Analyse

Die Frauen werden nicht gewinnen

Nach der Nomination der SP für die Stadtratswahlen ist klar: Die Frauen werden maximal drei der neun Sitze ergattern. Wahrscheinlicher ist, dass der Frauenanteil sinkt.

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Wahlprognosen sind heikel. Noch ist nicht einmal sicher, dass Zürich nach der Wahl am 9. Februar die Namen aller neun Stadträte kennt. Ein zweiter Wahlgang für einen oder gar mehrere Sitze ist nicht ausgeschlossen – auch amtierende Stadträte müssen mit einer zweiten Runde rechnen.

Das zeigt ein Blick auf das Kandidatenfeld. Für die 9 Sitze kandidieren 14 Personen – 3 Frauen und 11 Männer. Es sind 4 Sozialdemokraten, je 2 von der SVP, der FDP, den Grünen und je einer von der CVP, der AL, der GLP und den Schweizer Demokraten. 7 Bisherige wollen ihre Sitze verteidigen. Die SVP dagegen möchte die bürgerliche Wende einleiten und den Linken einen oder zwei Sitze abjagen.

Sicher ist eines: Der Frauenanteil in der Stadtregierung, der bei 33 Prozent liegt, wird nicht steigen. Im Gegenteil, es ist wahrscheinlich, dass die Frauen einen Sitz verlieren und nur noch 2 der 9 Sitze besetzen. Das frei werdende Amt von Ruth Genner (Grüne) wird aller Voraussicht nach ein Mann einnehmen. Denn die Wahlchancen von Nina Fehr (SVP) als einziger Kandidatin, die noch nicht in der Regierung sitzt, sind gering.

Wohlfühloase im Stadthaus

Vorauszusehen ist, dass das Stadtpräsidium bereits im ersten Wahlgang besetzt wird. Denn hier treten mit der Amtsinhaberin Corine Mauch (SP) und dem FDP-Nationalrat Filippo Leutenegger nur zwei Politiker an. Sie teilen die Stimmen unter sich auf; die Hälfte plus eine reichen zum Erfolg.

Die Vorteile liegen bei Mauch: Sie hat in ihren fünf Amtsjahren kaum jemanden verärgert. Speziell aufgefallen ist sie zwar nicht, aber auch nie abgefallen – Fehler hat sie keine gemacht. Ihre Auftritte sind lockerer geworden, von der grauen Mauch spricht kaum mehr einer. Kritiker bemängeln, dass sie das Regierungsgremium zu einer Wohlfühloase im Stadthaus umfunktioniert habe.Leutenegger als Rechtsbürgerlicher rechnet mit Stimmen aus dem linken Lager, viele werden es nicht sein. Und ohne diese schafft er es nicht, Mauch das prestigeträchtige Präsidium streitig zu machen. Die Kandidatur als Stadtpräsident verschafft ihm aber einen Vorsprung bei den Stadtratswahlen: Er wird von den Medien genauer beobachtet als seine bürgerlichen Mitstreiter, und er wird mehr Auftritte haben als diese.

Die SVP wird alles daransetzen, den ihr nahestehenden Leutenegger in die Regierung zu bringen. Denn auch Roland Scheck – neben der jungen Fehr der zweite Kandidat der Volkspartei – wird kein einfaches Leben haben im Wahlkampf. Er politisiert weiter am rechten Rand als Leutenegger, was ihn bereits in der bürgerlichen Mitte Stimmen kosten wird.Bleiben aus dem bürgerlichen Lager die amtierenden Stadträte Andres Türler (FDP) und Gerold Lauber (CVP). Sie profitieren zwar vom Bisherigenbonus, müssen aber schauen, dass sie im lauten Wahlkampf nicht untergehen.

SP will AL-Wähler abholen

Die Linke wiederum setzt auf Machterhalt und ist ein bemerkenswertes Wahlbündnis eingegangen, indem sie Richard Wolff (AL) mit ins Boot geholt hat. Noch vor wenigen Monaten kümmerten sich die Sozialdemokraten nicht um den Kandidaten Wolff – sie warnten gar bei der Ersatzwahl des FDP-Finanzvorstehers Martin Vollenwyder, eine Unterstützung werde als Arroganz der Macht ausgelegt. Jetzt will die SP auch die Stimmen der AL-Wähler abholen – und setzt die Koalition der Vernunft mit der FDP aufs Spiel, soweit diese noch existiert.

Mit dem soeben nominierten SP-Mann Raphael Golta treten von Links-Grün drei Kandidaten an, die sich in ihrer politischen Ausrichtung unterscheiden, von ihrer Persönlichkeit und ihrem Hintergrund her ähnlich sind: Golta ist wie Markus Knauss (Grüne) und Samuel Dubno (GLP) urban, bestens vernetzt, gewiefter Taktiker, rhetorisch beschlagen – und alle drei streben ehrgeizig eine politische Karriere an. Für alle wird es am 9. Februar kaum reichen. Vor allem für Dubno könnte es knapp werden: Den Grünen sind die Grünliberalen zu bürgerlich, den Bürgerlichen sind sie zu grün. Bleiben zum Schluss die SP-Stadträte Claudia Nielsen und André Odermatt. Sie riefen am Dienstag ihre Genossen zum Wahlkampf auf, dieser werde hart. Ihnen ist aber bewusst, dass sie vor allem eines nicht machen dürfen bis zu den Wahlen: Fehler. Dann sind ihre Sitze kaum gefährdet.

Was auch immer passiert: Vielleicht nimmt die Übermacht von Rot-Grün etwas ab, die Mehrheit wird diese Koalition im Stadtrat behalten. Interessant ist darum, was im Gemeinderat passiert. Denn dort geht es bei Mehrheiten manchmal um einzelne Stimmen. Doch für die EVP gilt wie für die neu antretende BDP: Sie müssen zuerst die 5-Prozent-Hürde in einem Wahlkreis nehmen.

Erstellt: 12.09.2013, 07:59 Uhr

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