Das Steuerzahlen wird immer mehr gesteuert

Die Unterländer nehmen es mit ihrer Steuerpflicht unterschiedlich genau. Bezahlt wird immer mehr in kleinen Raten.

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Es gibt kaum eine Behörde, mit der man als Bürger so oft im Kontakt ist wie mit dem Steueramt. Zu Beginn des Jahres landet die Aufforderung zur Einreichung der Steuererklärung bis Ende März im Briefkasten.

Noch ehe man die Steuererklärung ausgefüllt hat, kommt bereits die erste Zahlungseinladung in Form einer provisorischen Rechnung. Sie basiert auf den Steuerleistungen des Vorjahres. Die Steuerbehörde der Gemeinde bittet unter dem Titel «Zahlungskonditionen» darum, den fälligen Steuerbetrag in drei Raten per Ende Juni, Ende September und Ende Dezember zu zahlen – oder aber den Gesamtbetrag in Form einer einmaligen Zahlung spätestens bis 30.??September zu überweisen. Hat man die Steuererklärung eingereicht, folgt eine zweite Zahlungseinladung, diesmal auf der Basis der Selbstdeklaration. Später kommt der Entscheid über die Verrechnungssteuer und in der zweiten Jahreshälfte dann der Einschätzungsentscheid, gegen den man Einsprache erheben kann.

Probleme mit den Fristen

Die Frage ist, wie ernst die Steuerpflichtigen die ziemlich ultimativ tönenden Zahlungsvorschriften der Behörden nehmen. Eine Umfrage bei verschiedenen Unterländer Gemeinden hat ergeben, dass viele die Fristen nicht so genau nehmen. In Dällikon und Wallisellen hatte nur gerade rund ein Drittel der natürlichen Personen die Steuererklärung bis Ende März abgeliefert. In Stadel waren es immerhin 60 Prozent. Ein weiteres Drittel der Steuerpflichtigen hat wenigstens um eine Fristerstreckung nachgesucht, wie die Auswertung einer Umfrage des «Tages-Anzeigers» bei elf Gemeinden zeigt.

Zwischen 11 und 16 Prozent der Bürger haben dieses Jahr eine Mahnung erhalten. Teilweise wird mehrmals gemahnt. In Kloten mit seinen rund 11'000 Steuerpflichtigen werden jährlich zwischen 1200 und 1500 Mahnungen verschickt. Besonders aufwendig seien die Mehrfachmahnungen sowie Fälle, wo die Steuerpflichtigen «nicht mehr gefunden werden», wie Kloten schreibt.

97 Prozent akzeptieren Einschätzungsentscheide

Wer sich weigert, seine Einkünfte zu deklarieren, riskiert, dass er vom Staat nach Ermessen eingeschätzt wird. Das passiert aber nur gerade in 2 bis 4 Prozent der Fälle. Sehr hoch ist die Akzeptanz der Einschätzungsentscheide der Steuerbehörden. Sie liegt bei über 97?Prozent. Das heisst, nur 1 bis 3 Prozent der steuerpflichtigen natürlichen Personen erhebt gegen die amtliche Steuerbemessung Einsprache. Keine schlüssigen Angaben sind aus den Gemeinden zur Raten- respektive Vorauszahlung zu erhalten. «Viele Steuerpflichtige halten sich heute nicht mehr an unsere Ratenzahlungsvorschläge und leisten beispielsweise monatliche Akontozahlungen, teilweise per Dauerauftrag», melden die Steuerämter von Wallisellen, Hoeri und Stadel übereinstimmend. «Es ist grundsätzlich den Steuerpflichtigen überlassen, wann und wie sie die Steuern zahlen wollen. Die Spielregeln sind bekannt, und die Steuerschuld muss einfach bis Ende Jahr beglichen sein», sagt Valentino Tikal, Leiter des Steueramtes in Stadel.

Auf Steuerraten, die vor dem 1. Oktober bezahlt werden, erhält der Steuerpflichtige einen Vergütungszins von 2??Prozent, was im Vergleich zu den aktuellen Zinssätzen auf Bankguthaben viel ist. Umgekehrt wird auf den Zahlungseingängen nach dem 1. Oktober ein Belastungszins von 2 Prozent verrechnet. Teuer wird es für jene, welche 30 Tage nach Erhalt der Schlussabrechnung ihre Steuern noch nicht bezahlt haben. Sie müssen 4,5 Prozent Verzugszins in Kauf nehmen und mit einer Betreibung rechnen. Genaue Angaben darüber, wie oft Vergütungs- respektive Verzugszinsen bezahlt werden, liegen aus den Gemeinden nicht vor.

Steuermoral ist gut

Falsch ist die Vorstellung, in den Gemeinden würden die Steuerrechnungen und Steuereinschätzungen immer an alle Einwohnerinnen und Einwohner zu etwa demselben Zeitpunkt versandt. Die Steuerpost wird gewissermassen im Wochentakt verschickt. Und dasselbe passiert auch bei den Steuereingängen. So meldeten die beiden Bezirkshauptorte Dielsdorf und Bülach, bis letzte Woche seien 72 respektive 80 Prozent der ausstehenden Steuerbeträge eingegangen. Bis alle Steuereinschätzungen definitiv, die Einsprachen erledigt und die geschuldeten Beträge vollumfänglich bezahlt sind, kann es Jahre dauern. So schleppen viele Gemeinden offene Steuerguthaben mit sich. In Wallisellen sind es 4 Millionen, in Bülach 3 Millionen Franken. Trotzdem findet Jürg Honegger, Leiter des Steueramtes in Wallisellen, die Zahlungsmoral in seiner Gemeinde sei stabil gut. «Ich bin sehr zufrieden mit meinen Steuerzahlerinnen und Steuerzahlern», sagt Honegger.

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Erstellt: 05.11.2010, 19:47 Uhr

Eine, drei oder mehr Raten

Im Normalfall erhält der Steuerpflichtige von der Gemeinde mit der ersten Zahlungsaufforderung fünf Einzahlungsscheine: drei mit je demselben Betrag für die empfohlene Zahlung in drei Raten, einen Einzahlungsschein mit dem total fälligen Steuerbetrag sowie einen leeren Einzahlungsschein für die Zahlung eines selbst wählbaren Betrags. In der Stadt Bülach und in der Gemeinde Stadel beispielsweise können die Steuerpflichtigen auf Wunsch aber auch in zehn oder zwöf Raten zahlen. Sie müssen bei der Gemeinde ein entsprechendes «Abonnement» lösen und erhalten dann automatisch die entsprechende Anzahl Einzahlungsscheine.

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