Eine Familie lebt für den Zirkus

Die Muntwylers touren seit 28 Jahren mit ihrem Circus Monti und frischen Ideen durch die Lande.

Zirkusdirektor Johannes Muntwyler und seinem Sohn Mario (hinten Mitte) hat es die Jonglierkunst angetan.

Zirkusdirektor Johannes Muntwyler und seinem Sohn Mario (hinten Mitte) hat es die Jonglierkunst angetan. Bild: Felix Wey

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Die dritte Generation Muntwyler hat das Zirkusleben bereits im Blut. Kein Wunder, wenn man mit Artisten aufwächst und schon als kleiner Bub mit Tricks und Kunststücken unterhalten wird. «Schon mit drei habe ich jongliert», sagt der 16-jährige Mario Muntwyler. «Mein Götti hat für mich winzige Keulen und Ringe gebastelt und mir ein Jonglierköfferchen geschenkt. Das hatte ich dann überall mit dabei.» Heute steht Mario fast täglich mit seinem Jonglierkollegen Sebastian in der Manege. Daneben absolviert er eine KV-Lehre und ist viel im Zug unterwegs, um in die Schule oder zu seinem Lehrbetrieb in Wohlen zu fahren. Meist kommt er erst kurz vor seinem abendlichen Auftritt zurück.

Vater Johannes Muntwyler ist es wichtig, dass seine drei Söhne «nicht die Bodenhaftung verlieren». Wenn man schon als Kind in der Manege stehe, bestehe die «Gefahr, dass man abhebt», sagt er. «Mir ist wichtig, dass meine Kinder sich auch im normalen Leben beweisen müssen. Im Lehrbetrieb und in der Schule ist Mario nicht der Jonglierkünstler oder der Sohn vom Chef, sondern ein normaler Sechzehnjähriger.» Für Mario selbst ist das KV «eine gute Grundausbildung, aber das ganze Leben möchte ich nicht in einem Büro sitzen». Für den mittleren Sohn des Monti-Direktors ist «klar, dass ich beim Zirkus bleibe». Nach der Lehre möchte er an die Zirkusschule in Brüssel oder Stockholm und sich als Akrobatikkünstler ausbilden lassen.

Artisten aus aller Welt

Auf seinen Reisen mit dem Zirkus hat Mario täglich Umgang mit jungen Akrobaten aus aller Welt. Jeweils im Frühjahr reist seine Grossmutter Hildegard Muntwyler nach Montreal zur Abschlussvorstellung der dortigen Zirkusschule. «Die jungen Absolventen bieten Akrobatik mit vielen neuen Ideen und Elementen», erzählt sie. Die meisten Körperkünstler, die Monti engagiert, kommen direkt von einer Zirkusschule. Kostüme, Choreografie und Musik haben sich weit vom traditionellen Zirkusgeschehen mit Glitzerkostüm und Blaskapelle entfernt. «Da wir als Familie keine Zirkustradition hatten, konnten wir selbst definieren, wie wir uns Zirkus vorstellen», sagt die 77-jährige Zirkusgrossmutter.

1985 hat Hildegard Muntwyler zusammen mit ihrem Mann Guido den Zirkus Monti ins Leben gerufen. Ihr Mann war Schulleiter in Wohlen AG, hatte aber immer davon geträumt, als Clown aufzutreten. Als der Circus Olympia in Wohlen und Bremgarten gastierte, bot sich dem angesehenen Rektor die Gelegenheit, für einmal als Clown aufzutreten. «Danach sind wir drei Jahre lang im Sommer mit dem Circus Olympia mitgereist, wo mein Mann und die vier Kinder mit einer Clownnummer aufgetreten sind», erzählt Hildegard Muntwyler. Ein Sohn ist heute Pferdetrainer, ein anderer Seiltänzer. Sohn Johannes hat sich fürs Jonglieren entschieden und hat nach dem Tod des Vaters 1999 zunächst mit seinen Brüdern und seit 2005 allein die Leitung des Circus Monti übernommen.

Spannendes Zusammenleben

Das Zusammenleben mit den jungen Akrobaten aus aller Welt findet Hildegard Muntwyler noch heute sehr spannend. Andererseits gibt das feste Winterquartier in Wohlen, wo Muntwylers ein eigenes Haus haben, der reisenden Truppe eine gute Bodenhaftung. «In Wohlen habe ich einen festen Freundeskreis und ziehe mich eher mal zurück als hier auf dem Zirkusareal», erzählt Mario. Mit den Artisten, die er während der Zirkussaison täglich sieht, hält er später über Facebook und Skype Kontakt. Dafür nutzt er vor allem die Zeit im Zug. «Vor dem Computer sitze ich eigentlich nie», so der 16-Jährige. «Dafür ist auf dem Zirkusareal viel zu viel los.»

Erstellt: 11.09.2013, 10:19 Uhr

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