ETH verstärkt Kampf gegen Plagiate

ETH-Rektor Lino Guzzella verlangt nach der Affäre um Doris Fialas Masterarbeit neu von allen Studenten, die eine Semester-, Bachelor- oder Masterarbeit einreichen, eine Eigenständigkeitserklärung.

Will weitere Plagiate an der ETH verhindern: Rektor Lino Guzzella.

Will weitere Plagiate an der ETH verhindern: Rektor Lino Guzzella. Bild: Esther Michel

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FDP-Nationalrätin Doris Fiala hat sich und die ETH vor knapp einem Jahr in negative Schlagzeilen gebracht: Die PR-Beraterin hatte in einer Weiterbildung an der ETH eine Masterarbeit abgeliefert, bei der sie grosse Teile abgeschrieben und dabei ihre Quellen nicht korrekt wiedergegeben hatte. Die ETH stufte ihr Verhalten als fahrlässig ein und entzog ihr im vergangenen Juli den Mastertitel. ETH-Rektor Lino Guzzella bewertete die Unkorrektheiten als «nicht unerheblich». Und kündigte gleichzeitig an, die ETH wolle Lehren aus dem Fall ziehen.

Nun hat Guzzella reagiert. Auf den 1. März hin hat der ETH-Rektor die Weisung «Wissenschaftliches Arbeiten und Eigenständigkeitserklärung» in Kraft gesetzt. Ab sofort müssen alle Studentinnen und Studenten, die eine Semester-, Bachelor- oder Masterarbeit schreiben, eine Eigenständigkeitserklärung unterschreiben. Dies hält Guzzella in einem Brief an die Dozierenden ausdrücklich fest. Die Erklärung gelte als Bestandteil der Arbeit und müsse jedem Exemplar beiliegen – egal ob diese in einer Papierversion oder elektronisch eingereicht werde. Die Verantwortung liegt aber nicht bei den Studierenden. «Es ist die Aufgabe des Betreuers respektive der Betreuerin, dafür zu sorgen, dass diese Bestimmung eingehalten ist», schreibt Guzzella weiter. Die Departemente würden zudem verpflichtet, in den Studiengängen aller Stufen eine Ausbildung in korrektem wissenschaftlichen Arbeiten anzubieten, teilte die ETH auf Anfrage mit.

In der Erklärung bestätigen die Studenten, die Arbeit «selbstständig und in eigenen Worten verfasst zu haben». Weiter müssen sie bestätigen, «keine im Merkblatt ‹Zitier-Knigge› beschriebene Form des Plagiats begangen» zu haben. Ihre Unterschrift steht auch dafür, dass alle Methoden, Daten und Arbeitsabläufe wahrheitsgetreu dokumentiert und keine Daten manipuliert sind. Das Papier weist darauf hin, dass die eingereichte Arbeit mit elektronischen Hilfsmitteln auf Plagiate überprüft werden kann.

Die Plagiatsprävention sei schon von der Vorgängerin von Guzzella thematisiert worden, teilt die ETH weiter mit. Die Problematik habe sich insofern verstärkt, als die ETH mit immer mehr internationaler Mobilität und Durchlässigkeit konfrontiert sei. «Wir können nicht mehr sicher sein, was die einzelnen Studierenden an Vorwissen mitbringen.» Der Fall Fiala habe an der ETH das Bewusstsein geschärft, die bisherigen Bemühungen noch konsequenter umzusetzen, um Plagiate zu verhindern.

Fiala: «Bin am Recherchieren»

Doris Fiala hat unterdessen mit ihrer neuen Masterarbeit begonnen, wie sie auf Anfrage sagt. «Das Thema ist abgesegnet, das Konzept steht – jetzt bin ich am Recherchieren.» Weder den Titel noch ihren angepeilten Abgabetermin will sie bekannt geben. «Ich lasse mich nicht unter Druck setzen und werde ein Resultat abliefern, das nicht mehr angegriffen werden kann», sagt sie. Die neue Arbeit bedeute für sie einen unglaublichen Kraftakt. Doch sie sei mit Spass am Recherchieren, weil das Thema – ein völlig neues – hoch spannend sei. Ihre kritisierte Masterarbeit trug den Titel «Die schweizerische Migrationspolitik im Kontext der nationalen Sicherheit und globaler Zusammenhänge».

Fiala investierte in ihre Weiterbildung an der ETH 18 Monate und 60'000 Franken. Damit kam sie mit der akademischen Vorbildung eines Handelsdiploms zu einem Titel der ETH, der ihr wieder aberkannt wurde. Der von ihr belegte Lehrgang «Sicherheitspolitik und Krisenmanagement» gehört zu einem grossen Angebot an Weiterbildungen. Allein in Zürich bieten ETH, Uni und Fachhochschulen mehrere Hundert Weiterbildungslehrgänge an, die oft Zehntausende Franken kosten.

Erstellt: 13.03.2014, 16:40 Uhr

«Das Thema ist abgesegnet, das Konzept steht – jetzt bin ich am Recherchieren»: FDP-Nationalrätin Doris Fiala zu ihrer neuen Masterarbeit. (Bild: Keystone Gaetan Bally)

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