Der Mann mit dem Kürbisblick

Der Gärtner Beni Meier aus Pfungen hat den schwersten Kürbis der Welt gezüchtet.

Beni Meier posiert mit seinem fast 1000 Kilogramm schweren Kürbis. Foto: Keystone

Beni Meier posiert mit seinem fast 1000 Kilogramm schweren Kürbis. Foto: Keystone

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Manche setzen auf ihren Grünen Daumen, wenn sie gross herauskommen wollen. Beni Meier aus Pfungen weiss etwas Besseres: seinen Blick für gute Proportionen. Seine Pflanzen brauchen keine geheimen Wachstumsförderer, und gut zureden braucht er ihnen auch nicht. Um grosse Kürbisse heranzuziehen, achtet Meier, der Weltmeister im Kürbiswiegen, auf Ausgewogenheit, wenn er aus den 21 Pflänzchen, die jedes Jahr in seinem Treibhaus spriessen, erst die sechs viel­versprechendsten auswählt. Und wenn die Pflanzen – Atlantic Giant, seit Jahren die Sorte der Sieger – die ersten Früchte tragen, sich die drei gesündesten aussucht.

Kürbiszüchten ist Meiers Hobby. Doch der 30-Jährige betreibt es fast wie Spitzensport. «Das muss man ernsthaft tun, um erfolgreich zu sein», sagt Vater Peter. Meiers führen eine Gärtnerei, bereits in dritter Generation: Topfpflanzen, Küchenkräuter, Stauden für den Garten. Die Kunden sind Gartencenter in der Region.

«Das schaffe ich!»

Peter Meier hat es Beni nicht zugetraut, als der, noch keine zwanzig, die Herausforderung annahm. Knapp 400 Kilo wog damals der weltschwerste Kürbis. «Das schaffe ich», sagte der Sohn. Der Vater zweifelte am Durchhaltewillen. Und noch etwas sprach gegen ein Gelingen: das Klima in der Schweiz. «Viel schlechter als in den USA, wo bisher alle Sieger herkommen.» Aber der Vater schwieg, zum Glück. Beni, der das Familienunternehmen inzwischen zusammen mit seiner Schwester führt, hat vergangene Woche in Berlin den Amerikanern die Kürbiskrone zum ersten Mal entrissen. Und am Wochenende brach er den Weltrekord – seinen eigenen – erneut: 953,5 Kilo, 2,5 Kilogramm mehr, wog das Exemplar, das er an die Schweizer Meisterschaft brachte, ans Kürbiswiegen auf den Bächihof der Gebrüder Jucker. 3900 Franken Preisgeld nahm Meier mit nach Hause.

Vor einem Jahr hatte Meiers Exemplar sogar mehr als eine Tonne auf die Waage gebracht. Der Rekordkürbis hatte jedoch ein Loch und schied deshalb aus. «Künstlerpech», sagt Beni Meier. Diesmal hat er fast alles gleich gemacht: Wärme haben die Kürbisse gern. Jederzeit ausreichend Nährstoffe, ja – aber nicht zu viel. Das Gleiche gilt für das Wasser.

Züchter tauschen Samen gratis

Die Preisgelder aus vergangenen Jahren hat Meier in eine geeignete Bodenfräse, eine Bewässerungsanlage und die Erneuerung seines Treibhauses gesteckt. Er ist ein ruhiger Typ: unkompliziert, aber alles andere als ein Schnurri. Wenn er etwas sagt, hören Kürbiszüchter aus der ganzen Welt genau hin. Auch jetzt, da er der unbestrittene Meister ist, werden ihm Hunderte schreiben und ihn um ein paar Samen bitten. Zwischen 0 und 800 Kerne hat es in einem Kürbis. Zu Geld machen kann Meier die nicht. Unter Züchtern tauscht man sie gratis aus. Aber an Auktionen, die wiederum die Preisgelder finanzieren, erzielt ein einzelner Kern gerne mehrere Hundert Franken.

Beni Meier verdient an seinem aufwendigen Hobby dank schlauer Strategie: 10'000 Euro gewinnt der grösste Kürbis auf dem wichtigsten europäischen Wiegewettkampf, der kommendes Wochenende in Ludwigsburg stattfindet. Dann zeigt sich, ob Meier mit seinem Blick für den Kürbis ein weiteres Mal richtig gewählt hat, und der letzte seiner drei Schützlinge im Treibhaus, wie er vermutet, der schwerste ist.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 07.10.2014, 06:52 Uhr

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