Die Bilder vom Estrich werden jetzt bei Christie’s verkauft

In der Villa seiner Eltern entdeckte Tobias Schait über 100 Gemälde des Uetiker Künstlers Robert Amrein. Nun reissen sich Sammler darum und Schaits Lieblingsbild geht ans Zürcher Kunsthaus.

Völlig unerwartet: Tobias Schait wurde vor zehn Jahren zum Besitzer einer kleinen Kunstsammlung. Eines davon das Gemälde «Rote Haus 1917» von Robert Amrein.

Völlig unerwartet: Tobias Schait wurde vor zehn Jahren zum Besitzer einer kleinen Kunstsammlung. Eines davon das Gemälde «Rote Haus 1917» von Robert Amrein. Bild: Archiv Reto Schneider

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Ein Frühjahrsputz kann das Leben ändern. So jedenfalls erging es Tobias Schait, als er den Estrich in der Uetiker Villa seiner Eltern aufräumte. Dort entdeckte er in einer dunkeln Ecke einen Stapel alter Zeitungsrollen. Achtlos warf er sie die Treppe hinunter, um sie später zu entsorgen.

Hätte er sie wie geplant in den Abfall geschmissen, wäre der Nachlass des Uetiker Künstlers Robert Amrein für immer verloren gegangen. Doch dazu kam es nicht: Schait packte eine der Zeitungsrollen aus und stellte fest, dass sich darin Ölbilder versteckten. Eine überwältigende Anzahl kleiner und grosser Werke, Landschaften, Stillleben, Porträts – 116 Gemälde, die über 50 Jahre unberührt auf dem Dachboden gelegen hatten.

Erben zeigten kein Interesse

Obwohl Tobias Schait bei seiner Aufräumaktion vor gut zehn Jahren keine Ahnung von Kunst hatte und sich manche Bilder in schlechtem Zustand befanden, ahnte er, dass es sich dabei um bedeutende Kunstwerke handelte. Eine Vermutung, die sich bestätigen sollte: Die Bilder stammten allesamt von Robert Amrein, einem Uetiker Maler, der zu Lebzeiten ein beachteter Künstler gewesen war (siehe Kasten).

Tobias Schait liess die Bilder für rund 300 Franken pro Stück restaurieren und wurde so über Nacht zum Besitzer einer kleinen Kunstsammlung. Mit seiner Begeisterung über den Fund stand er zu Beginn jedoch ziemlich alleine da. Weder seine Familie noch die Erben Amreins zeigten sich interessiert. Auch scheiterten mehrere Versuche, eine Ausstellung zu organisieren. Sein Ziel, die Werke an die Öffentlichkeit und unter die Leute zu bringen, verfolgte Tobias Schait aber unbeirrt weiter.

Werkschau mit Unterstützung der Gemeinde

So bot er unter anderem persönliche Führungen in der Villa seiner Eltern an. Gleichzeitig begann der Uetiker, der früher im Finanzsektor gearbeitet hatte und später Theologie studierte, sich autodidaktisch in Kunstgeschichte weiterzubilden.

Mit Unterstützung der Gemeinde Uetikon gelang es ihm 2006 doch noch, eine Werkschau zu realisieren. Von den 80 Bildern, die in der Ausstellung im Uetiker Malbera-Haus gezeigt wurden, verkaufte er rund 60 zum Preis der Restaurationskosten. Fünf Gemälde schenkte er dem Ortsmuseum. «Nachdem die Bilder beinahe verloren gegangen wären, war es mir wichtig zu wissen, dass sie wieder aufgehängt und betrachtet werden.»

Diesen Monat unterm Hammer

Die seiner Meinung nach bedeutendsten Werke behielt Tobias Schait aber vorerst für sich. Bis er sich vor kurzem entschied, sich auch von diesen Bildern zu trennen. «Die Präsenz der Gemälde hatte mich immer mehr belastet», sagt er. «Sie waren in der Villa fehl am Platz.» Vom hohen Wert seiner Kunstwerke überzeugt, bot er die Gemälde deshalb dem Auktionshaus Christie’s an – das prompt Interesse zeigte. Christie’s entschied sich für Amreins Bilder «Zauberwald» und «Rotes Haus» aus dem Jahr 1917. Beide Gemälde kommen diesen Monat unter den Hammer. Die Mindestpreise liegen bei 5000 bis 7000 Franken.

Den eigentlichen Ritterschlag erhielt Schait aber für ein stilles Landschaftsbild, das einen See umringt von Bergen zeigt. Dieses Werk wird künftig im Kunsthaus Zürich zu sehen sein. Dass das Kunsthaus eine derartige Schenkung annimmt, ist alles andere als selbstverständlich. Wie Pressesprecher Björn Quellenberg sagt, ist das Haus diesbezüglich sehr wählerisch. «Wir bekommen viel mehr Angebote, als wir annehmen können.»

Liebe zur Kunst ist geblieben

Mit der Schenkung dieses letzten Bildes geht für Tobias Schait eine zehnjährige Odyssee zu Ende. Wehmut, dass die Gemälde weg sind, verspürt der Uetiker aber kaum. Er ist vielmehr erleichtert, dass alle Bilder ein neues Zuhause gefunden haben. Das grosse Geld habe er damit nicht gemacht, sagt er. «Darum ist es mir auch nie gegangen.»

Geblieben ist Tobias Schait die Liebe zur Kunst und ein geschultes Auge für wertvolle Gemälde. So macht er sich auch heute noch regelmässig auf den Weg ins Brockenhaus. Dort durchsucht er Stapel um Stapel alter, verstaubter Bilder. Er ist auf der Suche nach dem nächsten vergessenen Kunstwerk, für das sich die Restaurierung lohnt. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 13.03.2011, 21:21 Uhr

Robert Amrein

Ausstellung in Zollikon

Robert Amrein wurde 1896 in Zürich geboren. Er studierte an der Kunstgewerbeschule in Zürich. In Florenz lernte er Augusto Giacometti kennen. Der Cousin von Giovanni Giacometti aus der berühmten Bergeller Malerdynastie gilt als Erneuerer der Glasmalerei und Schöpfer monumentaler Wandbilder. Er wurde Amreins wichtigster Lehrer.

1932 zog Amrein mit seiner Mutter von Zürich nach Uetikon. Er gewann zahlreiche Wettbewerbe, darunter Ausschreibungen für das Kongresshaus Zürich und die Kirche Uetikon. Zwischen 1913 und 1950 wurden seine Werke in allen grossen Kunsthäusern der Schweiz gezeigt. Am 2. Februar 1945 starb er im Alter von 49 Jahren an den Folgen eines Schlaganfalls.

Rund 30 Gemälde aus seinem Fund hat Tobias Schait an Ueli Eberhart, den ehemaligen Besitzer des Auktionshauses Zürichsee Auktionen, verkauft. Seit das Erlenbacher Auktionshaus Ende Dezember seine Tore geschlossen hat, arbeitet Eberhart vermehrt in seiner Galerie Il Tesoro in Lachen. Eberhart ist ein grosser Bewunderer von Amreins Werken. «Er war ein sehr interessanter Künstler, der viel zu wenig gezeigt wird und weit unter seinem Marktwert gehandelt wird.»

Um Amreins Werk bekannter zu machen, plant Ueli Eberhart, eine Publikation über dessen Arbeit zu schreiben. In Kürze will er zudem eine Ausstellung mit Bildern des Uetiker Malers im Zolliker Restaurant Zur Höhe organisieren.(jsu)

Amreins frühe Werke waren vom Expressionismus geprägt. (Bild: Archiv Reto Schneider)

Ein Werk, das sogar die Kuratoren des Zürcher Kunsthauses beeindruckte: Dieses Bild von Robert Amrein nahmen sie in ihre Sammlung auf. (Bild: Archiv Reto Schneider)

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