«Hopp Schwiiz» in Uganda

Der Bülacher Steve Tharakan arbeitet in Afrika mit kriegsgeschädigten Kindern. Über den Fussball verschafft er sich Zugang zu ihnen. Und gewinnt nebenbei Fans für die Schweizer Nati.

Steve Tharakan (hintere Reihe, 4. von rechts) mit ehemaligen Kindersoldaten, einst entführten Kindern, jungen Müttern und Waisen.

Steve Tharakan (hintere Reihe, 4. von rechts) mit ehemaligen Kindersoldaten, einst entführten Kindern, jungen Müttern und Waisen. Bild: PD

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Steve Tharakan hat ganze Arbeit geleistet. Statt des Spiels des Titelfavoriten Spanien gegen Chile übertrug seine Stammbar A1 in Pader die Partie Schweiz - Honduras. Das heisst, solange der Strom in der Ortschaft im Norden Ugandas lief und die Satellitenverbindung standhielt. Er habe einen schweren Stand gehabt, die Afrikaner für die Schweizer Nati zu gewinnen, schreibt der 30-Jährige in einer Mail. Die Schweiz als Fussballnation sei hier kaum bekannt, dafür als «the most peaceful country in the world», das friedlichste Land der Welt.

Davon ist Uganda weit entfernt. Die Rebellengruppe der Lord’s Resistance Army hat das Land jahrelang in Angst und Schrecken versetzt. Sie verübte Massaker, entführte Kinder und hielt sie als Soldaten oder Sexsklaven. Einer dieser Kindersoldaten gründete später die Organisation Friends of Orphan, die sich seit 1999 um die Reintegration der traumatisierten Kinder kümmert.

Tharakan arbeitet seit Mai für die Organisation. Er setzt sich in Schulen, Waisenhäusern und Dörfern Ugandas mittels Sport für eine besser Zukunft der kriegsgeschädigten Kinder ein. Durch Fussball findet er den Zugang zu den Jugendlichen und vermittelt ihnen gleichzeitig Spass und soziale Werte. Eine Übung hat das Ziel, vor den Gefahren von Aids zu warnen: Die Schüler bilden einen Kreis um einen Mitschüler und versuchen, ihn mit dem Ball zu treffen. Der Ball stellt das Virus dar. Im Laufe des Spiels stellen sich Schüler vor den Protagonisten. Sie symbolisieren den Schutz: sei es durch ein Kondom, die Treue zum Partner oder einen gemeinsamen HIV-Test.

Während des achtwöchigen Trainings werden möglichst viele der Jugendlichen zum Coach ausgebildet. Damit sie in umliegenden Schulen die Inhalte weiter vermitteln können und nebenbei ihr Selbstwertgefühl wieder stärken.

Noch bis August leitet Tharakan die Trainings. Sie sind Teil des Stipendienprogramms «Mercator Kolleg für internationale Aufgaben», an dem er seit September als einer von drei Schweizern teilnimmt. Das Programm fördert Nachwuchs für internationale Organisationen und Arbeitsumfelder und wird vom Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten unterstützt. Tharakan, Absolvent der Kantonsschule in Bülach, hat den Master für internationale Beziehungen und das Doktorat der Universität St. Gallen erlangt.

Nach seiner Arbeit in Uganda wird der Schweizer mit indischen Wurzeln in Basel für Scort tätig sein. Die Stiftung vereint die Partnerschaftsprogramme professioneller Fussballclubs und führt mit ihnen soziale Projekte durch. Doch vorerst wartet auf Tharakan die Arbeit in Afrika – und ein paar WM-Spiele in seiner Stammbar A1: Mit 22-Zoll-Gerät statt Flatscreen, mit Chicken and Chips statt Bratwurst und Bürli. Doch auch in Pader ist das Bier kühl, werden Entscheide der Schiedsrichter lautstark kommentiert – und hängt seit kurzem eine Schweizer Flagge. Und wie hält er den Lärm der Vuvuzelas aus? Vuvuzelas, schreibt er, suche man in Pader vergebens.

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Erstellt: 26.06.2010, 09:41 Uhr

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