Erfolgreiche Jungunternehmer mit Jöö-Faktor

Schulabgänger suchen oft lange nach einer Stelle. Nicht so Arthur Gassmann und David Kempf. Die beiden verfügen über eine Stelle und eine Firma.

David Kempf und Arthur Gassmann zeigen ihre Datenträger.

David Kempf und Arthur Gassmann zeigen ihre Datenträger.

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David Kempf und Arthur Gassmann handeln derzeit ihren ersten Grossauftrag für ihre Firma aus: Ein bekanntes Bürounternehmen bestellte bei den 18-Jährigen aus Dielsdorf und Regensdorf über 500 Exemplare ihrer selbst produzierten Datenträger aus Aluminiumdosen, Legosteinen oder Korkzapfen. Dank diesem Auftrag schreiben die Jungunternehmer bereits im ersten Geschäftsjahr schwarze Zahlen. Zudem haben sie ihr Ziel erreicht und wurden in die Top 25 der Schweizer Miniunternehmer aufgenommen.

Reused heisst die Firma, welche die beiden Schulabgänger der Informatikmittelschule Hottingen in Zürich im vergangenen Jahr mit fünf Mitschülern gegründet haben. Die Firmengründung geschah im Rahmen des Freifachs Miniunternehmung in Zusammenarbeit mit der Young Enterprise Switzerland. Dies ist eine Non-Profit-Organisation die praxisorientierte Wirtschaftsbildungsprogramme für Schüler entwickelt und betreut. Ziel: Wirtschaft und Schule zu vernetzen.

Hüllen aus Aluminiumdosen

Die Art des Produktes war rasch klar: «Es sollte ökologisch vertretbar und technisch einsetzbar sein», sagt Arthur Gassmann. Bald begannen die Miniunternehmer Hüllen für Datenträger aus Aluminiumdosen, Legosteinen und Korken zu produzieren. Die heutigen Modelle sind weit entfernt vom Prototyp: «Am Anfang war es ein Gebastel. Die Hüllen waren undicht, und der Leim verklebte uns die Finger», erinnern sich die Schüler. Sie versuchten, auch Hüllen aus Lippenstiften zu verwenden. Doch es erwies sich als schwierig, an benützte Lippenstifthüllen zu kommen. Gebrauchte Bier- oder Coladosen finden die Schüler ganz einfach in den Sammelstellen des Schulhauses.

Bereits haben die Jugendlichen über 300 Sticks produziert, 260 sind verkauft. Sie kosten 14.90 oder 19.90 Franken. Der Kunde hat die Wahl zwischen einer Speicherkapazität von zwei und acht Gigabytes.

Coca-Cola als Sponsor

Hinter dem Erfolg steckt viel Arbeit: Die 18-Jährigen verfassten im Zusammenhang mit der Firmengründung einen Geschäftsbericht und Businessplan, erstellten eine Homepage, organisierten den Vertrieb, handelten gute Konditionen aus und stellten ihre Produkte an Handelsmessen aus.

Alles geschah im Abschlussjahr, ausserhalb der Schulzeiten. Die Reaktionen auf die Messeauftritte der jugendlichen Newcomer waren unterschiedlich: «Wir profitierten vom Jöö-Faktor», gibt Arthur Gassmann zu. Die meisten seien nett mit ihnen umgegangen. Doch sie hätten auch viel Skepsis und Zurückhaltung erfahren müssen. Umso stolzer seien sie deshalb auf ihren Sponsor Coca-Cola. Die Firma habe ihnen nicht nur leere Dosen zur Verarbeitung zur Verfügung gestellt, sondern auch Material für den Messestand.

Firma weiterführen

Die Jungunternehmer sind davon überzeugt, dass sie auch dank eines professionellen Messeauftritts unter anderem an der Muba den Sprung in die 25 erfolgreichsten Miniunternehmen des Landes geschafft haben. Nun steht am 18. und 19. Juni die nationale Entscheidung an. Dieses Datum liegt exakt zwischen den Schulabschlussprüfungen der Jugendlichen. «Eine Herausforderung», meinen sie, schauen aber guten Mutes auf die Prüfungen. Konnten die Schüler durch ihre Erfahrungen mit der ersten eigenen Firma doch viel theoretisch Gelerntes erfolgreich in die Praxis umsetzen. «Rechnungswesen kann man wirklich brauchen!», sagt Arthur Gassmann, der für die Buchhaltung des Unternehmens zuständig ist. Für David Kempf wurden durch das Projekt viele Zusammenhänge sichtbar. Zudem arbeiten sie nun mit lokalen Anbietern von Datenträgern zusammen, nachdem sie von einem Händler aus China betrogen wurden.

Obwohl die Unterländer nach den Prüfungen ihre Praktika in Informatikfirmen antreten, wollen sie Reused weiter betreiben. Sie sind auf den Geschmack des Erfolgs gekommen und haben vor, den Gewinn des ersten Grossauftrags in ihr Unternehmen zu investieren.

Erstellt: 11.06.2010, 07:59 Uhr

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