Eine «Lichtgestalt» mit Heugabel

Chasper Flury ist ein Computerfreak. Und er mistet, pflügt und melkt.

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Oberrieden. - Mit der Maus des Computers fährt Chasper Flury auf dem Bildschirm auf ein kleines Kästchen und bewegt dort ein winziges Viereck. Plötzlich leuchten drei Scheinwerfer hoch oben an der Decke der Bühne der Oberriedner Mehrzweckhalle. Eine Fingerbewegung des 19-Jährigen und die Spiegelkugel beginnt sich zu drehen und Hunderte von kleinen, violetten Punkten fahren über den schwarzen Bühnenboden. Auf einmal erscheinen drei sich bewegende Lichtkreise mit einem Stern in der Mitte. «Natürlich würde dies auch mit einem traditionellen Mischpult gehen», erklärt der Oberriedner mit seiner leisen Stimme den Effekt und dreht - um dies zu zeigen - einen Hebel am Mischpult, welches neben dem Laptop steht.

«Damit der Kreis schwenkt, muss ich ständig den Hebel bewegen. Beim Computer programmierst du das einmal, und dann läuft es von selbst.» Mit dem Computer ist daher das Spektrum der Möglichkeiten viel grösser, und gleichzeitig lassen sich komplexe, simultane Abläufe von mehreren Lichtobjekten programmieren. Doch dafür braucht es eine Software. Und diese liefert ihm die Horgner Firma Spring Licht und Tontechnik, und zwar nach seinen Bedürfnissen. «Ich kann ihnen sagen, was ich brauche, und sie versuchen, es zu produzieren.» So gesehen ist der junge Oberriedner ein wichtiges Bindeglied zwischen Produktion und Anwendung: Er bringt Ideen ein und weist auf die Schwierigkeiten hin, die bei der Entwicklung von neuer Software auftreten könnten.

Learning by Doing

Dass er überhaupt auf der Bühne der Mehrzweckhalle seines Heimatorts sitzt und dort regelmässig die Lichtshow für das Chränzli des Turnvereins, der Jugendmusik, der Harmonie, des Schulchors und von Gemeindeanlässen besorgt, geht auf seinen Grossvater zurück. Bereits dieser war im Dorf für den Ton zuständig. Nach dessen Tod übernahm Chaspers Onkel den Ton und übergab seinem Neffen das Licht.

«Es war Learning by Doing», meint Chasper - genau so wie damals als 7-Jähriger auf dem Traktor im Berner Oberland. Seine Eltern hatten Ferien auf dem Bauernhof organisiert, und sofort faszinierte der Traktor den kleinen Chasper. Jedes Jahr fuhr seine Familie zwei- bis dreimal fortan dorthin, wo sich Chasper mehr und mehr für den Hof und besonders für die Maschinen begeisterte. Als Oberstufenschüler absolvierte er dann eine Schnupperwoche als Landmaschinenmechaniker. Die Arbeit war ihm aber zu eintönig, und so entschied er sich schliesslich für die Lehre als Landwirt.

Wie ein eingefleischter Informatiker sitzt er in der Mehrzweckhalle vor dem Laptop und spielt blitzschnell und flink mit der Maus. Plötzlich verwandeln sich die Sterne in Lichtkreise, und die violetten Pünktchen der Lichtkugel werden weiss. «Ich hatte die Idee, die Programmierungen des Computers auf das Mischpult zu übertragen.» Dies würde bedeuten, dass die programmierten Abläufe des Computers nun im Mischpult integriert wären, was die Handhabung um einiges erleichtern würde. Die Horgner Firma arbeitet inzwischen daran.

Lange Tage

Noch einmal schraubt der Spezialist an den Hebeln des Mischpults und erklärt, was bei integriertem Computer anders wäre. Doch viel Zeit bleibt ihm nicht. Nur zwei Tage Pause hat er jeweils zwischen den zwölf Arbeitstagen auf dem Hof von Hans Staub im Wädenswiler Berg, wo er seine Lehre absolviert hat und weiterhin arbeitet. Meist zu zweit müssen er und sein Chef 50 Hektaren Land bewirtschaften, heuen, pflügen, ansäen, düngen, 33 Milchkühe melken, füttern und pflegen, Maschinen reparieren und den Stall betreiben. Um 5.20 Uhr ist jeweils Arbeitsbeginn, und je nachdem, ob «Not am Mann ist» - wie Chasper sagt -, dauert die Arbeit bis Sonnenuntergang oder noch länger. Der Wortkarge zuckt gelassen mit den Schultern. «Man gewöhnt sich dran.» Wenn es dann einnachtet, setzt sich Landwirt Chasper im Bauernhaus vor den Bildschirm. «Ich habe begonnen, das Tiermanagement auf den Computer zu übertragen», sagt er in seiner scheuen und bescheidenen Art, schliesst den Laptop und löscht das Licht in der Mehrzweckhalle.

Erstellt: 02.09.2009, 02:02 Uhr

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