Das merkwürdige Blechhäuschen von Wiedikon ist überaus wertvoll Das merkwürdige Blechhäuschen in Wiedikon gilt als überaus wertvoll

Vom ehemaligen Reiterstellwerk beim Bahnhof Wiedikon existiert aber nur noch die Hülle. Vom ehemaligen Stellwerk beim Bahnhof Wiedikon existiert nur noch die Hülle.

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Von Jürg Rohrer

Zürich – Was ist das? Wer von der Zweierstrasse Richtung Bahnhof schaut oder hinter dem Bahnhof Wiedikon aufs Postauto wartet, sieht über den Perrons quer zu den Dächern ein sonderbares, schäbiges Gebilde. Halb Gartenhaus, halb Eisenbahnwagen, halb VW-Bus – das sind schon eineinhalb Fragezeichen. Offensichtlich ist, dass das Ding unnütz ist. Und dennoch gibt es Menschen, die begeistert sind: die Denkmalpfleger.

Das verkommene Häuschen mit seinen blinden Scheiben ist das ursprüngliche Stellwerk des Bahnhofs Wiedikon. Der Bahnhof Wiedikon ist der einzige Reiterbahnhof der Schweiz. Das Bahnhofgebäude – in der Fachsprache Aufnahmegebäude – steht quer über den Gleisen, ebenso das Stellwerk, das deshalb ein Reiterstellwerk ist. Davon existiert allerdings nur noch das Gehäuse; die Hebel, Seilzüge und Umlenkungen sind längst entfernt.1927/28 wurde der Bahnhof gebaut, nach Plänen von Stadtbaumeister Hermann Herter, von dem auch die Tramhäuschen Bellevue und Paradeplatz stammen oder das Hallenbad City und das Strandbad Wollishofen. Schon die kantonale Denkmalpflege würdigte den Bahnhof einst als wichtiges Werk von Hermann Herter im Stil des Neuen Bauens. Die sieben fassadenhohen Fenster auf der Vorderseite erinnern an frühe Kraftwerke wie Wettingen oder Eglisau. 1997 wurde das Bahnhofgebäude renoviert, dabei kamen die Wandmalereien wieder zum Vorschein, die für Jelmoli werben und die lange Zeit überstrichen waren, weil die Firma die Rechnungen nicht mehr bezahlt hatte. Die Perrons und die düsteren Treppenhäuser wurden damals aber nicht in Schuss gebracht.Jetzt sind die SBB daran, eine Vorstudie für die Sanierung des Bahnhofs Wiedikon zu erstellen. Im Rahmen dieser Vorstudie schaute sich auch die SBB-Fachstelle für Denkmalschutzfragen den Bahnhof nochmals genauer an und kam zu folgendem Schluss: «Die Bahnhofsanlage Zürich-Wiedikon mit Aufnahmegebäude, Perronanlagen, Stützmauern und Reiterstellwerk ist ein Kulturobjekt im Sinne des Natur- und Heimatschutzgesetzes. Sie ist städtebaulich, architektonisch, bautypologisch sowie eisenbahnhistorisch von besonderem Wert.»

Schweizweit einzigartig

Der Bahnhof Wiedikon sei gesamthaft von mindestens regionaler Bedeutung, bautypologisch in seiner «schweizweit einzigartigen Stellung als Reiterbahnhof» allenfalls sogar von nationaler Bedeutung. Da die SBB immer noch an der Vorstudie arbeiten, wissen sie nicht, wann und wie sie den Bahnhof Wiedikon sanieren. Fürs Stellwerk sieht es nicht gut aus: Wegen der Nähe der Fahrleitungen und des damit verbundenen Aufwandes ist nicht geplant, auch das Blechhäuschen zu renovieren.

Der Bahnhof Wiedikon mit seinem kleinen Stellwerk in der Luft ist der einzige Reiterbahnhof der Schweiz. Foto: Tom Kawara

Erstellt: 05.07.2011, 20:50 Uhr

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