Die Vorbereitung auf die Gymi-Prüfung ist oft Privatsache

Anfang nächster Woche führen die Gymnasien in Zürich ihre Aufnahmeprüfungen durch. Schüler aus reichen Gemeinden haben gute Erfolgschancen.

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Die Unterschiede innerhalb des Bezirks sind frappant: 50,4 Prozent aller Kilchberger Mittelstufenschüler von 2002 besuchten 2008 eine Kantonsschule. In Schönenberg beispielsweise sind es lediglich 22,2 Prozent. Der kantonale Durchschnitt lag 2008 bei 22,9 Prozent. Dies sind die aktuellsten statistischen Zahlen der Zürcher Bildungsdirektion.

Das Gefälle wird stärker, je weiter man sich von Zürich weg bewegt: In Rüschlikon beträgt die Quote 40,3, in Thalwil 26,7 und in Horgen 19,1 Prozent. Schlusslicht des Bezirks ist Hirzel mit 9,9 Prozent. Knapp ein Zehntel aller Primarschüler der vierten bis sechsten Klasse von 2002 absolvierten also im Jahr 2008 ihr zehntes bis zwölftes Schuljahr in einer Kantonsschule. Vereinfacht gesagt heisst das: Während 2002 jeder zweite Kilchberger Primarschüler den Sprung in die Kanti schaffte, war es im Hirzel nicht mal jeder Zehnte.

Je reicher, je höher die Quote

Marc Kummer, Amtschef des Mittelschul- und Berufsbildungsamtes relativiert diese Zahlen der einzelnen Gemeinden: «Gerade in kleineren Gemeinden wie Hirzel variiert diese Quote von Jahr zu Jahr stark, da einzelne Schüler einen grossen prozentualen Unterschied machen.»

Trotzdem lasse sich vor allem zwischen ländlicheren, ärmeren und stadtnahen, reicheren Gemeinden unterscheiden. Für Kummer sind die Hauptgründe für diese grossen Unterschiede bekannt, wenn auch nicht wissenschaftlich bewiesen: «Wenn die Eltern über einen hohen Bildungsgrad verfügen, liegt ihnen tendenziell auch mehr daran, dass ihre Kinder eine gute Ausbildung absolvieren.» Und da Eltern mit hohem Bildungsgrad oftmals besser verdienen, ist die Mittelschülerquote dort höher, wo sich die Personen mit hohen Einkommen niederlassen. Im Bezirk Horgen ist das besonders in Kilchberg und Rüschlikon der Fall.

Berufslehre ist beliebt

Die Unterschiede lassen sich laut Kummer aber auch damit erklären, dass in ländlicheren Gebieten die Berufslehren traditionell beliebter sind als der Gang an die Kantonsschule, und dass der eher längere Anreiseweg an ein Gymnasium abschreckt. Die Schüler würden zudem kaum auf die Aufnahmeprüfungen vorbereitet. In mehreren Gemeinden im Bezirk Horgen haben die Schulen kein grosses Interesse an Gymi-Vorbereitungskursen für Schülerinnen und Schüler.

Viele bieten keine Kurse an

Roger Herrmann, Leiter des Schulsekretariats Horgen, bestätigt, dass Vorbereitungskurse zwar immer wieder ein Thema seien, «die Lehrer sind aber der Meinung, dass keine Institutionalisierung notwendig sei». Jene Lehrerinnen und Lehrer, die wollen, können in ihrer Freizeit begabte Schüler fördern.

So oder ähnlich tönt es auch in anderen Gemeinden. In Thalwil, Hirzel oder auch Rüschlikon gibt es vereinzelt Lehrkräfte, die eine Prüfungsvorbereitung anbieten, aber keine organisierten Kurse für alle interessierten Schulkinder der Gemeinde. Die Eltern würden ihre Kinder meist in private Vorbereitungskurse schicken, heisst es auf Anfrage. Kinder aus diesen Gemeinden, deren Eltern sich die teuren Kurse nicht leisten können oder wollen, werden nur auf die Aufnahmeprüfungen vorbereitet, wenn ihr Lehrer von sich aus diese Aufgabe übernimmt.

Chancengleichheit fördern

Es gibt aber immer mehr Gemeinden und Städte, welche die Chancengleichheit fördern. Die Schule Oberrieden beispielsweise bietet Prüfungsvorbereitungen an. Die Mittelschülerquote ist mit 40,3 Prozent denn auch höher als jene der Nachbargemeinden.

Seit zwei Jahren können auch die Primarschülerinnen und Primarschüler aus Wädenswil (Mittelschülerquote 21,8 Prozent) in der Schule einen Vorbereitungskurs besuchen. Adliswil bot dieses Jahr erstmals eine Vorbereitung im Rahmen der Begabtenförderung an. Sechstklässlerinnen und Sechstklässler mit einem Notendurchschnitt 5 in Mathematik und Deutsch konnten sich für die 10 Doppellektionen bewerben. 32 Kinder nahmen teil. Das entspricht einem Viertel dieses Jahrgangs. Gut möglich also, dass die Mittelschulquote von Adliswil, die 2008 bei 28,1 Prozent lag, steigt.

Mehr Nachrichten und Hintergründe vom linken Seeufer gibt es täglich auf den Regionalseiten im zweiten Bund des Tages-Anzeigers. Schreiben Sie direkt an horgen@tages-anzeiger.ch

Erstellt: 14.05.2010, 20:33 Uhr

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