Die Fettschicht auf dem Sch(m)utzengel muss weg

Der Schutzengel im HB schwebt über allen, aber über Schmutz erhaben ist er nicht. In den kommenden Wochen wird er Zentimeter um Zentimeter gereinigt.

Seit über 20 Jahren hängt der Schutzengel in der Haupthalle des Zürcher Hauptbahnhofs – jetzt wird er restauriert.
Video: sda

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Bremsstaub der Züge sitzt auf ihren Schultern, rostig gefärbtes Kondenswasser bildet auf ihrem Rumpf feine gelbe Streifen, Bratfett von Raclettekäse und Bratwürsten überzieht ihren Rücken als klebriger Film. Die zahllosen Events in der Bahnhofshalle haben auf der Nana-Skulptur von Niki de Saint Phalle Spuren hinterlassen und aus dieser Übermutter-Figur, diesem schwebenden Schutzengel ein allzu irdisches Wesen gemacht – nicht vom Alltag entrückt, sondern von ihm gezeichnet.

Seit 21 Jahren hängt die Skulptur im Hauptbahnhof Zürich, nun wird sie während der kommenden drei Wochen gereinigt, das letzte Mal passierte das vor zehn Jahren. Alle paar Monate entfernt man den Staubfilm. Jetzt geht es darum, die Fettschicht wegzulösen. Für diese Restaurationsarbeiten haben Arbeiter den Engel vergangene Nacht runtergelassen, in den hinteren Teil der Bahnhofshalle verschoben und wieder elf Meter in die Höhe gehoben. Diese Stelle war der Skulptur ursprünglich zugedacht, als sie 1997 in drei Teilen von den USA per Schiff über Rotterdam und Basel nach Zürich gebracht und installiert wurde, von der Künstlerin höchstpersönlich überwacht.

Jeder Eingriff so klein wie möglich

Die Restauratoren Christian Marty und Petra Helm reiben die klebrige Masse mit einem speziellen Stück Gummi, das eigentlich für Tesafilmreste geeignet ist, Zentimeter für Zentimeter vom Schutzengel ab. Das war ein glücklicher Einfall, den Petra Helm da hatte, mit ihren vierzig Jahren Restaurationserfahrung: Weil die Nana-Skulptur mit Acrylfarben bemalt ist, würden Wasser oder andere feuchte Mittel die Oberfläche nur beschädigen. Mit wenig Watte, in ein Lösungsmittel getunkt, entfernen Marty und Helm anschliessend kleinere Schmutzpartikel. Minutiöse Kleinstarbeit an der 1,2 Tonnen schweren Engelsfigur.

Dicke Fettschicht: Der Fuss der Engelsskulptur wird gereinigt. Bild: Doris Fanconi

Eigens für diese Reinigung, die rund 40’000 Franken kostet, haben die beiden Restaurateure den Führerschein für die Scherenbühne gemacht, dieses Gefährt, mit dem sie sich zur Skulptur nach oben heben lassen können. «Wir werden nicht die Letzten sein, die an dieser Skulptur arbeiten», sagt Marty, und Helm erklärt den ethischen Grundsatz, nach welchem Restaurateure arbeiten: Jeder Eingriff muss so minimal wie möglich sein, und jeder Eingriff muss für Restaurateure, die nach ihnen kommen werden, behandelbar bleiben.

Die Kunstwerke sind für die Ewigkeit gedacht, die Restaurationsarbeiten sind es nicht. Ende August, wenn man die Nana vom gröbsten Schmutz befreit hat, kommt sie wieder zurück an den Platz weiter vorn in der Bahnhofshalle. Hier hinten kann sie nicht bleiben – sie muss den zahllosen Events weichen.

Erstellt: 03.08.2018, 14:53 Uhr

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