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Fussball-Tonmanipulation: Chefs tauchen ab

Das «Sportpanorama» hat fehlende Fan-Gesänge in einen Beitrag gespielt. Der Ombudsmann untersucht den Fall. Die Chefs schweigen.

Vorwurf: Fan-Gesänge, wo keine zu hören waren, am Zürcher Derby vom 12. Mai 2013 im Letzigrundstadion.

Vorwurf: Fan-Gesänge, wo keine zu hören waren, am Zürcher Derby vom 12. Mai 2013 im Letzigrundstadion. Bild: Walter Bieri/Keystone

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Der Chef der Abteilung Sport von Schweizer Radio und Fernsehen (SRF), Urs Leutert, ist eigentlich nicht als Schweiger bekannt. Gestern jedoch war er kurz angebunden. «Den Verlautbarungen der Unternehmenskommunikation SRF gibt es nichts beizufügen», richtete er per SMS aus. Offiziell weilte er den ganzen Tag in einer Sitzung, wie auch SRF-Direktor Ruedi Matter. Grund für das Abtauchen war eine grobe journalistische Fehlleistung der «Sportpanorama»-Redaktion.

Diese hatte im Beitrag zum Zürcher Derby GCZ - FCZ Fan-Gesänge eingespielt, weil zum Anfang des Spiels im Stadion Stille herrschte. Die Fans beider Vereine waren dem Match in den ersten Minuten aus Protest gegen das neue Hooligan-Konkordat ferngeblieben. Besonders heikel: Mit der Manipulation täuschte SRF über eine politische Protestaktion hinweg, an der die Liga und deren Vermarkterin InfrontRingier kein Interesse haben. Insbesondere Ringier ist jede Verschärfung der Gangart gegenüber Fussballfans recht. Die identifizierende Berichterstattung des «Blicks» betreffend Fackelwerfern ist 2011 von Fans mit Morddrohungen gegen die verantwortlichen Redaktoren quittiert worden.

SRF-Sprecher Jonathan Engmann machte den betreffenden «Sportpanorama»-Redaktor für den groben handwerklichen Fehler verantwortlich. «Es handelt sich um die inakzeptable Fehlleistung eines einzelnen Journalisten. Wir werden entsprechende Massnahmen ergreifen, um eine solche Fehlleistung in Zukunft zu verhindern», schrieb Sprecher Engmann per Mail. Welche Konsequenzen der Vorfall für den verantwortlichen Redaktor hat, schrieb Engmann nicht. In den publizistischen Leitlinien, die für alle SRF-Abteilungen gälten, sei nicht festgehalten, dass Bild- oder Tonmanipulationen unzulässig seien. Dies sei eine «journalistische Selbstverständlichkeit», schrieb Engmann.

Ombudsmann eingeschaltet

Die laut SRF «unter Zeitdruck gefällte Entscheidung», die fehlenden Fan-Gesänge nachzuvertonen, wird nun auch den Ombudsmann der SRG, Achille Casanova, beschäftigen. «Es sind bereits zwei Beschwerden eingegangen, was mich verpflichtet, den Sachverhalt abzuklären und allenfalls entsprechende Empfehlungen auszusprechen», sagte Casanova.

Erstellt: 14.05.2013, 20:23 Uhr

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