Die Flyers im Bann der Lammer-Frage

Kloten verliert seine besten Junioren an die Konkurrenz – EVZ-Flügel Dominic Lammer ist das jüngste Beispiel.

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Von Etienne Wuillemin

Die Kloten Flyers haben ein Wochenende hinter sich, das einige ihrer Probleme aufdeckte. Vorab auf dem Eis, aber auch daneben. Die Auftritte in Zug und zu Hause gegen Langnau waren schwach. Drei Punkte dafür sind ein üppiger Lohn. Interessieren tut das in Kloten niemanden. «Wir spielen, um zu gewinnen», konstatierte Trainer Anders Eldebrink, der sich am Sonntag in Einsiedeln einen Langlauftag gönnte.

Der auffälligste Klotener des Wochenendes hiess Dominic Lammer – und spielt für den EV Zug. Am Freitag schoss der 19-Jährige gegen seinen Ex-Klub zwei Tore, am Samstag gelang ihm gegen Fribourg der nächste Doppelschlag. Das wirft Fragen auf. Vorab diese: Ist es nur Zufall, dass ehemalige Klotener Junioren wie Damien Brunner, Reto Suri, Robin Grossmann oder eben Lammer erst abseits der Flughafenstadt den Durchbruch schaffen?

Zunächst die Fakten: Seit Sommer 2009 hat Lammer in 72 Spielen für die Elite-Junioren der Flyers 69 Tore erzielt. Zwischen dem 2. und dem 8. Januar 2011 kam er im Klotener Fanionteam zu drei Einsätzen. Er erzielte keinen Skorerpunkt. Fakt ist auch, dass die Flyers bei jeder Gelegenheit betonen, wie viele Junioren sie einsetzen. «Aber», sagt Damien Brunner, «von diesen Junioren in Kloten hat in letzter Zeit keiner auch nur annähernd so viel Verantwortung übernehmen können wie Lammer beim EVZ in den letzten zwei Spielen.»

Brunner ist das bekannteste Beispiel eines Klotener Juniors, der den Durchbruch erst nach einem Klubwechsel geschafft hat. Der Liga-Topskorer gibt aber auch zu bedenken: «Ein Trainer, der einen Jungen in die erste Linie und damit allen Arrivierten vor die Nase stellt, braucht viel Mut.»HCD-Verteidiger Robin Grossmann, der Kloten im Sommer 2008 verliess, sagt: «Von den Jungen in Kloten wird primär erwartet, dass sie keine Fehler machen.» Konkret seien Angriffsauslösungen meist eine Sache für die routinierten Verteidigungspartner gewesen. Generell hält Grossmann fest: «Ein Klubwechsel kann häufig neuen Schwung verleihen.»

Es ist nicht so, dass sich überhaupt keine Flyers-Junioren in der ersten Mannschaft durchsetzen könnten. Simon Bodenmann, Denis Hollenstein, Arnaud Jacquemet und nicht zuletzt Samuel Walser, der gegen Langnau ein herrliches Tor erzielte, sind die jüngsten Beispiele. Captain Victor Stancescu sagt: «Man sollte realistisch bleiben: Junge Spieler erhalten häufig dann eine Chance, wenn sich ein Etablierter verletzt. Es braucht viel Geduld, und man muss zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein.» So, wie das bei Lammer an diesem Wochenende der Fall war. Zudem sei es in keinem Team möglich, alle Junioren auf einmal einzubauen.

Der Wert schwieriger Köpfe

Eine andere Frage ist, inwiefern Lammers schwieriger Charakter beim Abgang aus Kloten eine Rolle gespielt hat (TA vom Samstag). Alle Beteiligten bei den Flyers beteuern: «Es braucht schwierige Köpfe in einem Team. Das sind jene, die den Unterschied ausmachen, wenn es zählt.» Sportchef Jürg Schawalder präzisiert aber: «Leute, die unanständig sind, keinen Anstand und Respekt haben, die können gehen.» Solch egoistisches Verhalten werde vielleicht in Kanada akzeptiert, in der Schweiz dagegen nicht.

Beispiele wie jenes von Lammer wird es im Schweizer Eishockey wohl immer wieder geben. Die Stimmen im Flyers-Umfeld weisen darauf hin, dass der Fall Lammer immerhin für die gute Nachwuchsarbeit spreche. Trotzdem: Auch sie würden sich bestimmt nicht beklagen, wenn der nächste Liga-Topskorer den Durchbruch in Kloten schaffen würde.

Der Ex-Klotener Dominic Lammer traf am Wochenende viermal für Zug. Foto: Key

Erstellt: 17.01.2012, 06:32 Uhr

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