Die fliegenden Finnen des SC Bern

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Kolumne Werner Schweizer

Antti Törmänen ist seit Einführung des Playoffs der sechste finnische Trainer des SC Bern. In diesen 25 Jahren lösten sie sich in schöner Regelmässigkeit mit den Nordamerikanern ab. Der grosse Unterschied: Jene feierten durch Bill Gilligan (3), Bryan Lefley, Kent Ruhnke und Larry Huras die sechs Titel dieser Zeit. Sie waren vielleicht nicht die besseren Trainer, aber sicher die besseren Coaches.

Im Gegensatz zum relativ unbekannten 41-jährigen Törmänen gehörten seine Landsleute zur bestandenen Elite der finnischen Ausbildner. Ihre Gastspiele endeten meist so abrupt wie das von Huras in der vergangenen Woche. Olli Hietanen schaffte mit dem damaligen B-Klub in den 80er-Jahren die Rückkehr in die Elite nicht, was angesichts des Potenzials und der Konkurrenz fast ein Hohn war. 1986 erbte der SCB nach dem freiwilligen Rückzug Arosas und seiner Promotion am grünen Tisch auch den Aroser Coach Timo Lahtinen und ein paar Nationalspieler. Der Finne musste aber sein zweites Vertragsjahr im Büro mit geregelten Präsenzzeiten absitzen, nachdem er vom kanadischen Anwalt Steve Latinovich abgelöst worden war.Viel versprach sich der SCB nach den meisterlichen Jahren zwischen 1989 und 1992 vom finnischen Temperamentsbolzen Hannu Jortikka. Ihm ging der Ruf voraus, der König Midas der Gilde zu sein, weil er an jeder Station zuvor Gold geerntet hatte. Das Spektakel fand in Bern vor allem in der Kabine nach Niederlagen statt, wenn der Polterer Rundumschelte verteilte und die Wände zittern liess. Noch vor Jortikka verabschiedete sich sein finnischer Stürmerstar Raimo Summanen. Der Flügel begründete mit seinem Abgang durch die Hintertür einen denkbar schlechten Ruf, den er auch als Trainer bis zu seinen letzten Engagements in Rapperswil und Omsk vor einem Jahr nicht ablegte.

Für Jortikka brachen nach Bern schwierige Zeiten an. Was er anfasste, wurde höchstens zu Blech. Allerdings feiert er zurzeit mit dem bisher bescheidenen KHL-Klub Amur Chabarowsk ein schönes Revival. Das Team aus dem tiefsten Sibirien ziert die Spitzengruppe der Liga, obwohl sie zu ihren am weitesten entfernten Auswärtsspielen ins slowakische Poprad 7500 Kilometer über fast ein Dutzend Zeitzonen reisen muss.

Pekka Rautakallio kam am Ende des alten Milleniums zum SCB, als dieser immer noch in den Nachwehen von wirtschaftlichen Turbulenzen steckte, die fast zum Bankrott geführt hatten. Rautakallios Freund Alpo Suhonen sprang 2004, in der Saison des Lockouts in der NHL, als Nothelfer in Bern ein. Unter der Spielerlegende Alan Haworth hatte zuvor der sportliche Absturz ins Playout gedroht. Bern schaffte das Playoff und warf in der ersten Runde Qualifikationssieger Lugano (mit Larry Huras) aus dem Rennen. Suhonen kostete eine Saison später die verlorene Viertelfinalserie gegen das achtklassierte Kloten den Job. Immerhin hatte er den Konditionstrainer Jussi Hirvönen nach Bern gelotst. Dieser kümmert sich bis dato um die Kraftwerte der Spieler.An der SCB-Trainerliste ist erstaunlich, dass im Unterschied zu den andern A-Klubs bisher kein Schwede den Takt vorgab. Auf der andern Seite finden etwa die Kloten Flyers abgesehen vom kurzen Experiment mit dem Kanadier Wayne Fleming 1997 ihre Trainer nicht in Nordamerika. In ihrer Tradition als Ausbildungsklub sind die Kontinuität und die gute Trainingsarbeit mit den jungen Spielern zentrale Faktoren. Persönlichkeiten aus der europäischen Eishockeykultur bieten dafür eher Gewähr.

Das Spektakel fand nach Niederlagen in der Kabine statt, wenn der Polterer die Wände wackeln liess.

Erstellt: 01.11.2011, 06:26 Uhr

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