Ist diese Minigolfanlage schützenswert?

In Dietikon soll eine beliebte Minigolfanlage aus den Sechzigern für den Bau von Wohnungen weichen. Doch nun schaltet sich die Denkmalpflege ein.

Im Winter geschlossen: Blick über den Zaun auf die Anlage. Bilder: Hélène Arnet

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Drei Generationen von Limmattalerinnen und Limmattalern haben auf dieser Anlage versucht, kleine, harte Bälle zu versenken, und diese stattdessen in hohem Bogen in die Wiese nebenan gesetzt. Danach haben sie bewundernd den Profis zugeschaut, wie sie aus ihren Köfferchen Ball für Ball gezückt, an den Hosen abgerieben und dann in einem Zug eingelocht haben. Sie haben sich hier am Rande des Marmori-Weihers in das kleine Bistro gesetzt und ein Glace gegessen. Und hatten für den Rest des Sonntags das gute Gefühl, Sport betrieben zu haben.

Damit soll nun Schluss sein. Die 1967 in Betrieb genommene 18-Loch-Minigolfanlage Mühlematt am Rande der Stadt soll geschlossen werden. Im Januar, als bekannt wurde, dass der Baurechtsvertrag mit dem Pächter ausläuft, sah es zwar noch einen Moment danach aus, als ob die Stadt sich einschalten würde. In der Antwort auf eine kleine Anfrage von EVP-Gemeinderätin Manuela Ehmann schrieb der Stadtrat: «Aufgrund der leicht abfallenden, schönen Lage am Ufer des Marmori-Weihers und der Bedeutung der rund 50-jährigen Minigolfanlage ist ein Kauf des (...) Grundstücks (...) durch die Stadt durchaus prüfenswert.»

Drei Millionen Franken Marktwert

Ehmann doppelte daraufhin mit einem Postulat nach, doch als der Kaufpreis bekannt wurde, machte die Stadt einen Rückzieher: Die Zahl von drei Millionen Franken Marktwert machte die Runde. Zudem wurde plötzlich die Zeit knapp, denn der langjährige Betreiber der Anlage und die Eigentümerin, das Walliseller Liegenschaftenunternehmen Primobilia, einigten sich darauf, den Baurechtsvertrag bereits 2020 auslaufen zu lassen. Zu früh für die Mühlen der Politik, die bekanntlich langsam mahlen. Resigniert zog Gemeinderätin Ehmann das Postulat zurück.

Doch dann kam – aus heiterem Himmel – ein Hoffnungsschimmer von erstaunlicher Seite: Mitte Oktober meldete die «Limmattaler Zeitung», dass die kantonale Denkmalpflege die Minigolfanlage in ihr Inventar aufgenommen habe. Das bedeutet zwar noch keinen Schutz. Aber bei Bauvorhaben wird sie mitreden.

Generationen haben hier auf dieser Anlage ihre Sonntage verbracht.

Das zeitliche Zusammentreffen war wohl eher Zufall. In der Inventarliste des Kantons tauchen unter dem Festsetzungsdatum 13. September 2019 zahlreiche Objekte unter dem Limmattaler Bezirkshauptort auf. Offenbar haben die Verantwortlichen der Denkmalpflege turnusgemäss einen Rundgang in Dietikon gemacht und sind dabei auf die Minigolfanlage aufmerksam geworden.

Von hoher Bedeutung

Die Denkmalpflege kommt zum Schluss: regional von Bedeutung. Schutzzweck: «Substanzieller Erhalt aller 18 Minigolfbahnen in ihrer Lage, Bauweise in Beton sowie der zugehörigen Ausstattung, namentlich Pilzlampen, Metallständer mit Schreibunterlagen und Abfallbehälter.» Typisch Sechzigerjahre eben. Weiter müssen«substanziell» die parkartige Bepflanzung, die Betonplatten und -stufen sowie der Terrassenbereich beim Kioskgebäude erhalten bleiben.

Begründet wird dies damit, dass es sich dabei um einen wichtigen sozial- und kuturgeschichtlichen Zeugen für die Etablierung des Minigolfs als beliebte Sportart und Freizeitbeschäftigung der 1950er- und 1960er-Jahre in Europa handle. Sie orientierte sich an dem vom Genfer Gartenarchitekten Paul Bongni patentierten normierten System solcher Anlagen, die damit auch für den Wettkampfsport einsetzbar wurden.

Weiter schreibt die Denkmalpflege in ihrem Bericht: «Trotz der relativ späten Erstellungszeit ist die Minigolfanlage in Dietikon als eine der wenigen erhaltenen Anlagen im Kanton und mit ihrer bauzeitlich erhaltenen Substanz von hoher Bedeutung.»

Knifflige Aufgabe

Das dürfte für den Bauherrn eine knifflige Aufgabe werden, wenn die Denkmalpflege an diesen Forderungen festhalten will. Zwar sind nur 1400 Quadratmeter des 3500 Quadratmeter grossen Areals Bauland, doch wie das Bauunternehmen die geplanten acht bis zehn grossen Mietwohnungen dort unterbringen will, ohne die Minigolfanlage zu tangieren, ist schwer vorstellbar.

Und aufgrund der Schutzbegründung der Denkmalpflege scheint es unwahrscheinlich, dass eine Bewilligung zum Abriss ohne weiteres erteilt wird. Das tönt zumindest nach Rechtsweg, und der kostet Zeit.

Petition und Postulat

Auch Manuela Ehmann sieht plötzlich wieder eine Chance für ihr Anliegen:«Wir haben sicher Zeit gewonnen.» Die der Stadtrat nützen könnte, um nochmals zu überdenken, ob diese Minigolfanlage nicht sozusagen zum Dietiker Kulturerbe gehört.

«Die Unterschriftensammlung läuft super.»Manuela Ehmann, Lokalpolitikerin

Das schafft auch Zeit, um den politischen Prozess zu starten. So hat Ehmann erneut ein Postulat zur Rettung der Minigolfanlage eingereicht – 15 der 36 Parlamentarierinnen und Parlamentarier haben es mit unterzeichnet. Zudem wurde eine Interessengemeinschaft gegründet, die eine Petition gestartet hat. «Sie läuft super», freut sich Ehmann. Bis dato haben 560 Personen ihre Unterschrift auf die Unterschriftenbögen gesetzt, 1333 haben sie online unterstützt.

Erstellt: 20.11.2019, 11:10 Uhr

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