Hinter der Kämpferin stand eine Frau

Emilie Lieberherr konnte immer auf ihre Freundin Minnie Rutishauser zählen.

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Politikerin mit bewegtem Leben

Von Susanne Anderegg

«Also jetzt losed Si emaal, jungi Frau!» Jede Journalistin, die mit Emilie Lieberherr zu tun hatte, kennt den Satz – so setzte sie zur Beantwortung kritischer Fragen an. «Emili», wie alle sie nannten, war eine resolute Frau, selbstbewusst und tatkräftig. Und hinter dieser Frau stand eine andere Frau: ihre Lebenspartnerin Minnie Rutishauser. «Sie war immer für Emilie da», würdigte Stadtratskollege und Freund Hans Frick im Grossmünster die Freundin, die über 60 Jahre mit Emilie zusammen war, aber erst nach deren Rücktritt aus der Politik in der Öffentlichkeit an ihrer Seite auftrat. Sie hat ihr den Rücken freigehalten, hat den Haushalt gemacht. Emilie konnte knapp einen Kaffee kochen, ausser für den Garten interessierte sie sich wenig für praktische Arbeiten. Wäre es nach dem Willen ihrer Mutter gegangen, hätte sie wie diese Schneiderin werden sollen, doch Emilie hatte lieber Bücher.

«Ich mochte Emilie, weil sie intelligent war und ihr alles so leicht fiel», sagte Minnie Rutishauser nach dem Tod ihrer Partnerin der «Schweizer Illustrierten». Mitte der Fünfzigerjahre gingen die beiden nach Amerika, wo Emilie das Kindermädchen der Fondas wurde, Marilyn Monroe kennen lernte und sehr beeindruckt war von dieser «warmherzigen Frau». 1970 kauften Emilie und Minnie einen Landsitz: ein altes Riegelhaus in Wil im Rafzerfeld, ideal für Emilies Leidenschaft, das Sammeln von Antiquitäten. Und ideal für die Katzen, die Emilie liebte.

Nun bleibt Minnie Rutishauser mit den zwei Büsi allein zurück. Sie ist 90, vier Jahre älter als ihre Freundin. Emilie war kurz vor dem 85. Geburtstag gestürzt. Bald darauf versagten die Nieren, sie brauchte dreimal die Woche eine Dialyse. Die letzten Monate verbrachte sie im Pflegeheim Magnolia in Zollikerberg. Es ging ihr nicht mehr gut. Am 3. Januar frühmorgens ist sie gestorben.

Vor der Trauerfeier erinnerten sich gestern politische Weggefährten und enge Mitarbeiter an ihre Zeit mit Emilie Lieberherr. Präventivmediziner und Ständerat Felix Gutzwiller wurde von ihr auf den Platzspitz geführt: «Das war der Anstoss zur Koalition von FDP, CVP und SP für die 4-Säulen-Drogenpolitik auf Bundesebene.» Lieberherrs langjähriger Stabschef Bruno Hohl erhielt Mitte der Achtzigerjahre den Auftrag, eine Tagesbetreuung für Kinder zu evaluieren: «Da war sie der Zeit weit voraus.» Für ihre persönliche Mitarbeiterin Liliane Waldner war sie eine «Superchefin» mit Verständnis für die Leute: «Sie war wunderbar, verlangte viel, und das bringt einen vorwärts.»

Emilie war eine Kämpferin, wie es sie nicht mehr gibt. Für heutige junge Frauen ist es unvorstellbar, nicht wählen und abstimmen zu dürfen. Emilie, als Mädchen in den Zwanzigerjahren geboren, musste ihr halbes Leben dafür kämpfen. Am 7. Februar 1971 haben die Schweizer Männer das Frauenstimmrecht angenommen. «Jetzt ist, kurz vor dem Jubiläum, eine unserer Pionierinnen gestorben», sagte Monika Stocker, ihre Nachfolgerin im Stadtzürcher Sozialdepartement. Auch sie hatte, als sie 20 war, noch keine politischen Rechte, auch sie gehörte zu den frühen Politikerinnen in Bern, damals in den Achtzigerjahren. Aber Emilie Lieberherr war noch eine andere Generation. Sie war ihr Vorbild und das Vorbild unzähliger Frauen in der Schweiz.

Minnie Rutishauser, die Lebenspartnerin von Emilie Lieberherr.Foto: Sabina Bobst

Monika Weber hob die nationalen Verdienste hervor.Foto: Sabina Bobst

Stadtpräsidentin Corine Mauchwürdigte die Pionierin.Foto: Sabina Bobst

Erstellt: 12.01.2011, 23:00 Uhr

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