Halbherziger Schutz der Fische

Wer regelmässig angelt, braucht dafür neuerdings einen Sachkundenachweis. Tierschützer kritisieren allerdings das mangelnde Engagement von Bund und Kantonen beim Umsetzen der neuen Regeln. Dafür profitiere das Fischer-Magazin «Petri Heil».

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Von Felix Maise

Auch Fische sollen vor unnötigem Leiden geschützt werden. Für Hobbyfischer gibt es deshalb neuerdings Auflagen: Wer regelmässig angelt, muss seit dem 1. Januar 2009 eine Prüfung ablegen und den sogenannten Sachkundenachweis (SaNa) erbringen. Für die Umsetzung der neuen Bestimmungen wurde unter der Federführung der Bundesämter für Umwelt (Bafu) und für Veterinärwesen (BVET) ein «Netzwerk Anglerausbildung Schweiz» gegründet. In dessen Lenkungsausschuss sitzen das Bafu, das BVET, zwei kantonale Fischereiverwaltungen und der Schweizerische Fischerei-Verband.

Eine einheitliche Bundesregelung der Kurse und Prüfungen ist bis heute allerdings nicht zustande gekommen. Je nach Kanton gelten unterschiedliche Anforderungen. «Die Minimalvariante eines dreistündigen Kurses mit einer Multiple-Choice-Prüfung von 40 Fragen ist dabei sehr minimalistisch ausgefallen», sagt Rolf Schatz, grün-liberaler Gemeinderat in Langnau am Albis und einer von 15 offiziellen Fischerei-Instruktoren des Kantons Zürich. Schatz bildet seit zwölf Jahren selber Angler aus und setzt sich mit seiner Interessengemeinschaft Dä Neu Fischer für eine nachhaltige, ethisch-ökologisch ausgerichtete Fischerei ein. Bei ihm dauern Kurse denn auch doppelt so lang und kosten mit 45 Franken dreimal so viel wie der vom Bund vorgeschriebene Minimalkurs für 15 Franken.

Geschäft mit Buch und Kursen

Schatz vermisst bei der Umsetzung der neuen Bestimmungen sowohl beim Bund als auch in vielen Kantonen ein echtes Engagement. «Die Interessen der Fische werden nicht aktiv verteidigt», kritisiert er. Die mit der neuen Aufgabe betrauten Ämter seien der Konfrontation mit den Fischern, die in ihrer Mehrheit keine Freude an den neuen Regeln hatten, wo immer möglich aus dem Weg gegangen. Dass man nur neue Angler der Prüfungspflicht unterstellt habe, sei bereits ein Kniefall vor der Fischerlobby gewesen. Doch dass im Lenkungsausschuss neben zögerlichen Beamten ausgerechnet frühere Gegner strengerer neuer Bestimmungen für deren Umsetzung sorgen sollten, habe endgültig dazu geführt, dass die Schutzinteressen der Fische unter die Räder gerieten. Tier- und Naturschutzorganisationen, die sich an vorderster Front für den Fischschutz eingesetzt hatten, wurden genauso wenig einbezogen wie Schatz’ Interessengemeinschaft Dä Neu Fischer.

Dafür nutzte das Fischer-Magazin «Petri Heil», das regelmässig über Rekordfänge, aber weniger über tierschützerische Fragen berichtet, die günstige Gelegenheit: Seit Jahren mit dem Schweizerischen Fischerei-Verband eng verbunden, führt das Magazin bis heute das Sekretariat des Lenkungsausschusses und ist gleichzeitig Geschäftsstelle des «Netzwerks Anglerausbildung».

«Petri Heil»-Redaktor Hansjörg Dietiker ist deshalb auch im Lenkungsausschuss regelmässig dabei. Das erlaubte es seiner im Jahr-Verlag erscheinenden Zeitschrift auch, ein eigenes, schon seit Jahren angebotenes, freiwilliges Sportfischer-Brevet so anzupassen, dass es den Anforderungen des Bundes entspricht und zum Bezug des SaNa-Ausweises berechtigt. Damit nicht genug: «Petri Heil» angelte sich so gleichzeitig auch ein gutes Geschäft mit dem Verkauf eines eigenen, 59 Franken teuren Angler-Lehrbuchs, auf dem der angebotene Kurs und die Prüfung beruhen. «Der Verlag verdient sich so eine goldene Nase», schimpft Rolf Schatz.

Neue Geschäftsstelle ab 2012

Die Art und Weise, wie der Schutz der Fische bei den Anglern durchgesetzt werde, stelle den verantwortlichen Behörden beim Bund ein schlechtes Zeugnis aus und sei keine gute Grundlage für die mit dem Vollzug beauftragten Beamten in den Kantonen, sagt Heinzpeter Studer von der Tierschutzorganisation Fair Fish.

«Petri Heil»-Redaktor und Geschäftsstellenleiter Hansjörg Dietiker war gestern für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Im Bafu weist Erich Staub, der das Amt im Lenkungsausschuss vertritt, die Vorwürfe zurück. Die Tierschutzanliegen seien im Lenkungsausschuss durch das BVET bestens vertreten. «Petri Heil» sei vom Fischerei-Verband ins Spiel gebracht worden. «In der Aufbauphase waren wir aus praktischen Gründen auf deren Infrastruktur im Bereich Buchhaltung und Adressenhaltung angewiesen. Dass ‹Petri Heil› zwei Hüte aufhatte, war uns aber immer ein Dorn im Auge. Ab dem 1. Januar 2012 gibt es deshalb eine neue, unabhängige Geschäftsstelle.»

Angler auf dem Pfäffikersee: Eine einheitliche Regelung der neuen Bestimmungen kam bisher nicht zustande. Foto: Keystone

Erstellt: 02.11.2011, 06:21 Uhr

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