Gross Leemann von der eigenen Partei kaltgestellt

Die Küsnachter FDP-Gemeinderätin soll in den kommenden Kantonsratswahlen mit einem hinteren Listenplatz vorliebnehmen.

Muss eine bittere Pille schlucken: Ursula Gross Leemann, FDP-Finanzvorsteherin von Küsnacht.

Muss eine bittere Pille schlucken: Ursula Gross Leemann, FDP-Finanzvorsteherin von Küsnacht.

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Ursula Gross Leemann, FDP-Finanzvorsteherin von Küsnacht, muss eine bittere Pille schlucken. Wie der «Tages-Anzeiger» in Erfahrung gebracht hat, erscheint der Name der 52-jährigen Lokalpolitikerin auf der Wahlliste für die kommenden Kantonsratswahlen erst ganz hinten. Dies, obwohl Gross Leemann in der noch laufenden Legislaturperiode erste Ersatzperson ihrer Partei ist und gegebenenfalls in den Kantonsrat nachrücken würde. In den Gemeinderatswahlen im vergangenen Frühling hat sie zudem hinter Gemeindepräsident Max Baumgartner – einem Parteikollegen – das zweitbeste Resultat erzielt. Das Stimmvolk schätzt die Politikerin. Im Umfeld von Ursula Gross wird angedeutet, dass sie dieser Entscheid sehr überrascht und enttäuscht habe. Sie empfinde ihn als Affront. Es wird sogar gemunkelt, dass sich Gross Leemann als Folge dieses Entscheids ganz von der Wahlliste zurückziehen werde. Gross Leemann selbst will dazu nichts sagen, nur soviel: «In der Politik muss man hart im Nehmen sein, aber alles hat seine Grenzen.» Sie finde es schade, dass man sich in der FDP lieber selber zerfleische, als die Kräfte zu bündeln.

Kein Dementi vom Präsidenten

FDP-Kantonalpräsident Beat Walti (Zollikon) äusserte sich auf Anfrage zurückhaltend. Interne Personalfragen diskutiere er aus Prinzip nicht in der Öffentlichkeit. Immerhin ringt er sich das Eingeständnis ab, dass er die Zurückstufung seiner Parteikollegin weder dementiere noch bestätige. Da er selber erneut kandidiere – auf dem ersten Listenplatz notabene –, sei eine Stellungnahme seinerseits aber weder angebracht noch wirklich erwünscht.

Es überrascht nicht, dass die Bezirksparteipräsidentin Bettina Schweiger (Herrliberg) ihrem Namen gerecht wird. Sie verweist auf das «Reglement für die Erstellung der Kantonsrats-Wahlliste» der Bezirkspartei, das öffentlich auf der Homepage der Partei einsehbar ist. Es definiere was, wann und von welchen Gremien entschieden werde. Die Auswahl und das Verfahren würden so zu einem deutlichen Resultat führen, sagt die Bezirksparteipräsidentin. Gemäss diesem Regelwerk sind nur die amtierenden Kantonsräte gesetzt. Das Auswahlprozedere sei im Übrigen sehr aufwendig gewesen. Über 200 Arbeitsstunden habe man im Wahlausschuss dafür aufgewendet. Nun sei es abgeschlossen und die Liste müsse von der Delegiertenversammlung, die nächsten Donnerstag tagt, nur noch abgesegnet werden, sagt Schweiger.

Der Küsnachter FDP-Parteipräsident Marc Lindt unterstützt Schweiger. Als Ortsparteipräsident ist er Mitglied der Wahlkommission. Der Auswahlprozess sei seriös und professionell über die Bühne gegangen, sagt Lindt. «Da stehe ich voll dahinter.» Natürlich würden dabei auch politische und taktische Überlegungen eine Rolle spielen, denn Anciennität könne nicht das einzige Kriterium für einen solch weitreichenden Entscheid sein.

Die Besten auswählen

Marc Raggenbass, Ortspräsident der FDP in Zollikon, ist der letzten, entscheidenden Wahlkommissionssitzung aus geschäftlichen Gründen ferngeblieben. Wichtig sei, dass die Besten ausgewählt würden, betont er. Ursula Gross Leemann schätze er sehr, denn «sie politisiert genau auf unserer Linie».

Was die Frage aufwirft, woran die in ihrem Dorf so beliebte Finanzpolitikerin nun tatsächlich gescheitert ist. Ein öfters gehörter Vorwurf lautet, dass man ihr zwar exzellente Qualitäten als Exekutivpolitikerin attestiert, dass sie als Parlamentarierin aber weniger geeignet sei. Ein Vorwurf, den auf Anfrage so niemand zu bestätigen gewillt war.

Auf Kantonsebene hat sich Gross Leemann vor allem in der Diskussion um den neuen Finanzausgleich einen Namen gemacht. Mit Vehemenz trat sie immer wieder für die besonderen Anliegen der Goldküstengemeinden ein. Mit dem im Mai erzielten Kompromiss kann sie zwar leben; sie findet aber nach wie vor, dass zu viel Geld umverteilt werde. Mit ihrem Engagement hat sie womöglich kleinere Gemeinden vergrault. Wenig beliebt machte sie sich auch mit ihren Äusserungen zur Abschaffung der Pauschalsteuer. Sie trat für einen höheren Steuersatz ein, stimmte selber gegen die Abschaffung. Der SVP geriet dies in den falschen Hals: Exponenten der Volkspartei warfen Gross Leemann gar vor, das Volksnein zur Pauschalsteuer persönlich zu verantworten. Möglich, dass ihr dies nun in der eigenen Partei zum Verhängnis wurde.

Mehr Nachrichten und Hintergründe vom rechten Seeufer gibt es täglich im Regionalbund des Tages-Anzeigers. Schreiben Sie direkt an staefa@tages-anzeiger.ch

Erstellt: 10.09.2010, 20:46 Uhr

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