Immobilien bis zu 20 Prozent überteuert

Seit 12 Jahren boomt in der Schweiz der Markt, das hat zu «astronomischen» Preisen geführt.

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Von Jürg Zulliger

Wenn rundherum Staatsverschuldungen, toxische Papiere und Börsenkrise für negative Schlagzeilen sorgen, glänzt der Schweizer Bau- und Immobilienmarkt umso mehr: Gemäss dem gestern publizierten Immo-Monitoring von Wüest & Partner hält der Immobilienboom schon seit 12 Jahren an. Besonders die Preise für Stockwerkeigentum und Einfamilienhäuser stechen hervor: Sie verteuerten sich schweizweit in den letzten 12 Monaten um 4,8 bzw. 4,5 Prozent. Die Autoren der Studie sprechen nicht von einer Immobilienblase, warnen aber vor den erhöhten Risiken infolge der ausufernden Bautätigkeit. Ausserhalb der Agglomerationen und Arbeitsplatzzentren könnte eine zu grosse Zahl von Neubauten eine Trendwende und sinkende Preise herbeiführen.

Die Wortwahl unabhängiger Marktbeobachter wird zusehends deutlicher: «Es kann ja nicht sein, dass selbst bescheidene Reihenhäuser in kürzester Zeit plötzlich so viel an Wert zulegen wie zuvor in 20 Jahren», warnt der Finanzierungsfachmann Werner Egli. Real bewertet, müssten solche Objekte im Grunde genommen 15 oder 20 Prozent tiefer liegen. «Der Rest ist warme Luft», ist Egli überzeugt. Vor den Folgen «astronomischer» Preise warnt auch Andreas Bertet, Liegenschaftsschätzer in Winterthur: «Entweder die Käufer selbst oder die Banken nehmen damit Risiken in Kauf. Denn die Wiederverkäuflichkeit der Immobilien ist zu solchen Preisen nicht gegeben.» Sobald sich gewisse Preiskorrekturen abzeichnen, könnten Hauskäufer das eingesetzte Eigenkapital verlieren und die Banken sogar Kreditrückzahlungen verlangen, sofern der Kredit nicht mehr ausreichend gedeckt ist. Ansgar Gmür, Direktor des Hauseigentümerverbandes Schweiz (HEV), macht der Run auf Mehrfamilienhäuser als vermeintlich sichere Kapitalanlage Sorgen: «Die meisten dieser Transaktionen finden heute zu überzahlten Preisen statt», sagt er. Man müsse sich im Klaren darüber sein, dass auf eine positive Phase «irgendwann eine Korrektur folgt». &endash Seite 43

Erstellt: 01.11.2011, 06:26 Uhr

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