Die Macht der Worte, die Macht des Bischofs

Theologin Monika Schmid fand deutliche Worte für den Umgang der Kirche mit der Homosexualität. Die Reaktion des Bischofs fiel wortlos aus – aber nicht weniger deutlich.

Stand ein für die Rechte von Homosexuellen: Die katholische Theologin Monika Schmid.

Stand ein für die Rechte von Homosexuellen: Die katholische Theologin Monika Schmid. Bild: Arno Balzarini/Keystone

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Es braucht manchmal einige Zeit, bis Worte ihre Wirkung entfalten. Das erfährt dieser Tage die katholische Theologin Monika Schmid. Der Bischof lässt sie seine Macht spüren – für Worte, die Schmid Anfang Jahr im «Landboten» geschrieben hat. Die Winterthurer Zeitung hat nun auch über Bischof Huonders Reaktion berichtet.

«Offiziell wird Homosexualität in unserer Kirche geächtet und verteufelt.»Monika Schmid in ihrer Kolumne

In Schmids Kolumne ging es im Februar um Homosexualität und um den Umgang der katholischen Kirche damit. Es sei ein offenes Geheimnis, dass mindestens 25 Prozent der Priester und Bischöfe der römisch-katholischen Kirche schwul seien, zitiert Monika Schmid einen Artikel der Agentur Kath.ch. Und ergänzt: «Offiziell aber wird Homosexualität in unserer Kirche geächtet und verteufelt», Theologinnen und Theologen, die zu ihrer Partnerin oder ihrem Partner stünden, würden in der Kirche keine Anstellung mehr finden, kritisiert die Winterthurer Theologin. Sie arbeitet in Illnau-Effretikon als Gemeindeleiterin und Pfarreibeauftragte in der Kirche St. Martin.

Missio für ein einziges Jahr

Es ist jetzt nicht gerade so, dass Schmid ihrer Worte wegen keine Anstellung mehr hätte. Aber Vitus Huonder degradiert Schmid zu einer «Anfängerin», wie die Theologin die Reaktion selbst beschreibt, «und das nach mehr als 30 Jahren Pfarreiarbeit». Huonder beschränke ihren Berufsauftrag, ihre Missio, auf ein Jahr, statt ihn wie üblich um mehrere Jahre zu verlängern. In dieser Form der Verwarnung sieht Schmid einen «Machtmissbrauch» des Bischofs.

Das Bistum Chur wiegelt gegenüber dem «Landboten» ab. Generalvikar Josef Annen, der im Bistum Chur für die Kantone Zürich und Glarus zuständig ist, sagt, er kenne Monika Schmid als engagierte Seelsorgerin, «die sich pointiert äussert und auch gern mal provoziert». Die katholische Kirche sehe Homosexualität differenziert und verteufle sie nicht. Er gehe davon aus, dass die Missio von Monika Schmid auch in einem Jahr erneuert werden könne.

(bra)

Erstellt: 19.09.2018, 10:02 Uhr

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