Zürcher Gemeinden im Vergleich (5)

Hier drücken die Schulden am stärksten

In Unterstammheim und Sternenberg sind die Schulden fast doppelt so hoch wie die jährlichen Einnahmen. Anderswo sieht es deutlich besser aus – vor allem im Furttal.


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In den meisten Zürcher Gemeinden muss man sich keine grossen Sorgen um die Verschuldung machen. Aber es gibt Ausnahmen. Zum Beispiel Unterstammheim. Dort sind die Schulden fast doppelt so hoch wie die jährlichen Einnahmen. Dies sei schlecht, schreibt der Kanton in seinem Aufsichtsbericht.

Das weiss auch Martin Schwager, Gemeindepräsident von Unterstammheim. «Unser Problem ist die fehlende Steuerkraft», sagt er. Die Gemeinde habe zwar noch einige gute Bauplätze, finde aber keine guten Steuerzahler, welche sich dort niederlassen wollten. Zu weit entfernt liegt Unterstammheim von der Stadt Zürich. Mit dem öffentlichen Verkehr dauert die Fahrt eine Stunde.

Einen weiteren Grund für die missliche Lage Unterstammheims sieht Schwager in der Ausgestaltung des Finanz­ausgleichs. «Kleine Gemeinden sind benachteiligt», kritisiert der EVP-Politiker. Eine Fusion könne das Finanzproblem aber nicht lösen. Denn die Nachbargemeinden seien ebenfalls hoch verschuldet. «Drei Kranke geben zusammen keinen Gesunden», so Schwager.

In der Tat würde eine Fusion wenig helfen. Die drei Stammertaler Gemeinden Unterstammheim, Waltalingen und Oberstammheim belegen nämlich die Ränge 1, 3 und 4 auf der Liste der meistverschuldeten Gemeinden. Konkret weist das Statistische Amt des Kantons Zürich den sogenannten Bruttoverschuldungsanteil aus. Dieser zeigt die Höhe der Schulden in Prozent des Finanzertrags.

Schulden wegfusioniert

Auch in Sternenberg ist dieser Wert seit Jahren enorm hoch. Die aktuellsten Zahlen stammen aus dem Jahr 2012 und zeigen Sternenberg auf Platz 2. Damit ist nun aber bald Schluss: 2015 wird Sternenberg nicht mehr auf der Liste der meistverschuldeten Gemeinden auftauchen – weil es Sternenberg als Gemeinde nicht mehr geben wird. Das 350-Seelen-Dorf hat sich für eine Fusion mit Bauma entschieden. Per 1. Januar 2015. Dann verliert Sternenberg den Gemeindenamen, das Ortswappen und den Sitz der Gemeindeverwaltung. Es wird also von Bauma gewissermassen annektiert. Dafür werden die Sternenberger dadurch auch ihre Gemeindeschulden los. Diese werden grösstenteils vom Kanton übernommen.

Der Kantonsbeitrag von 3,5 Millionen Franken hat die Fusion erst möglich gemacht. Denn ohne diese Unterstützung hätten die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger von Bauma der Fusion kaum zugestimmt. Wer will schon eine derart hoch verschuldete Gemeinde übernehmen?

Auch die Städte Zürich und Winter­thur haben hohe Schulden angehäuft. 2012 belief sich ihr Bruttoverschuldungsanteil auf 85,8 respektive 87,2 Prozent. Ausserordentlich gut stehen dagegen die Gemeinden im Furttal da. Boppelsen, Buchs und Hüttikon waren 2012 sogar schuldenfrei. Dies können ausserhalb des Furttals auch Bertschikon, Brütten, Henggart, Hüntwangen, Maur und Wasterkingen für sich in Anspruch nehmen.

«Wir nehmen auch Geschenke»

Nicht berücksichtigt ist beim Bruttoverschuldungsanteil das Finanzvermögen einer Gemeinde. Vergleicht man es mit den Schulden, weisen viele Gemeinden unter dem Strich ein Nettovermögen aus. Die Gemeinden mit einer hohen Verschuldung bleiben allerdings in den tiefroten Zahlen.

Das wirkt sich auch auf den Steuerfuss aus: Sternenberg und die Gemeinden im Stammertal liegen alle auf dem kantonalen Maximum von 124 Prozentpunkten (ohne Kirchensteuer). Umgekehrt sind aber nicht alle Gemeinden mit einem hohen Steuerfuss hoch verschuldet. Truttikon und Hirzel zum Beispiel besteuern ihre Einwohner ebenfalls mit dem maximalen Steuerfuss, ­haben aber nur wenig Schulden. Interessant ist ein Vergleich des Bruttoverschuldungsanteils mit dem mittleren Einkommen in den Gemeinden: Alle Gemeinden mit sehr starker Verschuldung weisen ein tiefes Median­einkommen aus. Der Umkehrschluss gilt aber auch hier nicht: Es gibt sehr wohl Gemeinden mit tiefen Einkommen, die nicht hoch verschuldet sind – etwa Rüti und Zell.

Zell hatte zur Jahrtausendwende noch einen Bruttoverschuldungsanteil von über 200 Prozent. Seither konnte der Winterthurer Vorort den Wert aber auf 12,4 Prozent drücken – durch eine «sorgfältige Ausgabenpolitik», wie ­Gemeindepräsident Martin Lüdin (FDP) betont. In Unterstammheim war dies ­offenbar nicht möglich. Der dortige Gemeindepräsident hofft jetzt auf einen sehr guten Steuerzahler, der die Gemeinde von den Finanzsorgen befreien möge. Und er sagt: «Wir nehmen auch Geschenke entgegen.»

Erstellt: 08.08.2014, 23:17 Uhr

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