Beziehungskrisen in Buchform

In Rezensionen wird die Autorin Susann Klossek gelegentlich mit dem Underground-Poeten Charles Bukowski verglichen. Nun liegt das neue Buch der Thalwilerin vor: «Desperate Mousewife».

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Thalwil - Der US-Autor Charles Bukowski schrieb in einer harten, direkten Sprache und sparte in seinen Geschichten die Schattenseiten des menschlichen Lebens nicht aus. Auch Susann Klossek führt eine spitze und scharfe Feder. «Ich kenne sie alle, die Latrinen dieser Welt», schreibt sie, die das Scheitern als ihre grösste Leidenschaft bezeichnet und deren Texte man mitunter als Manifeste des Misslingens lesen kann. Meistens geht es um fehlgeschlagene und unerfüllte Liebe - wie im richtigen Leben.

Zu Hause in Thalwil stapeln sich bei Klossek die Bücher. Auf den ersten Blick fallen aber die vielen Acrylgemälde in verschiedenen Grössen auf, die überall an den Wänden hängen. «Ich male viel», sagt sie über ihre zweite künstlerische Betätigung.

Ihre Schreibwerkstatt braucht wenig Platz. Im Laptop ist alles gespeichert. Auch die Anregungen für neue Texte, die sie vor allem beim Betrachten alltäglicher Begebenheiten gewinnt. «Ich bin eine gute Beobachterin, ich kann stundenlang Menschen zusehen, wie sie sich verhalten, bewegen, wie ihre Gefühle sind.» Die beschaulichen Betrachtungen schreibt sie am liebsten auf dem Sofa nieder, «meinem liebsten Arbeitsplatz».

Hausfrauen mit der Maus

Ihr neustes, soeben erschienenes Buch trägt den Titel «Desperate Mousewife». «Mousewife» ist ein Begriff, der in England gang und gäbe ist. Er beschreibt jene Frauen - vornehmlich Hausfrau- en -, die mit Mausklicken ihre meiste Zeit zu Hause vor dem Computer verbringen. «Desperate Mousewife» ist selbstredend auch eine Anlehnung an die fast gleichnamige US-Fernsehserie, die den geneigten Zuschauer mittlerweile mit der 6. Staffel beglückt.

Das Buch ist wie die TV-Soap über die Bewohner der Wisteria Lane eine Art Mischung aus Drama-, Comedy- und Mysteryelementen. Es handelt vom Auf und Ab, Rauf wie Runter von Roswitha Koslowski, einer mehr schlecht als recht erfolgreichen Schriftstellerin und Chefredaktorin eines IT-Magazins und deren turbulent verlaufenden Erfahrungen mit Männern.

Die Frage, die sich aufdrängt, lautet: Trägt das Buch autobiografische Züge? Immerhin deutet Koslowski auf einen Namen aus Osteuropa und ist Klossek in der ehemaligen DDR geboren. Ausserdem übt die Hauptperson im Buch den gleichen Beruf wie die Autorin aus, die, um zusätzliches Geld zu verdie-nen, ebenfalls als Redaktorin für IT-Publikationen arbeitet. «Nein», antwortet Klossek. «Es gibt zwar Passagen im Buch, die auf Selbsterlebtes zurückgehen. Aber das Ganze ist reine Fiktion.» Sie selbst fühle sich im Übrigen keinesfalls «verzweifelt» wie eine «Desperate Housewife», obwohl ihr einige Beziehungskrisen «auf den Keks gegangen sind», wie es die Leipzigerin salopp formuliert. Mit dem Buch «Männer» hat sie die Kapitel um gescheiterte Liebschaften festgehalten. «Das Buch gefällt vor allem Frauen sehr gut», sagt sie.

Geschäfte mit den Russen

Was in Klosseks Wohnung auch auffällt, sind die vielen Kunstobjekte aus aller Herren Länder. Buddha-Statuen, afrikanische Masken und Figuren oder Mandalas aus Tibet zieren die gute Stube. Es sind Erinnerungen an die Länder, die Klossek schon bereist hat. Nach dem Berliner Mauerfall 1989 bestand für die damals 23-jährige Tochter einer Opernsängerin und eines Ingenieurs in Sachen Reisen Nachholbedarf. Ihre Reiseerinnerungen hat sie im Buch «Tropenfieber» niedergeschrieben.

In die Schweiz war sie vor zwanzig Jahren gekommen. Eine Firma mit Sitz in Zürich suchte eine Exportmanagerin. Klossek bekam den Job und verkaufte fortan Rohöl-Destillationsanlagen nach Russland. «Am Anfang hatte ich keine Ahnung von dieser Materie», sagt sie, und trotzdem setzte sie sich durch. Aus ihrem Beruf kennt sie es nicht, dieses Gefühl des Scheiterns, von dem ihre Bücher leben. Susann Klossek schreibt ihre Geschichten am liebsten auf dem Sofa. Foto: Patrick Gutenberg (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 21.01.2010, 02:02 Uhr

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