Die Oberschicht liegt unter den Hügeln

Seit rund 1400 Jahren liegen Skelette, Schmuck und Waffen in Dielsdorf vergraben. Die Kantonsarchäologie untersucht diesen Friedhof nun.

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Von Ines Rütten

Dielsdorf – Verschiedene Schwerter, reich verzierte Gürtelbeschläge, bunte Perlenketten und Kämme – die Grabbeigaben im Frühmittelalter waren vielfältig. Einige davon haben Mitarbeitende der Kantonsarchäologie jetzt an der Wydackerstrasse in Dielsdorf geborgen. Denn wo bald zwei Mehrfamilienhäuser mit Tiefgarage gebaut werden sollen, befand sich im frühen 7. Jahrhundert ein Reihengräberfeld der germanischen Stämme, die zu dieser Zeit das Unterland bewohnten.

60 Gräber untersucht

Seit September letzten Jahres wurden in Dielsdorf gut 60 Gräber auf einer Fläche von 1300 Quadratmetern untersucht. «Wir haben hier viele Funde bergen und Besonderheiten nachweisen können, die diese Grabungsstätte aussergewöhnlich und bedeutsam machen», erklärt Grabungsleiter Christian Bader.

Erstmals im Kanton Zürich konnten die Archäologen zum Beispiel vier sogenannte Hügelbestattungen nachweisen. Auf diese Art wurden Mitglieder der Oberschicht bestattet. «Aus den Untersuchungen dieser Gräber erhoffen wir uns wichtige Erkenntnisse über die damalige Zeit und Besiedlung dieses Gebiets», sagt Bader.

Die Menschen wurden in ihrer Tracht beerdigt, wozu bei den Männern aufwendig verzierte Gurte und bei den Frauen ein sogenanntes Gürtelgehänge gehörte. An ihm baumelten Amulette, Schlüssel oder Messer. Nebst Perlenketten wurde als einziges Schmuckstück ein Paar silberne Drahtohrringe gefunden.

Friedhof war bekannt

In der nächsten Zeit werden die rund 400 Fundstücke archäologisch und anthropologisch ausgewertet. «Leider sind die Knochen hier in sehr schlechtem Zustand», sagt Grabungsleiter Christian Bader. Aber dennoch werden sie auf Alter und Gesundheitszustand überprüft, um so mehr über das Leben der frühmittelalterlichen Dielsdorfer zu erfahren.

Der Friedhof vergangener Zeiten wurde jedoch nicht erst letztes Jahr entdeckt. Schon 1938 stiess man beim Bau des Doktorhauses auf einige Gräber. Neun davon wurden damals untersucht. Da im Frühmittelalter sogenannte Reihengräberfelder angelegt wurden, ging man von weiteren Gräbern in diesem Gebiet aus und erklärte das Grundstück darum zur archäologischen Zone. Weil dort jetzt gebaut werden soll, machte sich die Kantonsarchäologie auf die Suche nach weiteren Gräbern.

Erstellt: 15.03.2011, 21:20 Uhr

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