Ein grenzwertiger Grenzkonflikt

Autofahrer werden tief im Zürcher Territorium im Kanton Schwyz begrüsst. Und Bern findet das erst noch richtig. Skandal!

Die Tatwaffe: Mit diesem Schild stechen die Schwyzer jedem Zürcher Lokalpatrioten mitten ins Herz. Bild: Moritz Hager/20 Minuten

Die Tatwaffe: Mit diesem Schild stechen die Schwyzer jedem Zürcher Lokalpatrioten mitten ins Herz. Bild: Moritz Hager/20 Minuten

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Da versuchen sich zumindest gewisse politische Kreise verzweifelt gegen fremde Richter zu wehren, und schon kommt die nächste Einmischung. Von innen! Besser gesagt: vom Nachbarkanton Schwyz. Und zwar in Form eines Schilds, das, man muss es neidlos anerkennen, auch noch raffiniert designt ist. Kantonsräte wähnen einen «Unfriendly Take-over», also einen getarnten Überfall, und gelangen an die Regierung. Sie möge doch bitte etwas tun. Also: ein eigenes Schild aufstellen.

Worum es geht? Ungeheuerliches hat sich zugetragen am schönen Zürichsee. Schwyz Tourismus hat doch tatsächlich an der Autobahn ein Schild aufstellen lassen, um Touristen und Steuerflüchtlinge (andere nicht) willkommen zu heissen. Das Schild zeigt bei Tag ein Schiff, auffällig mit Schwyzer Fahne beflaggt, vor einer Bergkulisse (die komischerweise eher an die Mythenregion erinnert). Nachts ist das Schiff ebenfalls zu sehen, dahinter aber schiesst Feuerwerk in den Himmel. Und dieses Schild steht frech ganze 3,5 Kilometer vor der Kantonsgrenze in Wädenswil.

Das ist natürlich hochgradig besorgniserregend. Nicht nur wegen der raffinierten Gestaltung. Man muss auch die Sensibilitäten beachten, die sich aus der Geschichte ergeben: Immerhin haben sich Zürich und Schwyz zwischen 1439 und 1446 im Alten Zürichkrieg just an der Pfnüselküste bekämpft. So lang ist das jetzt auch wieder nicht her, dass man einfach sagen könnte, Schwamm drüber. Kein Wunder, sind geschichtsbewusste Zürcherinnen und Zürcher ob des neuerlichen Schwyzer Affronts verschnupft.

In der Schlacht bei St. Jakob zogen die Zürcher schon einmal den Kürzeren gegen die unverschämten Schwyzer. Bild: Wikipedia

Die bange Frage ist doch: Ist so ein Schild ein Vorbote? Könnte es gar sein, dass all die Schwyzerinnen und Schwyzer, die ja bekanntlich nur der Steuern wegen im Nachbarkanton leben, sich aber dennoch nicht scheuen, tagtäglich in Horden unsere Autobahnen und Züge und Universitäten und Kulturinstitute und überhaupt alles zu verstopfen, was Zürich sich mit dem eigenen Steuergeld leistet, könnte es also sein, dass diese Schwyzerinnen und Schwyzer sich Richterswil und Wädenswil einverleiben wollen, weil es ihnen auf Zürcher Boden eigentlich besser gefällt, wären da nicht die Steuern? Wehret den Anfängen, sagt sich da der Parlamentarier vom See.

«Ist das Schild bewilligt? Haben die Schwyzer die Zürcher gefragt? Haben sie nicht.»

Und überhaupt: Ist das Schild bewilligt? Haben die Schwyzer die Zürcher gefragt? Haben sie nicht. Entschieden hat man... wo wohl? In Bern! Also bitte! In Bern! Die fremden Richter des Bundesamts für Strassen haben den Schwyzer Affront genehmigt. Begründung: Wer nach Schwyz wolle, der müsse die Ausfahrt Richterswil nehmen, die bekanntlich auf Zürcher Boden liege. Und da ein Wegweiser nach der Ausfahrt nur wenig Sinn ergebe, stehe das Schild nun halt auch auf Zürcher Boden.

Ist das wirklich ein Argument? Demnächst steht ein Schild an der Autobahn nach Zug: «Willkommen in Rom». Oder eins bei Winterthur: «Grüss Gott in München». Da könnte ja jeder kommen. Dabei hat ein bisschen Bescheidenheit noch keinem geschadet. Statt der fancy Schiffsszenerie hätte doch wohl auch ein bescheidenes Wegweiserchen mit der Aufschrift «SZ» vollauf gereicht. Aber in Bern hatte man ja noch nie Verständnis für Zürich.

Diese Retorsionsmassnahme der Zürcher wurde leider inzwischen weggespült. Bild: Leserreporter 20 Minuten

In Zürich denkt man deshalb nun über Retorsionsmassnahmen nach. Zum Beispiel, alle Wegweiser abzuschrauben, die in andere Kantone führen. Und seit gestern steht an der Autobahn bei Freienbach (im Kanton Schwyz!) eine Tafel, welche die Autofahrer im Kanton Zürich begrüsst. Okay, bewilligt ist sie nicht. Und das Sujet erinnert, nun ja, ein wenig an die Schwyzer Werbetafel. Aber selbst damit lässt man uns im Regen stehen: Das Plakat, aufgeweicht von der gestrigen Nässe, liegt bereits am Boden. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 14.11.2018, 16:23 Uhr

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