Herrliberger Streit um Bauprojekt auf Marquards Land

Herrliberg - Hoch über Herrliberg, direkt unter der Villa Bella Vista, dem Wohnsitz von Jürg Marquard, hat Projektentwickler Stephan Rickenbach Grosses vor. Die Visiere auf der 10 400 Quadratmeter grossen Wiese lassen die Ausmasse der Bauten nur erahnen. Erst ein Blick in die Pläne der Arealüberbauung gibt Klarheit. Zwei mächtige Villen der Luxusklasse mit den klingenden Namen Miralago und Miramonte sollen da dereinst entstehen - eine jede mit einer mehrgeschossigen Dépendance, wo Wohnungen für Bedienstete und Büros vorgesehen sind.

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Villen und Dépendancen sollen in den Hang hinein gebaut werden, damit die Villa Bella Vista ihrem Namen auch künftig gerecht und Marquards Sicht auf See und Berge nicht verbaut wird. Ein unterirdischer Tunnel - teils mit einer Rolltreppe versehen - verbindet die Dépendancen mit den Villen. Zu jeder Villa gehören ein grosser Swimmingpool und eine Pergola.

Das Grossprojekt mit Baukosten in der Höhe von rund 60 Millionen Franken sorgt im Quartier für Gesprächsstoff. Zum Vergleich: Die Überbauung auf dem Areal der Ermitage in Küsnacht soll rund 15 Millionen Franken kosten. Von einem «Wahnsinnsprojekt» ist die Rede oder von einer regelrechten «Einbunkerung». Grund dafür sind die hohen Mauern, die das gesamte Grundstück umgeben werden. Auch die beiden Villen sind mit einer hohen Mauer voneinander getrennt, auf der ein künstlicher Bach verläuft. Auch die geplante doppelstöckige Unterniveau-Garage mit 49 Plätzen sorgt in Herrliberg für Kopfschütteln. Und weckt Ängste vor Mehrverkehr auf den Strässchen rund um das Grundstück.

Erfolgreiche Anwohner

Diese Bedenken sind auch der Hauptgrund für den Rekurs, den verschiedenene Quartierbewohner gegen das Bauvorhaben eingelegt haben. Sie fordern verkehrstechnische Anpassungen des Projekts. Die Ausfahrten der Tiefgaragen sollen weiter auseinander liegen als geplant. Und die Kinder sollen auf ihrem Schulweg nicht gefährdet werden. Das ist insofern brisant, als Anwohner vor Jahren bereits einmal ein Bauprojekt zu Fall brachten. Bei einer Begehung des Grundstückes mit Vertretern der Baurekurskommission demonstrierten Kinder des Quartiers zusammen mit ihren Eltern gegen eine Überbauung der Wiese.

Nur ein technisches Problem

Stephan Rickenbach, Projektleiter der in Winterthur domizilierten SMC Management Contractors SA und ehemaliger Schulkollege von Jürg Marquard, weiss nichts von der Aufregung im Quartier. «Ich höre zum ersten Mal davon», sagt er. Man habe die Anwohner von Anfang an informiert, sie extra zu einer Information ins Restaurant Vogtei eingeladen. Beim Projekt der Architekten Alexandra Gübeli und Yves Milani von GXM Architekten aus Zürich handle es sich um die beste Überbauung für die Nachbarn und für die umweltverträglichste. «Man hätte auf dem Land auch 30 Reiheneinfamilienhäuser erstellen können», sagt Rickenbach. Er entwickelt und vermarktet das Bauvorhaben im Herrliberger Quartier Oberfeld. «Ich suche deshalb auch die Käufer», erklärt er. «Diesen biete ich - natürlich im Einverständnis mit dem Grundstückeigentümer Jürg Marquard - auch das zugehörige Land an.»

Der Widerstand gegen die beiden Villen überrasche ihn. Der Verkehr verteile sich schliesslich auf mehrere Strassen. Bei der kritisierten Zufahrt zur Tiefgarage handle es sich aber um ein «rein technisches Problem», das man einvernehmlich lösen könne. Mit anderen Anwohnern, die sich an der Umzäunung störten, habe man sich ja auch einigen können. Beim Parkhaus habe man in der Bewilligungsphase bewusst die höchst- mögliche Parkplatzzahl eingegeben. «Vielleicht ist einer der Käufer ja ein passionierter Autosammler», sagt er.

Im Stillen bauen

Details des Projekts will Rickenbach keine bekannt geben. «Wir möchten im Stillen bauen. Die potenzielle Klientel bleibt lieber im Hintergrund und sucht die Öffentlichkeit nicht», sagt Rickenbach. Fest steht nur, dass ein «moderner, puristischer und klarer Bau» entstehen wird. Die jungen Zürcher Architekten sind bekannt dafür. Ebenso klar ist, dass die Findlinge, die heute noch stolz auf der Wiese thronen und einer nahen Strasse den Namen gegeben haben, entfernt werden. Gebaut wird erst, wenn ein Käufer gefunden ist.

Erstellt: 17.10.2009, 02:01 Uhr

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