Durchbruch: Wädenswiler Forscher entschlüsseln das Feuerbrand-Erbgut

Einer kleinen Forschergruppe um Brion Duffy ist es in Wädenswil gelungen, das Feuerbrand-Erbgut zu entschlüsseln. Die Suche nach Mitteln gegen die Krankheit ist künftig weniger vom Zufall abhängig.

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Wädenswil - Was die Forschungsanstalt Agroscope Changins-Wädenswil (ACW) vermeldet hat, ist eine wissenschaftliche Sensation. Eine kleine Gruppe von Forschern um den amerikanischen Bakteriologen Brion Duffy hat das Erbgut des Feuerbrand-Erregers Erwinia amylovora entschlüsselt. Feuerbrand ist die weltweit berüchtigste Obstkrankheit.

Feuerbrand wurde um 1790 entdeckt und ist damit die erste bakterielle Pflanzenkrankheit, die je beschrieben wurde. Bei den Bekämpfungsstrategien haperte es bisher allerdings. Das hat auch damit zu tun, dass das Wissen bezüglich Genetik des Erregers unzureichend war.

Die genauen Kenntnisse des Feuerbrand-Erbguts ermöglichen es, Strategien gegen Feuerbrand zu entwickeln und feuerbrandtolerante Kernobstsorten zu züchten.

Brion Duffy, es ist Ihnen gelungen, mit einem Team von 15 Mitarbeitern innerhalb eines Jahres das Feuerbrand-Erbgut zu entschlüsseln. Da waren Sie wohl sehr schnell?

Ja. Wir sind bloss ein kleines Team. Und wir waren nicht die Einzigen, die auf diesem Gebiet geforscht haben.

Forscher in Grossbritannien haben sich acht Jahre mit dem Thema befasst. Weshalb haben Sie reüssiert?

Wir haben der Forschung sehr hohe Priorität eingeräumt.

Weshalb diese Strategie?

Mit der Entschlüsselung des Feuerbrand-Genoms haben wir in der Forschung zur Feuerbrandbekämpfung einen riesigen Fortschritt gemacht.

Inwiefern?

Wir können jetzt viel gezielter vorgehen. Bis anhin war sehr viel vom Zufall abhängig.

Das ändert sich nun mit dem neuen Wissen?

Das hoffen wir. Feuerbrand ist eine komplizierte Krankheit. Wir haben jetzt vielleicht den Schlüssel gefunden, um ihr Geheimnis zu knacken

Wie könnten diese Strategien gegen Feuerbrand denn aussehen?

Wir können jetzt herausfinden, welche Gene für den Ausbruch der Feuerbrand-Krankheit hauptverantwortlich sind. Dann versuchen wir, diese Gene auszuschalten. Oder wir erforschen, wie sich die Bakterie vermehrt und greifen an dieser Stelle ein. Bei beiden Strategien wäre es, wie wenn wir einen Hauptschalter umlegen würden. Wir müssen die Achillesferse der Bakterie finden.

Das ist nur eine Richtung, in der Sie forschen werden?

Ja. Das Wissen über das Erbgut erlaubt es uns künftig auch, von der Krankheit befallene Bäume besser zu behandeln. Wir können feststellen, woher ein Erreger genau gekommen ist. Von einer importierten Pflanze oder von Pflanzen aus der Nachbarschaft. Das erleichtert es uns, die richtigen Schutzmassnahmen zu treffen.

Sie wollen auch Obstsorten entwickeln, die feuerbrandtolerant sind?

Das hat die Forschungsanstalt ACW vor. Bis anhin mussten wir mithilfe von Versuchsreihen herausfinden, welche Sorten resistent sind.

Und neu?

Wenn wir die Gene kennen, welche die Krankheit auslösen, können wir bei den Obstsorten gezielt nach Genen suchen, die das Obst resistent machen.

Dann gibt es nur noch Sorten mit diesen resistenten Genen?

Nein. Red Delicious ist beispielsweise eine feuerbrandtolerante Sorte. Sie war in Amerika verbreitet. Geschmacklich hat der Apfel aber nicht überzeugt, und man findet ihn bereits weniger.

Die Qualität des Apfels ist also entscheidend?

Ja. Nehmen wir Pink Lady, Gala, Jonathan, Idared und Golden Delicious. Allesamt sind anfällig auf Feuerbrand. Sie werden aber nicht verschwinden.

Wie das?

Wir werden versuchen, die Sorten mittels Kreuzungen resistent zu machen.

Eine Pink Lady ist dann immer noch eine Pink Lady?

Sie wird nicht mehr so heissen, aber sie wird die Qualitäten der Pink Lady aufweisen.

Neben den Möglichkeiten, die sich bei der Feuerbrandbekämpfung auftun: Was bedeutet Ihre Arbeit für die Forschungsanstalt ACW?

Wir haben uns damit auf einen Schlag an die internationale Spitze bei der Feuerbrandbekämpfung katapultiert. Für ein vergleichsweise kleines Institut wie Wädenswil ist das ein grosser Erfolg.

Was bedeutet das für Ihre Arbeit?

Bis anhin mussten wir bei anderen Instituten anklopfen, wenn wir mit ihnen zusammenarbeiten wollten. Jetzt klopfen die Leute bei uns an. Für uns gehen jetzt viele Türen auf, und wir können uns noch besser vernetzen in der Welt der Forscher.

Bringt Ihnen der Erfolg in der Forschung auch Geld?

Das hoffe ich sehr. Wir brauchen Geld für die weiteren Schritte in der Bekämpfung des Feuerbrandes.

Was bedeutet die Entschlüsselung des Feuerbrand-Erbgutes für Sie persönlich?

Der Erfolg freut mich als Forscher. Ich komme weiter auf meinem Interessensgebiet. Mein Ziel ist es, Feuerbrand biologisch zu bekämpfen. Der weitere Weg ist nun weniger vom Zufall abhängig.

Werden wir in Wädenswil bald einen Forscherpreis feiern können?

Ich wäre vollauf zufrieden, wenn ich den Schweizer Pass erhalten würde.

Erstellt: 14.05.2010, 02:02 Uhr

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