Industrie im Bezirk verspürt Rückenwind

Konjunkturell bedingte Kurzarbeit gehört der Vergangenheit an. Der Wirtschaftsmotor läuft auch im Bezirk Meilen wieder runder.

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Als die Wirtschaftskrise im Herbst 2008 voll durchschlug, traf sie viele Firmen in der Schweiz mitten ins Herz. Heute geht es der Industrie wieder besser. Die schlimmsten Zeiten scheinen vorbei zu sein, der Aufschwung nimmt seinen Lauf. Nur der starke Schweizer Franken und, damit einhergehend, der schwächelnde Euro bereiten den Industriellen Kopfzerbrechen. Das zeigt auch eine Umfrage bei einigen der grössten Industriebetriebe im Bezirk Meilen.

Die Ernst Grob AG mit Sitz in Männedorf sowie einer weiteren Produktionsanlage in Oetwil stellt Kaltwalz- und Stanzmaschinen her. Im Frühling 2009 sah sich CEO und Besitzer Daniel Dériaz gezwungen, 29 Leute in Kurzarbeit zu schicken. Zwei Monate später kamen 20 weitere dazu.

Langsame Erholung besser als schockartige

Dieser Zustand dauerte einige Monate an. Seit Februar herrscht bei der Grob AG wieder Vollbeschäftigung. Trotzdem sei es in dieser Zeit auch zu einer Gesundschrumpfung des Unternehmens gekommen, räumt Dériaz ein: Etwa 10 Prozent der Gesamtbelegschaft von 128 Angestellten verloren ihren Job bei Grob, Pensionierte wurden nicht ersetzt.

Dass das Unternehmen heute wieder Fahrt aufgenommen hat, stimmt den Enkel des Firmengründers zuversichtlich. Wichtig sei, dass sich die Wirtschaft langsam und nicht schockartig erhole. Und: dass der Schweizer Franken nicht noch stärker werde. Der schwache Euro bereitet Daniel Dériaz weniger Sorgen, «da wir auch viele Teile mit Euros einkaufen», was zu einem gewissen Ausgleich führe.

Life-Science boomt

Ganz anders präsentiert sich die Situation bei den in der Region stark vertretenen Life-Science-Unternehmungen wie Quiagen, Sias oder Xiril. Hans Noser, Geschäftsführer des Industrieclusters Toolpoint, spricht von «äusserst erfolgreichen vier Jahren». In diesem Zeitraum habe die Life-Science-Branche 350 neue Stellen in der Region schaffen können. Das Wachstum habe in derselben Periode mehr als 17 Prozent betragen. Gewichtige Mitglieder des Non-Profit-Vereins Toolpoint, der mit dem Ziel agiert, den Wissens- und Technologietransfer unter den Firmen der Life-Science-Branche zu intensivieren, sind auch die rechtsufrigen Unternehmen Sensirion und Tecan.

Die Männedörfler Tecan Group AG, Hersteller von Labor-Instrumenten und –Automaten, präsentierte vor kurzem ihre Halbjahreszahlen 2010. Dabei resultierte eine währungsbereinigte Umsatzsteigerung von 12 Prozent. Selbst im Krisenjahr 2009 «bewegten wir uns beim Umsatz fast auf Vorjahresniveau», bestätigt Martin Brändle, Mediensprecher beim Männedörfler Weltkonzern. Die Finanzkrise habe das Unternehmen nur gestreift. Die Life-Science-Branche sei eben um einiges konjunkturunabhängiger als andere Industriezweige.

Umsatzrückgang von 25 Prozent

Moritz Lechner, Co-CEO der Stäfner Sensirion, Hersteller von Sensoren basierend auf Mikrotechnologie, bestätigt dies. Er betont aber, dass man «bei der Kundschaft die Krise schon sehr gespürt hat». Deren Umsatzzahlen seien im vergangenen Jahr um durchschnittlich 25 Prozent zurückgegangen. Sensirion habe das Jahr 2009 «mit einem sehr erfolgreichen Neukundengeschäft» dennoch mit gutem Wachstum abschliessen können. Seit Beginn dieses Jahres habe es zudem einen regelrechten Schub gegeben, sagt der erfolgreiche Jungunternehmer.

«Wir stossen momentan an die Grenzen unserer Kapazitäten.» Der starke Franken sei zwar «sehr ärgerlich» für das Unternehmen, welches 98 Prozent seiner Produkte ins Ausland verkauft. Bis dato habe man das aber «wegstecken können», sagt Lechner. Man werde so gezwungen, diese Einbussen mit mehr Effizienz zu kompensieren.

Zeochem erholt sich

Weniger günstig wirkte sich die Finanzkrise auf die Uetiker Zeochem aus. Der Hersteller von Molekularsieben musste im Frühling 2009 über die Hälfte seines Personals in die Kurzarbeit schicken. Einige Monate später folgten Entlassungen: Fast ein Fünftel des Personals musste den Gang aufs Arbeitsamt antreten. Dies in einer Zeit, als das Unternehmen eigentlich Expansionspläne hatte. Heute hat sich die Situation beruhigt.

In einer schriftlichen Stellungnahme betont der neue CEO der zur Chemie und Papier Holding AG gehörenden Firma, Alois Waldburg-Zeil: «Seit dem Abbau der Belegschaft im Jahre 2009 war es nicht mehr erforderlich, Kurzarbeit einzuführen.» Die Kosteneinsparungen hätten zu den gewünschten Effekten geführt.

Erstellt: 27.08.2010, 20:43 Uhr

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