Ein elend kurzes Hundeleben

Eine Familie verguckt sich in einen jungen Hund und nimmt ihn bei sich auf. Was sie nicht ahnt: Der herzige Mischling hat eine dunkle Vergangenheit.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Von Walter Sturzenegger

Hinwil – Das Ende war brutal: Manuela Wenzler und Michael Isler aus Girenbad im Zürcher Oberland liessen ihren Balu vom Tierarzt einschläfern. «Es war hart für uns und unsere 10-jährige Tochter Jana», sagt Wenzler. «Wir hingen sehr an unserem Hund.» Mit dessen Tod hat sie sich inzwischen abgefunden. Zu denken gibt ihr aber, wie es dazu kam.

Balu war erst ein paar Wochen alt, als er zur Familie stiess. Eine Nachbarin hatte ihn vermittelt. Doch die Freude über den herzigen Vierbeiner währte nur kurz. Ein Unbekannter erstattete beim kantonalen Veterinäramt Anzeige. «Balu hat niemanden gebissen», ärgert sich Manuela Wenzler. «Vielleicht hat er jemanden erschreckt. Aber bevor man eine Anzeige macht, sollte man doch mit den Betroffenen das Gespräch suchen.»

Diagnose: «Verhaltensauffällig»

Das Veterinäramt verlangte eine Abklärung durch einen Vertrauenstierarzt. Dieser kam zum Schluss, Balu sei «verhaltensauffällig». Manuela Wenzler und Michael Isler wurden stutzig. Sie begannen sich über die Herkunft ihres Hundes zu informieren – und stiessen auf Unerfreuliches. Der Jack-Russel-Terrier-Boxer-Mischling war mit dreieinhalb Wochen von der Mutter getrennt worden. Wenzler und Isler waren in den ersten elf Lebenswochen bereits die vierten Halter. Das Tier hatte keine Chance, das richtige Sozialverhalten zu erlernen.

Wenzler und Isler versuchten nachzuholen, was das Tier verpasst hatte. Sie besuchten eine Hundeschule, kontaktierten Fachleute, nahmen Balu an die Leine und verpassten ihm einen Maulkorb. «Wir hofften, den Leuten so die Angst zu nehmen», sagt Manuela Wenzler. «Offenbar bewirkten wir aber das Gegenteil.» Statt Ruhe machte sich in der Familie zunehmend Nervosität breit. Das Veterinäramt meldete sich erneut: Balu wurde zum Wesenstest aufgeboten. Die zurate gezogenen Fachleute stellten keine günstige Prognose. «Sie konnten uns keine Garantie geben, dass wir es mit Balu schaffen», sagt Wenzler. Zudem hatte sie das Gefühl, dass sich Nachbarn und Bekannte langsam von ihnen abzuwenden begannen. Schliesslich setzten Wenzler und Isler dem Stress ein Ende.Heinrich Brunner, Besitzer einer Hundeschule, hat die beiden beraten. Der Trainer, der sehr oft mit schwierigen Hunden arbeitet, ist überzeugt, dass es richtig war, Balu einzuschläfern. «Die Leute tun mir leid. Sie haben sich grosse Mühe gegeben», sagt er. «Aber sie wären mit diesem Hund nicht zurande gekommen.» Für Manuela Wenzler ist heute klar: Wer sich einen Hund anschaffen will, muss genau hinschauen. Experte Brunner rät, sich gut über Herkunft, Rasse, Aufzucht und die wichtige Prägungs- und Sozialisierungsphase in den ersten 16 Lebenswochen zu informieren. Und er fragt sich, was aus Balus Geschwistern geworden ist. Es waren, wie Nachforschungen ergaben, nicht weniger als zehn.

Ein Problemhund, auch wenn man es ihm nicht ansieht: Balu, als er noch lebte. Foto: PD

Erstellt: 21.06.2011, 20:20 Uhr

Paid Post

Dank Hightech sicherer im Schnee unterwegs

Gewinnen Sie mit Bächli Bergsport und Mammut ein Lawinenverschütteten-Suchgerät der neusten Generation.

Blogs

Geldblog Solarenergie: So setzen Sie auf den Megatrend

Sweet Home Da werden wir weich

Service

Ihre Spasskarte

Mit Ihrer Carte Blanche von diversen Vergünstigungen profitieren.

Die Welt in Bildern

In allen Farben: Die Saint Mary's Kathedrale in Sydney erstrahlt in ihrem Weihnachtskleid. (9. Dezember 2019)
(Bild: Steven Saphore) Mehr...