«Ich bin kein Kuschelrichter»

Im Bezirk Bülach wird am 26. September ein neuer vollamtlicher Bezirksrichter gewählt.Die SVP schickt den Winterthurer Michael Peterhans ins Rennen.

Michael Peterhans arbeitet bereits in Bülach am Bezirksgericht, wohnt aber noch in Winterthur.

Michael Peterhans arbeitet bereits in Bülach am Bezirksgericht, wohnt aber noch in Winterthur. Bild: Gesa Lüchinger

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Herr Peterhans, was reizt Sie am Amt des Richters?
Ausgangspunkt war eigentlich meine Polizeiarbeit. Als Polizist macht man bei Ereignissen die ersten Einvernahmen, die dann vielleicht zu einer Anklage führen. Gelegentlich hatte ich damals das Gefühl, dass die Gerichte bei ihren Urteilen nicht das notwendige Feingefühl walten lassen. Deshalb wollte ich selbst Richter werden. Diese Kenntnisse der Polizeiarbeit sind für einen Richter sehr nützlich.

Aber auch die Polizei leistet nicht immer optimale Arbeit.
Fehler können überall passieren. Das ist menschlich.

Sie sind von der SVP portiert worden. Heisst das auch, dass Sie ein richtiger Parteisoldat sind?
Ich arbeite aktiv in der Partei mit. Das gibt mir auch Gelegenheit, den Kontakt zum Volk zu halten. Als vollamtlicher Richter läuft man ja immer auch Gefahr, sich vom Volk zu weit zu entfernen. Doch auch Richter brauchen neben ­guten juristischen Kenntnissen eine gewisse Bodenhaftung.

Ja, zum Beispiel wäre es gut, wenn Sie in der Region wohnen würden?.?.?.
Durch meine frühere Tätigkeit als Verkehrspolizist kenne ich den Bezirk sehr gut. Für mich ist klar, dass ich im Falle einer Wahl früher oder später in der ­Region Wohnsitz nehmen würde.

Das heisst, Sie würden auch aus dem Winterthurer Stadtparlament austreten, obwohl Sie erst kürzlich gewählt worden sind?
Ja, das wäre die Konsequenz.

Viele Leute haben das Gefühl, die Gerichte würden zu wenig harte Urteile fällen. Es ist von Kuschel­justiz die Rede. Sind Sie auch ein Kuschelrichter?
Das kann ich klar mit Nein beantworten. Ich gehöre eher zur Gruppe jener Richter, welche den Strafrahmen wenn immer möglich ausnützen.

Das heisst, Sie sind auch mit den jüngsten Vorschlägen des Bundesrats einverstanden. Dieser beantragt mit einer Strafrechts­revision höhere Strafen bei Gewalttaten und Pornografie.
Grundsätzlich bin ich dafür. Aber ich bin ebenso bestimmt der Meinung, dass man schon heute zum selben Resultat gelangen könnte, wenn man den vom Gesetzgeber zur Verfügung gestellten Strafrahmen bei den einzelnen Delikten besser respektive voll ausnützen würde.

Das Volk kann die Urteile der Gerichte oft nicht nachvollziehen.
Und genau das ist der springende Punkt. Natürlich kann nicht jeder immer jede juristische Begründung nachvollziehen. Aber es darf auch nicht sein, dass die Gerichte mit ihren Urteilen beim Volk auf wenig Verständnis stossen. Bis zu einem gewissen Grad sollten die Urteile mit dem Volksempfinden übereinstimmen.

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Erstellt: 13.09.2010, 21:02 Uhr

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