Der gekröpfte Regierungsrat

Die Sonne scheint, unser Regierungsrat strahlt, das Schweizer Kreuz leuchtet. So viel Wonne macht skeptisch. Eine Betrachtung von Bettina Weber und Ruedi Baumann.

Das neue Gruppenbild der Regierung: Husi, Graf, Kägi, Aeppli, Heiniger, Gut, Stocker und Fehr (von links)

Das neue Gruppenbild der Regierung: Husi, Graf, Kägi, Aeppli, Heiniger, Gut, Stocker und Fehr (von links) Bild: André Springer

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Ein fideles Trüppchen ist unsere Regierung. Mit Ausnahme der beiden Flügel würden es alle glatt in die Pepsodent-Werbung schaffen. Und locker sind sie drauf: Fast alle Männer tragen ihre Jacketts offen, dabei weiss jeder rechte Mann – spätestens seit Harald Schmidt –, dass man im Stehen das Jackett zuknöpft. Auf dem Bild für die Amtsperiode 2013/14 soll Einigkeit, Charme und Tatkraft symbolisiert werden – und das am Tor zur Welt. Die kleine Provokation für alle Fluglärmgegner hat Regierungspräsident Heiniger zu verantworten.

Doch leider schaut man nicht nur bei den strahlend weissen Zähnen genau hin. Über den Köpfen leuchtet bei allen ein verdächtiger Heiligenschein. Und die Schatten spielen ziemlich eigenwillig um Schuhe und Beine. Vor allem aber: Wann schien im Mittelland seit dem letzten Schnee je die Sonne? Regierungssprecherin Susanne Sorg bestätigte gegenüber dem «Landboten», dass das Bild eine Fotomontage sei. Als die Regierung auf der Flughafenterrasse anrückte, regnete es und war trüb. Der Fotograf verrichtete seine Arbeit mit viel künstlicher Sonne im Trockenen, fotografierte den Flughafen später und montierte die beiden Bilder zusammen.

Politisch gesehen liess sich die Regierung also so offensichtlich schieben, ausleuchten und zufriedenstellen, dass es keine PUK braucht, um die Manipulation nachzuweisen. Flugtechnisch gäbe es – vor allem aus deutscher Sicht – andere schwere Vorwürfe. Das Bild wurde, wie der umstrittene Anflug die Grenze entlang, zurechtgebogen, also gekröpft. Und so haben wir nun ein Jahr lang einen gekröpften Regierungsrat.

Nach diesen Missetaten sind die paar modischen Fettnäpfchen auf dem Gruppenföteli kaum der Rede wert. Nicht viel zu mäkeln gibts bei Regierungspräsident Thomas Heiniger (FDP) in der Mitte: dynamisch, salopp, sportlich, gut sitzender Anzug. Über seine violette Krawatte kann man diskutieren, die Schnallenschuhe sind definitiv uncool.

Vizepräsidentin Regine Aeppli (SP) zeigt wie immer Geschmack. Ihr Rock ist angemessen verspielt, die Länge perfekt und die transparenten Strümpfe total en vogue, jedenfalls bis zu einem gewissen Alter. Finanzdirektorin Ursula Gut (FDP) ist der Hingucker wegen ihres Muts zur Farbe. Man freut sich nur schon wegen ihrer Kleiderwahl jedes Jahr aufs Bild. Doch die Streifen verlaufen diesmal so, dass sie nicht eben schlank machen. Und Röcke, die in der Mitte der Wade aufhören, eignen sich bloss für Modelbeine.

Baudirektor Markus Kägi (SVP) kaschiert seine Kilos tadellos. Sein perfekt geschnittener Anzug und die Hand im Hosensack halten ihn quasi zusammen. Volkswirtschaftsdirektor Ernst Stocker (SVP) wirkt als Flughafenverwaltungsrat mit sich und den Pisten zufrieden, seine runden Orthopädieschuhe verderben aber alles. Justizdirektor Martin Graf (Grüne) steckt in einem schlecht geschnittenen Anzug, mit keck vorgereckter Hand macht er das wett. Mario Fehr (SP) kann als Polizeidirektor weder in Achtungsstellung noch mit den Händen im Hosensack dastehen und entscheidet sich für verschränkte Arme – was ihn wie einen verlegenen Konfirmanden aussehen lässt. Bei Staatsschreiber Beat Husi links aussen gefällt die listige rote Krawatte – die braucht das Bild. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 06.05.2013, 10:05 Uhr

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