Bibelgruppenverein instrumentalisiert Nachwuchs

Der Verein Vereinigte Bibelgruppen (VBG) erhält für seine Arbeit mit Jugendlichen keine Subventionen mehr. Er missioniere, statt Jugendliche zu fördern.

Die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen sei nur «Mittel zum Zweck», urteilt das Bundesverwaltungsgericht: Szene aus einem Schulungslager für Mittelschüler. Foto: VBG

Die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen sei nur «Mittel zum Zweck», urteilt das Bundesverwaltungsgericht: Szene aus einem Schulungslager für Mittelschüler. Foto: VBG

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Der seit bald sechzig Jahren im Zürcher Handelsregister eingetragene Verein Vereinigte Bibelgruppen in Schule, Universität, Beruf (VBG) bezeichnet sich als «konfessionell und politisch ungebunden». Diese Bezeichnung, so hat jetzt das Bundesverwaltungsgericht in einem endgültigen Urteil festgestellt, «erscheint als offensichtlich unzutreffend».

Hintergrund dieser Beurteilung war ein Gesuch des VBG um Finanzhilfen für die Betriebsstruktur und für regelmässige Aktivitäten. Solche Hilfen sieht das Bundesgesetz über die Förderung der ausserschulischen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen vor. Das Förderungsgesetz will Aktivitäten unterstützen, die Kinder und Jugendliche bis zum vollendeten 25. Altersjahr in ihrem körperlichen und geistigen Wohlbefinden fördern und die dazu beitragen, dass sie sich zu Personen entwickeln, die Verantwortung für sich selber sowie für die Gemeinschaft übernehmen und sich sozial, kulturell und politisch integrieren können.

Kinder mehr Objekt als Subjekt

Das Bundesgesetz trat am 1. Januar 2013 in Kraft. Mit dem alten Gesetz war es nicht mehr vergleichbar. Als das Gesuch einer religiösen Organisation einging, ergriff das Bundesamt für Sozialversicherungen die Gelegenheit, gleich alle Gesuche von ähnlichen, glaubensbasierten Organisationen zu überprüfen – darunter auch jenes des Bibelgruppenvereins. Im Mittelpunkt stand die Frage: Sind die angebotenen ausserschulischen Aktivitäten «vorrangig an den Bedürfnissen und Interessen der Kinder und Jugendlichen ausgerichtet»?

Sowohl das Bundesamt wie jetzt auch das Bundesverwaltungsgericht sind sich in ihrer Beurteilung einig: Der Verein Bibelgruppe ist eine Organisation, «die ihre Tätigkeit allein oder doch ganz überwiegend ihren evangelistischen Zwecken unterordnet». Die Kinder und Jugendlichen würden «mehr als Objekt denn als Subjekt betrachtet». Selbstverständlich seien Organisationen subventionsberechtigt, die ihre Tätigkeit auf religiösen Grundwerten aufbauten. Jedoch dürften die Glaubensvermittlung und die Bekehrung nicht das alleinige oder vorwiegende Ziel sein. Dies sei aber beim VBG der Fall: Im Vordergrund stünden seine Glaubenspraxis, die religiöse Unterweisung und die Verbreitung seiner Glaubensgrundlagen. Die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen sei dafür nur Mittel zum Zweck, «das Evangelium von Jesus Christus zu verbreiten und das Reich Gottes zu fördern». Das Förderungsgesetz wolle aber Tätigkeiten subventionieren, die Kindern und Jugendlichen freie Räume für ihre persönliche Entwicklung zur Verfügung stellen und nicht Ort der Bekehrung und Evangelisierung sind.

Spenderkreis aufbauen

Der Fokus des Vereins, so das Bundesverwaltungsgericht, sei «allein das Missionarische». Dass die Aktivitäten nicht in erster Linie auf die Jugendlichen und ihre Bedürfnisse ausgerichtet sind, sondern auf diejenigen der Organisation, illustriert das Gericht an einem speziellen Beispiel: So werden die Mitarbeitenden des Vereins angehalten, einen Freundeskreis aufzubauen, der die Arbeit des Vereins unterstützt und mitträgt.

Zudem sollen die Mitarbeitenden sich einen persönlichen Spenderkreis schaffen: Die Sponsoren, so die Vorgabe, sollen innerhalb von zwei Jahren fünfzig Prozent des Bruttolohns decken, nach vier Jahren deutlich mehr als fünfzig Prozent, wobei eine Bruttolohndeckung von einhundert Prozent anzustreben sei. «Diese Vorgabe ist mit der Förderung der Entwicklung von Jugendlichen nicht vereinbar», die Jugendlichen würden «vielmehr zum missionarischen Zweck instrumentalisiert».

Erstellt: 26.06.2015, 12:16 Uhr

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