Eine ziemlich kriminelle Familie

Im Winterthurer Berisha-Clan sind vier von fünf Brüdern straffällig geworden.

Der «Parkplatzmörder» Bashkim Berisha bei seiner Ankunft im Zürcher Obergericht, wo er zu 14 Jahren verurteilt wurde. (20. August 2009)

Der «Parkplatzmörder» Bashkim Berisha bei seiner Ankunft im Zürcher Obergericht, wo er zu 14 Jahren verurteilt wurde. (20. August 2009) Bild: Walter Bieri/Keystone

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Welch ein Zufall: Exakt zu dem Zeitpunkt, als der als «Parkplatzmörder» landesweit bekannt gewordene Bashkim Berisha (heute 34-jährig) zwei Drittel seiner 14-jährigen Freiheitsstrafe abgesessen hat, wird sein 44-jähriger Bruder Hasan vom Bezirksgericht Winterthur wegen versuchter vorsätzlicher Tötung, Drogendelikten und Hehlerei zu achteinhalb Jahren verurteilt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, Berishas Anwalt kündigte noch im Gerichtssaal Berufung an.

Die Berisha-Brüder aus Winterthur haben die Zürcher Justiz während Jahren auf Trab gehalten und den Steuerzahler eine ganze Stange Geld gekostet. Allein der knapp zehnjährige Aufenthalt im Gefängnis von Bashkim Berisha kostet rund 1 Million Franken, wenn man einen Tagestarif von 300 Franken verrechnet, wie dies auf der Kostgeldliste des Ostschweizer Strafvollzugskonkordates ersichtlich ist.

Mit dem Zwillingsbruder weg

Mit den tödlichen Schüssen auf einen mazedonischen Familienvater beim Streit um einen Parkplatz am 11. Februar 2005, erlangte Bashkim Berisha traurige Berühmtheit. Der Jüngste der insgesamt fünf Söhne eines Gastarbeiters aus Kosovo war schon als Jugendlicher immer wieder mit dem Gesetz wegen Gewaltdelikten in Konflikt geraten. Als der begeisterte Thai-Boxer mit 19 Jahren eine erfolgreiche Boxkarriere startete, worüber sogar ein Film gedreht wurde, sah es aus, als ob er den Ausstieg aus Gewalt und Kriminalität schaffen würde – bis er in jener Nacht mit seiner Pistole aus einer Distanz von einem halben Meter auf das im Auto sitzende Opfer schoss.

Nach der Tat floh Bashkim in sein Heimatland. Er wurde acht Monate später bei einer Verkehrskontrolle in Westkosovo von der Polizei verhaftet, im Wagen soll sich eine geladene Pistole befunden haben. Berisha befand sich in Begleitung seines Zwillingsbruder Binak. Auch der ist kein unbeschriebenes Blatt. Binak war zu diesem Zeitpunkt im Kanton Zürich rechtskräftig zu einer dreieinhalbjährigen Freiheitsstrafe wegen Drogendelikten und Raubs verurteilt worden, hatte sich aber vor Strafantritt nach Kosovo abgesetzt. Die Zwillinge wurden von den kosovarischen Behörden später an die Schweiz ausgeliefert, wo sie ihre Strafe absitzen mussten.

Drogenhandel im grossen Stil

Ein vierter Berisha-Bruder, der heute 39-jährige Bujar, ist wegen Drogenschmuggels im grossen Stil zu knapp acht Jahren verurteilt worden. Der zweifache Familienvater stieg 2004 mit einem Drogenring in den Heroinhandel ein und schmuggelte knapp 20 Kilogramm Heroin aus Kosovo in die Schweiz. Jeton (42), der Fünfte der Brüder, wohnte schon früher nicht in der Schweiz, sondern in Kosovo. Er soll seinem Bruder Bujar laut Anklageschrift vom August 2006 bei der Planung und Vermittlung des Drogenhandels geholfen haben.

Ausschaffung droht

Hasan, der Älteste der Berisha-Brüder, wird vermutlich nach dem Absitzen seiner Strafe zu seinen vier Brüdern nach Kosovo ausgeschafft. Laut Marc Aurel Schmid, Sprecher des kantonalen Migrationsamtes, wird ab einer Freiheitsstrafe in der Höhe von einem Jahr ein Widerruf der Aufenthaltsbewilligung grundsätzlich geprüft. Dies im Sinne der Rechtsprechung. Dabei spielen der Aufenthaltsstatus und die Verhältnismässigkeit eine Rolle. Bei mehrjährigen Strafen müssen dem öffentlichen Wegweisungsinteresse gewichtige private Interessen gegenüberstehen. Hasan Berisha ist mit einer Landsfrau verheiratet und hat drei Kinder.

Erstellt: 01.02.2015, 20:00 Uhr

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