Der Zaubertrank aus Herrliberg ging um die Welt

Seit 50 Jahren wird das Aufbaupräparat Bio-Strath hergestellt. Die dunkelbraune Flasche mit der blauen Etikette gehört längst nicht mehr nur hierzulande zum festen Inventar manch eines Haushalts.

David Pestalozzi führt das Familienunternehmen Bio-Strath in zweiter Generation.

David Pestalozzi führt das Familienunternehmen Bio-Strath in zweiter Generation. Bild: Sabine Rock

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Hoch über Herrliberg thront die Produktionsstätte der Firma Bio-Strath. Von aussen erkennt man kaum, dass hier jährlich eineinhalb Millionen Flaschen mit Strath, einem Nahrungsergänzungspräparat auf Kräuterhefebasis, abgefüllt werden. Rund 70 Prozent davon sind für den Export in über 50 Länder gedacht. Die Produktionsstätte erinnert an ein Wohnhaus. Doch es wohnt niemand dort.

Unter dem Gebäude liegen noch zwei Stockwerke. Dort, in den «Katakomben», wird nach einem geheimen Rezept, das nur drei Leute kennen, der «Saft, der Kraft schafft», hergestellt. In einem grossen, blitzsauberen Raum stehen die vier Chromstahltanks mit je 12'000 Liter Fassungsvermögen – das eigentliche Herz der Produktion. Durch eine runde, mit einem Glas verschlossene Öffnung kann man tief in die Tanks schauen. Dort unten blubberts und gärts. Ein süsslich-bitterer Duft liegt in der Luft – unverkennbar Strath.

Gegärt und verflüssigt

Innert einer halben Stunde werden hier die Hefezellen, eine Bäckerhefe, die von Natur aus zahlreiche lebenswichtige Vitalstoffe enthält, durch sogenannte Sprossung geteilt. Dann werden bei der Vermehrung der Hefezellen Extrakte von rund 50 Kräutern zugefüttert und im Gärverfahren plasmolysiert, das heisst, verflüssigt. Das alles passiert ohne Erhitzung und ohne Zusatzstoffe. Die Natur arbeitet ganz für sich allein. Die Zelle nimmt die pflanzlichen Wirkstoffe auf und integriert sie bei der Weiterentwicklung. Man wähnt sich in einer modernen Hexenküche.

Durch die Zugabe von fünf Prozent Honig, zehn Prozent Malzextrakt und gleich viel Orangensaft entsteht schliesslich das Aufbaupräparat, das viele Schweizer schon von Kindesbeinen an täglich zu sich genommen haben. Ist der Gärprozess nach zwei Monaten abgeschlossen, wird die Flüssigkeit über eine Chromstahlpipeline zum Abfüllraum geleitet, die Flasche etikettiert und verpackt.

Nur drei kennen das Rezept

Im untersten Geschoss warten grosse auf Paletten gestapelte Kartonschachteln auf ihren Versand. Darauf sind Namen aus fernen Ländern und Städten zu lesen: Osaka, Hongkong, Melbourne oder Cochin. Letzteres ist ein Spital in Indien, das mit der jährlichen Lieferung von 2000 Flaschen von der Familie Pestalozzi unterstützt wird. Die ganze Produktion findet in Herrliberg statt, es gibt keine Lizenzverträge im Ausland. Nur die Umwandlung von Kräuterhefe in Tabletten hat man in eine andere Firma ausgelagert.

Das Hexenbuch selber ist aber gut versiegelt. Die genauen Angaben kennen nur der heutige Chef David Pestalozzi, der das Unternehmen in der zweiten Generation führt, sein Vater, der Pionier und Firmengründer, Fred Pestalozzi sowie der technische Direktor Alfred Habegger. Wie die Familie Pestalozzi aber zu diesem Rezept kam, ist eine besondere Geschichte.

Alles begann nämlich mit einer Krankheit. Der Kaufmann und Spross der Zürcher Eisen- und Stahldynastie Pestalozzi, Fred Pestalozzi, erkrankte in jungen Jahren am Menièresyndrom, einer von Schwindelanfällen und Ohrenpfeifen begleiteten Krankheit. Durch Zufall stiess er auf ein konzentriertes Kräuterhefepräparat, das der deutsche Chemiker Walter Strathmeyer 1948 entwickelte. Pestalozzi probierte es aus und war wenige Monate später beschwerdefrei und wieder voll leistungsfähig. Pestalozzi besuchte Strathmeyer. Der schenkte dem jungen Mann sein Rezept. Pestalozzi wollte für die Schweiz produzieren, Strathmeyer nur den deutschen Markt mit seinem eigenen Produkt abdecken. So kam es 1961 zur Firmengründung an der Zürcher Langstrasse. Damals war alles kleiner. In alten Bottichen wurden in einer Küche die ersten Aufbaupräparate produziert.

Vom Küchenlabor hat sich die Firma Bio-Strath zu einem Familienunternehmen mit 16 Mitarbeitern gemausert. Auch der Name der Produkte hat sich – allerdings nur in der Schweiz und in der EU – geändert. Das Präfix Bio (griechisch für Leben) musste vor zehn Jahren fallen gelassen werden, da dies biologisch angebauten Agrarprodukten vorbehalten ist.

Grösster Absatz in Südafrika

Im Rest der Welt wird es weiterhin als Bio-Strath vertrieben. Südafrika, Dänemark, England, Kanada und Japan gehören zu den stärksten Abnehmernationen. Nach Südafrika werden mittlerweile mit 470'000 Packungen sogar mehr verkauft als in der Schweiz mit 360'000 Packungen pro Jahr. In den letzten 50 Jahren ist die Firma Bio-Strath beständig gewachsen. Der Umsatz stieg auf 8 Millionen Franken im Jahr. Beliefert werden Grosskunden, berücksichtigt werden aber auch Kleinstabnehmer wie Island mit 200 Packungen im Zweijahresabstand.

«Wir wachsen so, wie wir wachsen können», sagt David Pestalozzi. «Wir mussten in all den Jahren nie Leute entlassen und sind finanziell unabhängig.» In ihrem Jubiläumsjahr plant die Firma Bio-Strath mehrere Anlässe: einen Online-Fotowettbewerb, eine Tagung im Mai für über 60 Vertreter aus aller Welt. Am 25. Juni kann sich jeder und jede am Tag der offenen Tür selbst ein Bild vom «kleinen Global Player» aus Herrliberg machen.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 20.01.2011, 23:04 Uhr

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