Der «Luftibus» sucht Raucherlungen

In Bülach und Wallisellen kann man in diesen Tagen sein Atmungsorgan prüfen lassen. Der Test gibt nicht nur Auskunft über den Zustand der Lunge, sondern auch über die eigene Fitness.

Einatmen, ausatmen: Der Luftibus testet Lungen auf eventuelle Schäden.

Einatmen, ausatmen: Der Luftibus testet Lungen auf eventuelle Schäden. Bild: René Kälin

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«Ihr Lungenfunktionstest ist in Ordnung. Wir gratulieren Ihnen. Tragen Sie weiterhin Sorge zu Ihrer Lunge, und meiden Sie das Rauchen.» Dies ist das Ergebnis einer rund 20-minütigen Untersuchung im mobilen «Luftibus» der Lungenliga. Raucher bin ich nicht, aber als Passivraucher trotzdem betroffen. Das Resultat hat mich nicht überrascht, aber heimlich mit Stolz und Freude erfüllt, weil ich beim Test meiner Fitness sehr gute Resultate erreicht habe.

Geprüft werden nämlich nicht nur das Volumen der Lunge und die Ausstosskraft des Atems, sondern auch das Körpergewicht sowie der Fett- und Muskelanteil. Zu diesem Zweck muss man barfuss auf eine Waage stehen, die mit Elektroden ausgerüstet ist. Darüber hinaus wird die Sauerstoffsättigung im Blut kontrolliert. Und eben: Mit dem Hand-Dynamometer wird die Handkraft gemessen, und der «Sit-to-stand»-Test gibt Aufschluss über das Mass der körperlichen Leistungsfähigkeit.

Jährlich 4000 Todesfälle

Die Lunge ist ein überlebenswichtiges Organ. Namentlich durch das Rauchen verengen sich die Bronchien. Atemnot entsteht. Diese schränkt die körperliche Leistungsfähigkeit ein. Das Blut wird mit zu wenig Sauerstoff versorgt, weshalb das Herz mehr Arbeit leisten muss, um den Blutkreislauf sicherzustellen. Mit der Zeit wird das Herz schwächer.

Wer sich zu wenig bewegt, wird fetter. Die Fettmasse im Körper sollte möglichst klein sein, die Muskelmasse möglichst gross. Denn die Lunge wird mithilfe verschiedener Muskeln bewegt. Franziska Locher, die als Medizinstudentin das Projekt «Luftibus» begleitet, sagt allerdings: «Lieber etwas fetter, dafür fitter.»

Schlank bedeutet nicht unbedingt fit

Es sei ein Trugschluss zu glauben, schlanke Menschen seien fitter und hätten eine bessere Lungenfunktion. Und falls Sie sich nach dieser Zeile immer noch nicht entschlossen haben sollten, den «Luftibus» aufzusuchen, hilft Ihnen vielleicht folgender Hinweis: In der Schweiz sind schätzungsweise rund 400'000 Personen von der sogenannten chronisch obstruktiven Lungenkrankheit (COPD) betroffen. Jedes Jahr sterben 4000 Menschen an dieser Krankheit. Betroffen sind primär Raucherinnen und Raucher.

Einen Unterschied beim Geschlecht gibt es nicht. Die Aktion «Stop COPD» wendet sich primär an Personen ab dem 35. Altersjahr. Die Lunge altert schneller, als Sie denken. So kann ein 40-jähriger Raucher die Lunge eines 60-Jährigen haben.

Schäden oft irreversibel

Eine kaputte Lunge ist irreversibel geschädigt. Medikamente und Therapien können Erleichterung verschaffen. Die beste Massnahme ist der Verzicht auf das Rauchen. Im Extremfall muss die Lunge ersetzt werden. Jüngstes prominentes Opfer war in diesem Frühjahr der deutsche Schlagersänger Roland Kaiser. Der Kettenraucher hat eine Lungentransplantation hinter sich.

Übrigens: Der Test im Lungentest- und Informationsbus («Luftibus») ist gratis. Möglich macht das die Stadt Bülach. Sie hat die Zürcher Lungenliga ermuntert, nach Bülach zu kommen, und unterstützt die Aktion auch finanziell. Der «Luftibus» ist nach 2006 schon zum zweiten Mal in Bülach. Dies im Rahmen der seit 2003 laufenden Aktionen von «Büli Gsund». Stadtrat Mark Eberli will damit auch auf lokaler Ebene Gesundheitsförderung betreiben, wie er vor Ort sagte. Ansetzen wolle man bei der Tabak- und Alkoholprävention. Nach Angaben von Daniel Knöpfli, Leiter Soziales und Gesundheit, sind weitere Aktionen geplant, so die «rauchfreie Lehre» in Zusammenarbeit mit Firmen oder Präventionsprojekte an den oberen Klassen der Primarschule.

Mehr Nachrichten und Hintergründe vom Unterland gibt es täglich im Regionalbund des Tages-Anzeigers. Schreiben Sie direkt an unterland@tages-anzeiger.ch

Erstellt: 08.09.2010, 23:40 Uhr

Der Luftibus

«Luftibus» in Bülach: Donnerstag, 9., und Freitag, 10. September, Hans-Haller- Platz, 10–13 und 14–18 Uhr.

«Luftibus» in Wallisellen: Montag, 13., bis Mittwoch, 15. September, vor dem Gemeindehaus, 10–13 und 14–18 Uhr.

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