Das Ende der Luxus-Schulhäuser

Zürich muss und will billiger bauen. Heute hat die Stadt das erste Projekt nach den neuen Vorgaben präsentiert, die Schulanlage Schauenberg. Kostenpunkt: 51 Millionen Franken.

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Die Stadtzürcher Finanzen sind angespannt. Dennoch hat sich Zürich in den letzten Jahren immer wieder teure Bauten geleistet. Jüngstes Beispiel ist das Schulhaus Blumenfeld, das 90 Millionen Franken kosten soll. Doch das Blumenfeld ist gleichzeitig auch das vorerst letzte Beispiel für teure Bauten. Denn das Hochbaudepartement unter André Odermatt (SP) hat Besserung versprochen.

Heute stellten Odermatt und Schulvorsteher Gerold Lauber (CVP) das erste Bauprojekt vor, das nach den neuen Vorgaben geplant wird: die Schulanlage Schauenberg in Affoltern. Das Siegerprojekt aus einem Projektwettbewerb soll samt den nötigen Provisorien höchstens 51 Millionen Franken kosten. Das macht pro Klassenzimmer rund 1,5 Millionen Franken. Damit kommt die Schulanlage 15 Prozent günstiger als das Schulhaus Blumenfeld, das als teuerstes Zürcher Schulhaus der Neuzeit in die Annalen einging.

Weniger Raum, weniger Kosten

Günstiger ist die Schulanlage vor allem deshalb, weil die Stadt konsequent auf den grössten Kostentreiber verzichtet hat: Erschliessungsräume, also Treppenhäuser und Vorräume, sind nicht als Gruppenarbeitsplätze nutzbar. Solche multifunktionalen Räume sind enorm teuer, weil sie gleichzeitig als Fluchtwege dienen. Entsprechend hoch sind die Auflagen der Feuerpolizei. Das Blumenfeld wird unter anderem genau wegen solcher Räume deutlich teurer.

Im Schauenberg ist ein Treppenhaus ein Treppenhaus, ein Vorraum ein Vorraum, ein Gang ein Gang. «So konnten wir den Flächenbedarf um 15 Prozent senken, und trotzdem steht für das einzelne Kind genügend Platz zur Verfügung», sagt Odermatt. Er sieht im Raumprogramm das grösste Sparpotenzial für neue Bauten: «Wer wirklich weniger ausgeben will, muss hier ansetzen.» Das will der Hochbauvorstand nun auch bei anderen Neubauten, etwa Alterszentren, konsequent umsetzen. Hingegen liessen sich etwa bei der Wahl der Baumaterialien höchstens einzelne Prozente der Gesamtkosten einsparen. Ebenso wenig hätte im Fall des Schauenberg eine Renovation der heutigen, im Jahr 1969 errichteten Schulanlage Sinn ergeben. Die alten Gebäude sind in einem desolaten Zustand und energetisch kaum auf Vordermann zu bringen.

Neuauflage des Pavillonschulhauses

Trotz strikter Kostenvorgaben ist die von den Architekten des Büros Adrian Streich entworfene Schulanlage Schauenberg auf die neuen pädagogischen Ansprüche ausgerichtet. Dazu gehören genügend Gruppen- und Betreuungsräume, aber auch ein grosser Verpflegungsraum für den Mittagshort sowie eine Doppelturnhalle.

Das Team Streich hat die Aufgabe geschickt gelöst, indem es auf ein altes Konzept zurückgreift: dasjenige der Pavillonanlage. Vier einzelne Baukörper gruppieren sich in leicht schiefem Winkel um einen zentralen, überdachten Schulhausplatz. Hier laufen alle Schulwege aus den umliegenden Quartieren sternförmig zusammen. Und von hier verteilen sich die etwa 330 Schulkinder in den Unterricht.

Die 15 Klassenzimmer befinden sich in zwei der vier Pavillons. Das Besondere daran ist die Struktur der einzelnen Stockwerke. Jeweils drei Klassenzimmer, vier Gruppenräume und ein Raum für ausserschulische Betreuung finden sich auf jedem Stockwerk. «So können wir die Kinder künftig sehr nah am Klassenraum betreuen, sie müssen dafür nicht mehr in einen separaten Trakt wechseln», sagte Lauber. Umgekehrt könnten diese Räume auch für den Schulbetrieb gebraucht werden. In einem dritten Pavillon sind Musik- und Werkräume untergebracht, im vierten die Doppelturnhalle.

Bezug 2019 geplant

Jeremy Hoskyn, Projektleiter beim Hochbaudepartement, lobte die Pläne des Teams Streich als «einfache, unspektakuläre, praktische Architektur». Dank der vier Pavillons könne die Schulanlage perfekt ins abfallende Grundstück eingepasst werden. Die Gebäude sollen den Minergie-P-Eco-Standard erfüllen – in diesem Punkt müsse das Projekt allerdings noch angepasst werden, so Hoskyn. Läuft alles nach Plan, sollen die Stimmbürger 2016 über das Projekt abstimmen, im Frühjahr 2019 soll das Schulhaus bezugsbereit sein.

Erstellt: 17.06.2014, 16:12 Uhr

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