdominanz durchbrochen und sich hinter einer Äthiopierin und vor einer Kenianerin klassiert.

«Dass ich hier derart gut gelaufen bin, überrascht mich riesig», freute sich Schläpfer. Als sie bis zur Schlussrunde den Kontakt zur Spitze halten konnte, schöpfte sie Hoffnung und baute auf ihre Grundschnelligkeit. Diese spielte sie gegenüber den Marathon-EM-Teilnehmerinnen Maja Neuenschwander (3.) und Patricia Morceli (4.) gewinnbringend aus. Als beste Zürcherin lief die 46-jährige Maja Luder-Gautschi (Bertschikon/LC Meilen) auf Rang 17.

Mehr zum Silvesterlauf auf Seite 15

Dank ans Publikum und Abschied: Christian Belz, bester Schweizer.Foto: Sophie Stieger

Erstellt: 12.12.2010, 23:00 Uhr

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