Eklat in Fehraltorfer Spitex: Verein steht über Nacht ohne Vorstand da

Seit Mittwoch ist der Fehraltorfer Spitex-Verein führungslos. Der Vorstand nahm den Hut, weil die Mitgliederversammlung die vorgeschlagenen Fusionspläne ablehnte.

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Es war ein Knall mit Ankündigung. Die Fusionspläne des Spitex-Vorstands bewegen die Gemüter in Fehraltorf bereits seit geraumer Zeit. Nach Ansicht des Vorstands ist Fehraltorf zu klein, um auf die Dauer eine defizitfreie eigene Spitex betreiben zu können. Deshalb schlug er seinen gut 500 Mitgliedern den Anschluss an eine benachbarte Spitex vor. Dem Ansinnen erwuchs im Dorf aber Widerstand. «Wenn wir mit einer anderen Spitex fusionieren, werden künftig häufig Mitarbeiterinnen aus anderen Gemeinden Leute in Fehraltorf betreuen», argumentiert Vereinsmitglied Esther Bachofen. «Für die Betreuten sind bekannte Menschen aber enorm wichtig.»

Vom Widerstand überrascht

An der ausserordentlichen Mitgliederversammlung von Mittwochabend fielen nun die Würfel. 63 Mitglieder nahmen teil, zwei Drittel davon hiessen den Antrag von Esther Bachofen gut, auf eine Fusion zu verzichten. Darauf verzichtete der Vorstand in corpore auf die Wiederwahl. Einzig der von Amtes wegen im Gremium sitzende Gemeinderat Anton Muff (DGF) verbleibt damit im Gremium. Für Präsidentin Margrit Landolt war der Schritt des Vorstands logisch und konsequent. «Wenn wir uns der Wiederwahl gestellt hätten, wären wir uns selbst untreu geworden. Denn wir sind überzeugt, dass der eingeschlagene Weg der richtige ist.» Seit 2006 beschäftigte sich der Vorstand mit der Zukunft der Fehraltorfer Spitex. Der Befund einer beigezogenen Beraterfirma war klar: Ohne Anschluss an eine grössere Nachbar-Spitex kommt Fehraltorf nicht aus den finanziellen und personellen Schwierigkeiten heraus. «Seit 2006 haben wir unseren Mitgliedern an jeder Versammlung mitgeteilt, wie weit wir mit unseren Vorarbeiten für eine Fusion sind», sagt Margrit Landolt. «Grundsätzliche Bedenken wurden nie geäussert.» Der plötzliche Widerstand habe sie deshalb überrascht und sei für sie unverständlich. Böse sei sie Esther Bachofen aber nicht. «Sie hat Argumente vorgebracht und ihr demokratisches Recht wahrgenommen, das kann ich problemlos akzeptieren.»

Etwas enttäuscht ist sie vom Gemeinderat. «Die Fusion ist eigentlich ein politischer Entscheid, weil die Gemeinde die Geldgeberin der Spitex ist. Entsprechend hätte sich der Gemeinderat stärker engagieren müssen.»

Versehen und nicht Absicht

Die Kritik Landolts lässt Gemeindepräsident Wilfried Ott (SVP) nicht gelten. Die Gemeinde sei im Vorstand vertreten und damit sehr wohl aktiv. Als «eher ungeschickt» taxiert er seinerseits das Vorgehen des Vorstands, als dieser am Mittwoch vor dem heiklen Traktandum bekannt gab, im Falle einer Niederlage nicht weiterzumachen. «Das dürfte dazu beigetragen haben, dass die Sache emotional so aufgeladen wurde», sagt Ott.

«Hätten wir das erst nach der Abstimmung gesagt, wäre es uns als Zwängerei ausgelegt worden», schildert Landolt ihr Dilemma. Ein Jurist habe dazu geraten, die Absicht zu Beginn der Versammlung offen zu deklarieren. Dass das Thema nur zwei Monate nach der Jahresversammlung vom April an einer ausserordentlichen Versammlung beraten werden musste, ist laut Landolt auf ein Missgeschick zurückzuführen. Esther Bachofen hatte ihren Antrag noch vor der ordentlichen Jahresversammlung eingereicht. «Leider ist er bei uns unters Eis geraten. Darum haben wir ihn im April nicht traktandiert», erklärt die ehemalige Präsidentin. «Es war eine Panne auf unserem Büro, die uns peinlich ist. Böse Absicht war es keineswegs.» Sie habe sich auch persönlich bei Esther Bachofen für das Missgeschick entschuldigt.

Suche nach neuem Vorstand

Für den zuständigen Gemeinderat Anton Muff geht es nun darum, die Wogen zu glätten. «Gleichzeitig müssen wir uns auf die Suche nach neuen Vorstandsmitgliedern machen.» Wann der neue Vorstand gewählt werden kann, ist offen. Anton Muff und Gemeindepräsident Wilfried Ott betonen, dass die Situation der Fehraltorfer Spitex mit dem Entscheid gegen eine Fusion keineswegs einfacher geworden sei. Ott veranschaulicht das am Beispiel der vergeblichen Suche nach einer neuen Mitarbeiterin. «Sechsmal haben wir ein Inserat geschaltet, gefunden haben wir aber niemanden.» Die Anforderungen und Präsenzzeiten seien in der kleinen Gemeinde einfach zu hoch. Wohin die Reise gehe, sei offen. Vielleicht, so Ott, zwinge schliesslich der Kanton Fehraltorf eine Lösung auf. «Das wäre zwar unschön, ist aber nicht auszuschliessen.

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Erstellt: 10.06.2010, 20:11 Uhr

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