Hintergrund

Das Protest-Inserat der opponierenden Professoren

Die Kritik an der Uni Zürich reisst auch nach dem Abgang des Rektors nicht ab. Professoren aus dem In- und Ausland geben sich mit den jüngsten Rückschritten nicht zufrieden.

Ganzseitig und von namhaften Professoren unterzeichnet: Das Inserat der opponierenden Professoren in der heutigen NZZ.

Ganzseitig und von namhaften Professoren unterzeichnet: Das Inserat der opponierenden Professoren in der heutigen NZZ.

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Der Rücktritt von Rektor Andreas Fischer hat den Druck auf die Leitung der Universität Zürich kaum reduziert. Die opponierenden Professoren, die in einer Petition die Zustände an der Uni und am Medizinhistorischen Institut anprangern, haben heute in der NZZ ein Protestinserat geschaltet. Darin anerkennen sie zwar, dass die Uni die Entlassung der renommierten Forscherin Iris Ritzmann untersuchen lassen will, aber die von der Uni angekündigten Massnahmen genügen ihnen bei weitem nicht. Sie fordern die bedingungslose Wiedereinsetzung Ritzmanns.

Die Uni hatte am Mittwoch lediglich darauf verzichtet, Lohnzahlungen von Ritzmann zurückzufordern und ihr den Professorentitel zu entziehen. Gemäss dem Entschluss der Unileitung erhält Ritzmann während ihrer sechsmonatigen Kündigungsfrist keinen Lohn, was gestern von Arbeitsrechtlern kritisiert und als juristisch schwer durchsetzbar bezeichnet wurde.

Ritzmann steht im Verdacht, im Fall Mörgeli vertrauliche Daten über den SVP-Nationalrat an die Medien weitergegeben zu haben. Zudem hat sie einem Journalisten ihre Log-in-Daten für ein mehr oder weniger öffentliches Ausbildungstool der Universität zur Verfügung gestellt. Die Unileitung hat Ritzmann wegen Loyalitätspflichtverletzung entlassen, nachdem sie in die Akten der Strafuntersuchungsbehörden Einsicht gehabt hatte.

Freiwilliger Rücktritt fraglich

Unklar blieben gestern die Hintergründe für den Rücktritt von Rektor Fischer. Die opponierenden Professoren dementierten Gerüchte, wonach sie den Rücktritt Fischers verlangt hätten. Dass er gegangen ist, nahmen sie gestern aber ohne Bedauern zur Kenntnis. Sie hoffen nun auf «Bewegung in der Unileitung», wie ETH-Kunsthistoriker Philip Ursprung auf Anfrage sagte.

Kritisiert wird die Universität auch vom kantonalen Datenschützer, Bruno Baeriswyl. Er will die Kontrolle der Mails in der Universität Zürich und die Weitergabe an die Staatsanwaltschaft genauer überprüfen. Weiter besteht der Verdacht, dass die Universität für die Untersuchungen weit mehr Computerdaten geliefert hat, als die Ermittlungsbehörden von ihr forderten.

Erstellt: 08.11.2013, 06:29 Uhr

Das Inserat

Die Wissenschaftler äussern sich in ihrem Protestschreiben bestürzt über das Vorgehen der Universität gegenüber Professorin Iris Ritzmann. Man könne sich des Verdachts nicht erwehren, dass die Universität glaube, ein Bauernopfer bringen zu müssen, um politischem Druck nachzugeben. «Hier wird nicht nur eine angesehene Professorin entlassen, hier wird die Wissenschaft der Politik untergeordnet.»

Professorin Ritzmann sei in der Forscher-Community als hervorragende Wissenschaftlerin und Medizinhistorikerin anerkannt. Iris Ritzmann habe während Jahren das wissenschaftliche Niveau am Medizinhistorischen Institut fast im Alleingang und unter widrigsten Bedingungen garantiert.

Drei Forderungen

Konkret stellen die Professoren drei Forderungen an die Universität Zürich:

  • Professorin Iris Ritzmann soll wieder als Wissenschaftlerin an der Uni Zürich angestellt werden.


  • Die Missstände am Medizinhistorischen Institut sollen untersucht werden; alle nötigen Dokumente sollen danach öffentlich bekannt gemacht werden.


  • Die Öffentlichkeit müsse darüber aufgeklärt werden, ob die Universität der Staatsanwaltschaft Metadaten aus E-Mail-Verkehr und Telefonkontakten von Universitätsmitarbeitern zugänglich machte.

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