In 169 Jahren sah die Gessner AG keine vergleichbare Krise

Die Gessner AG ist eines der letzten Textilunternehmen. Neue Produkte sollen die Existenz sichern.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Wädenswil - Die Gessner AG in Wädenswil ist ein Überbleibsel aus der Zeit, als die Textilindustrie die Hälfte der Schweizer Wirtschaftsleistung ausmachte. 1929, in der Hochblüte, beschäftigte die Fabrik 2500 Arbeiter und hatte Ableger in England, Italien, Frankreich und Deutschland. Thomas Isler, Verwaltungsratspräsident der Gessner AG, sagt: «1929 beschäftigten wir 2500 Arbeiter, Konkurrent Schwarzenbach aus Thalwil 13 000 und Nestlé ebenfalls 13 000.» Schwarzenbach ging wie alle Textilunternehmen in der Region - abgesehen von Gessner - unter, Nestlé beschäftigt heute gegen 280 000 Mitarbeiter. Bei Gessner sind noch 55 Leute in der Produktion tätig. Total zählt die Gessner-Gruppe 250 Angestellte.

Das Krisenjahr 2009 traf Gessner mit grösserer Wucht als die zwei Weltkriege und die früheren Wirtschaftkrisen. Im Februar 2009 führte das Unternehmen Kurzarbeit ein, kurze Zeit später entliess es 19 Mitarbeitende, ein Viertel der Belegschaft. Ausserdem wurden die Gehälter gekürzt. Das Aktienkapital wurde um eine Million auf 2,4 Millionen Franken erhöht.

Ein neuer Stoff solls richten

Zurzeit sucht Gessner neue Kunden und entwickelt neue Produkte. Eines davon ist Climatex, ein ökologisch verträglich hergestellter Stoff, der vor allem als Bezugsstoff für Möbel verwendet werden kann.

Gessner-Geschäftsführer Fredy Baumeler ist auf Auslandsreise. Er trifft sich mit Vertretern aus der deutschen Autobranche, um ihnen die Vorzüge der Wädenswiler Climatex-Stoffe näherzubringen. «Die Produktion dieser zukunftsträchtigen Textilien macht zum Glück bereits 30 Prozent unserer Gesamtproduktion aus», sagt Isler. Finanzielle Prognosen will er keine anstellen.

Vorbei sind auch die Zeiten, als Gessner sogenannten Hobbys nachgehen konnte: auf Wunsch einige wenige Einzelkrawatten herstellen oder einem Kunden nur die Kleinstmenge von zehn Laufmetern Stoff liefern. (mo)

Erstellt: 26.02.2010, 02:02 Uhr

Blogs

Geldblog Freizügigkeitsgeld auf zwei Stiftungen verteilen

Nachspielzeit Die Zitrone Champions League ist ausgepresst

Abo

Abo Digital Light - 18 CHF im Monat

Unbeschränkter Zugang auf alle Inhalte und Services (ohne ePaper). Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Festival vereint die verschiedenen Kulturen des Landes: Eine Frau singt und tanzt bei einem Strassenfest in Südafrika in einem traditionellen Kleid. (14. Dezember 2018)
(Bild: Rajesh JANTILAL) Mehr...