Das Gift im Plättlikleber

Das Winterthurer Hallenbad Geiselweid ist asbestverseucht. Die Experten der Suva erklären, für wen der Schadstoff gefährlich ist.

Gut geschützt am Werk: Ein Arbeiter in einem von Asbest verseuchten Gebäude.

Gut geschützt am Werk: Ein Arbeiter in einem von Asbest verseuchten Gebäude. Bild: Suva

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Im Winterthurer Hallenbad Geiselweid stellten die Messexperten Asbestwerte von über einem Prozent fest. Die Handwerker arbeiten in luftdichten Kammern und mit Atemschutzmasken. Sind die Gäste des angrenzenden Freibades gefährdet?
Nein. Die Prozentangaben beziehen sich mit grosser Wahrscheinlichkeit auf den Gehalt an Asbest im Plättlikleber. Solange dieser Kleber nicht durch Bohren, Abschleifen, Abspitzen mechanisch bearbeitet wird, sind die Asbestfasern fest im Kleber gebunden. Sie gelangen so nicht in die Atemluft. Während der Sanierung durch die Spezialisten werden Fasern freigesetzt, weshalb eine Sanierungszone eingerichtet ist. In der Sanierungszone wird gegenüber der Umgebung ein Unterdruck aufrechterhalten, weshalb keine Asbestfasern aus der Zone entweichen können. Die Mitarbeiter, die in der Sanierungszone beschäftigt sind, schützen sich mit der persönlichen Schutzausrüstung.*

Hat das Asbest im Hallenbadgebäude Konsequenzen für jene Schwimmer, die das Hallenbad in der Vergangenheit benutzt haben?
Das Asbest ist im Plättlikleber fest gebunden. Bei normaler Nutzung solcher Räume bestand für die Schwimmer keine Gefährdung.

Wie muss man mit Asbest in Berührung kommen, damit es schädlich ist?
Asbest führt zu einer Gefährdung, wenn Feinstaub von Asbest durch die Atmung in die Lungenbläschen gelangt.

Welches sind die häufigsten Auswirkungen von Asbest auf den menschlichen Körper?
Pleuraplaques genannte Narbenplatten des Brustfells sind die häufigsten asbestbedingten Veränderungen. Sie sind ein Indiz einer relevanten Asbestexposition. Pleuraplaques verursachen üblicherweise keine Beschwerden und keine Lungenfunktionseinbusse. Es können aber auch andere Auswirkungen auftreten: Bei der Pleurafibrose handelt es sich um grossflächige Verdickungen des Brustfells, welche zu Einschränkungen der Lungenfunktion führen können. Bei der Asbeststaublunge, die nach einer jahrelangen, intensiven Asbestexposition auftritt, kommt es zu einer bindegewebigen Umwandlung des Lungengewebes mit einer Einschränkung der Lungenfunktion.

Reichen kurze Asbesteinflüsse?
Ja. Bereits geringe Asbestexpositionen können zu bösartigen Krebsen des Brust- und seltener auch des Bauchfells führen. Bei Ausbruch im Brustraum bestehen zu Beginn meist Schmerzen und Atemnot. Das Mesotheliom gilt bis heute als nicht heilbar. Ohne Behandlungsmassnahmen versterben die meisten Patienten mit Mesotheliom innert rund eines Jahres. Mit einer Chemotherapie oder auch andern therapeutischen Ansätzen wird versucht, eine Verbesserung der Überlebenszeit zu erreichen.

Begünstigen andere Faktoren den durch Asbest hervorgerufenen Krebs?
Das Risiko für einen Lungenkrebs wird vor allem durch Rauchen und Radonexposition erhöht. Eine Asbestose und frühere Asbestexposition stellen ebenfalls Risikofaktoren dar. Asbestexposition und Rauchen begünstigen das Tumorrisiko beim Lungenkrebs in stärkerem Ausmass als die Risikofaktoren für sich allein dies erwarten lassen. Bei einer Diagnose im Frühstadium können Heilungen erzielt werden. In fortgeschrittenem Stadium oder bei Auftreten von Metastasen ist die Möglichkeit einer operativen Entfernung des Tumors meist nicht mehr gegeben.

Wie lange nach dem Asbesteinfluss machen sich die Symptome bemerkbar?
Die Latenzzeit zwischen Asbestexposition und Ausbruch der asbestbedingten Krankheiten beträgt in der Regel Jahre bis Jahrzehnte.

Bei welchen Symptomen sollten Betroffene zum Arzt gehen?
Pleuraplaques verursachen üblicherweise keine Beschwerden. Anders verhält es sich bei einer Asbeststaublunge. Hier kann es zu Atemnot und Engegefühl im Brustbereich kommen. Bei solchen Symptomen, aber auch bei Appetitlosigkeit oder Gewichtsverlust, sollten Betroffene zum Arzt gehen.

*Die Antworten wurden schriftlich geliefert und stammen von verschiedenen Experten der Suva.

Erstellt: 21.06.2012, 11:39 Uhr

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