«Gebt euch nicht damit zufrieden, dass es euch gut geht!»

Tausende haben heute in Zürich an der Pride für geschlechtliche und sexuelle Vielfalt demonstriert und die Ehe für alle gefordert.

«Wir marschieren für die Menschenrechte»: Die Pride in Zürich. (16. Juni 2018) Video: Tamedia

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Man kann sich das fast nicht mehr vorstellen: Gerade mal 40 Jahre ist es her, dass in Zürich zum ersten Mal Schwule den Christopher Street Day begingen – und die Abschaffung des Homoregisters der Stadt Zürich forderten. «Die Schultern derer, die damals für ihre Rechte einstanden, tragen uns heute»: Das sagte Florian Vock, SP-Grossrat im Kanton Aargau und Vorstand der Schwulenorganisation Pink Cross heute in seiner Ansprache vor dem Pride-Umzug.

«Same Love - Same Rights»: Am lauten und schrillen Umzug forderten die Teilnehmenden die Zivil-Ehe für alle. (Video: Tamedia/SDA)

Tausende hörten ihm auf dem Helvetiaplatz zu, jubelten laut Beifall, als Vock an die Vorreiter der Pride erinnerte. Noch sei aber Vieles nicht erreicht, rief Vock: «Gebt euch nicht damit zufrieden, dass es euch gut geht. In Saudiarabien, in Russland verrecken Menschen, weil sie sind wie wir.» Aber auch die Schweiz sei noch lang nicht so weit, wie sich das Lesben, Schwule, Bi und Transmenschen wünschen würden, sagte Vock. Noch gälten nicht die gleichen Rechte für alle: «Ich will nicht heiraten. Aber wenn ich es wollte, dürfte ich nicht.» Auch Jessica Zuber von der Operation Libero forderte die Ehe für alle: «Ich will keine Homo-Ehe. Ich will eine Ehe für alle. Warum etwas anders nennen, das nicht anders ist?»

Stefanie Hetjens, Präsidentin des Transgender Networks Switzerland erzählt, wie es ist, wenn das Aussehen nicht zum Ausweis passt. (Video: Kathrin Egolf)

Dann zog die Menge los, tausende Menschen, die ihr Anderssein feierten. Es war eine bunte Gesellschaft: Regenbogenfahnen überall, Glitzer und Tand, Männer in schwindelerregenden Stöckelschuhen, selbst eine Gruppe Leder- und Gummifreunde war dabei. Auffallend auch die vielen Logos von grossen Betrieben. UBS und CS, Post und SBB, Deloitte und PWC, natürlich Google, ein VBZ-Bus und, von jungen Männern begeistert beklatscht, ein Polizeiauto, gelenkt von einem schönen Polizisten.

Der Aufmarsch war riesig, es dauerte fast dreiviertel Stunden, bis die letzten Teilnehmer nur schon am Helvetiaplatz losmarschieren konnten. Der Umzug führte durch die ganze Innenstadt, er verlief problemlos und friedlich. Am späten Nachmittag dann folgte ein Fest auf dem Kasernenareal.

Zwei Teilnehmer der Pride: Stolz zeigen sie ihr Anderssein. Bild: Urs Jaudas

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 16.06.2018, 15:15 Uhr

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