Hesse, Rilke und die Meteorologen

Hombrechtikon. - Unser Fotograf stand gestern Morgen früh auf der Anhöhe Richttann im Norden des Lützelsees und fotografierte gegen Süden. Links am Horizont ahnt man in der klaren Luft die Glarner Alpen, rechts die Höhronen. Aus der Senke des Lützelsees aber kriechen die ersten Herbstnebel. Noch besteht kein Zweifel daran, dass die Sonne die Nebelschleier verbrennen wird, lange bevor es Mittag ist. Noch hat sie dazu die Kraft.

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Diese Art flüchtiger Nebel ist typisch für feuchte Senken wie am Lützelsee und das ihn umgebende Riedland. Es gibt viele Namen dafür: Bodennebel, Talnebel, Wiesennebel oder Nebelbank. Meteorologen sprechen vom Strahlungsnebel oder Abkühlungsnebel. Er entsteht dann, wenn der Erdboden in den klaren, kälter und länger werdenden Nächten durch Abstrahlung stark erkaltet und die bodennahe Luftschicht unter den Taupunkt abkühlt. Damit bilden sich die feinen Wassertröpfchen, die zusammen den Nebel bilden.

Romantische Gemüter aber gehen nicht dem physikalischen Ursprung des Phänomens nach. Sie erinnern sich an Hesse und Rilke, finden plötzlich das Wandern seltsam und glauben, einsam sei jeder Busch und Stein. Da wachen sie lieber, lesen und wollen lange Briefe schreiben.

Erstellt: 08.09.2009, 02:00 Uhr

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