Die Liebe der NLA-Fussballerin zum Fliegen und zum Schnee

Isabel Derungs wechselte vom Fussball zum Freestyle-Snowboarden. Erfolgreich: Innert einer Saison schaffte sie es ins nationale Kader.

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Von Emil Bischofberger, Davos

Die Geschichte beginnt im Skilager in Lenzerheide. Jedes Jahr meldete sich die Gymnasiastin Isabel Derungs für die Woche im Schnee an. Der Höhepunkt war jeweils schon im Vornherein klar: Die grosse Schanze, die die Teilnehmer gemeinsam im Tiefschnee schaufelten. Dort lernte sie auf dem Snowboard den einen oder anderen Trick. «Einfach fliegen – das fand ich sooo cool.» Die Parks mit den vielen grossen Sprüngen liess sie links liegen. «Diese Kicker sind für die Profis», fand sie.

Die Liebe zum Snowboarden wurde mit den Jahren stärker, so stark gar, dass Derungs, die in Riedikon am Greifensee aufwuchs, ihre andere grosse Liebe dafür aufgab. Von klein auf hatte sie in Schwerzenbach Fussball gespielt, zuletzt dem NLA-Team angehört, für kurze Zeit auch dem U-19-Nationalteam. Im Winter kamen sich die beiden Sportarten aber mehr und mehr in die Quere. «Ich ging lieber auf die Piste als an ein Teamfindungsweekend», sagt Derungs.

Verwunderter Nationaltrainer

Im Winter war sie regelmässig in Brigels anzutreffen, der Heimatregion ihres Vaters. Sie half mit, den Freestylepark mit den verschiedenen Schanzen in Schuss zu halten. Natürlich blieb dazwischen viel Zeit, um selber durch die Luft zu wirbeln. Aber dass ihr Niveau gut genug für Wettkämpfe sein sollte? Nie im Traum wäre ihr der Gedanke gekommen. «Meine Zürcher Freunde machten sich nicht allzu viel aus dem Snowboarden, alleine kam ich nicht auf die Idee, mich da anzumelden», sagt Derungs.

Bis vor einem Jahr eine Freundin sie aufforderte, mit nach Davos zum O’Neill Evolution zu kommen, einem Wettkampf der obersten Stufe. Also startete die 24-Jährige erstmals an einem grossen Contest, qualifizierte sich für den Final und wurde Zehnte. Etwas verwundert beobachtete sie Nationaltrainer Pepe Regazzi an diesem Tag: «Ich sah sie im Final, hatte aber noch nie etwas von ihr gehört.» Erst zwei Monate später kreuzten sich die Wege der beiden wieder, in Leysin wurde Derungs Dritte und war plötzlich mit der Frage konfrontiert, ob sie interessiert wäre, im Schweizer Team mitzufahren. Sie war, und seit diesem Herbst ist die ETH-Studentin (derzeit arbeitet sie an ihrem Master in Umweltwissenschaften) primär Snowboarderin (im B-Kader). Das bedeutet: Ende Sommer trainierte sie in Neuseeland, im November in den USA.Wie ist so ein schneller Aufstieg möglich? Die Entwicklung in Derungs’ Disziplinen, genannt Slopestyle (mehrere Schanzen und Hindernisse in Serie) und Big Air (eine einzige Schanze), ist bei den Frauen noch nicht ganz so weit fortgeschritten wie bei den Männern. Hier hat einen Vorteil, wer neben Talent auch Mut, eine Portion Unerschrockenheit sowie eine gute Physis mitbringt – alles Stärken von Derungs, die als eine von wenigen Frauen den Backside Rodeo beherrscht, einen Trick mit Überkopfrotation. Hat sie da nie Angst vor 25-m-Flügen? «Das ist ein Megaproblem. Erst wenn das Vertrauen in meine Fähigkeiten grösser ist als die Angst, versuche ich einen neuen Trick», sagt sie. Regazzi attestiert ihr aber Nehmerqualitäten: «Sie stürzte schon einige Male heftig – es hielt sie nie auf.»

Am liebsten Tag und Nacht

«Mega froh» über Derungs’ Eintritt in die Szene ist auch Sina Candrian, bislang die einzige Schweizer Slopestyle-Spezialistin. «Es ist sehr motivierend, jemanden zu haben, der den gleichen Trainingsplan hat, der die gleichen Wettkämpfe bestreitet», sagt die 23-Jährige. Trainer Regazzi findet: «Ich sehe Sina motivierter als in anderen Jahren.» Und Derungs will von Candrians Erfahrung und Ruhe lernen. Vor allem bei Letzterem sieht auch der Trainer noch Potenzial. «Ich muss Isa oft bremsen. Sonst würde sie Tag und Nacht fahren», sagt Regazzi. Kein Wunder, verbrachte sie den gestrigen Tag in den Wäldern des Jakobshorns und genoss den enormen Tiefschnee, der über die Nacht gefallen war.

Am Abend sprang sie im Training noch einige Male über den Big Air, heute steht der Halbfinal an. Ziele? «Ich muss diese Saison primär das Wettkampfsnowboarden lernen, mich dabei wohlfühlen», sagt Derungs.

Ihr Timing könnte nahezu perfekt sein, glaubt man Trainer Regazzi: «Ich sehe Isa und Sina als unsere beiden Vertreterinnen in Sotschi.» 2014 feiert Slopestyle seine olympische Premiere.

«Dies ist der Artikeltext. Er wiederholt sich jetzt mehrfach. Ein Weiterlesen ist nicht erforderlich.»

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Isabel Derungs steht lieber im Schnee als auf dem Rasen. Foto: David Birri (O’Neill)

Erstellt: 10.01.2012, 06:29 Uhr

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