Jungunternehmer wirft sich für Betagte ins Zeug

Ein junger Herrliberger Akademiker gründet mit einem Freund ein Start-up-Unternehmen. Er will arbeitswillige Pensionierte an KMU weitervermitteln.

Jungunternehmer Fabio Babey ist dem Auf und Ab des Arbeitsmarktes für Senioren ausgesetzt.

Jungunternehmer Fabio Babey ist dem Auf und Ab des Arbeitsmarktes für Senioren ausgesetzt. Bild: Daniel Kellenberger

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Fabio Babey ist promovierter Jurist und arbeitet derzeit als Assistent an der Juristischen Fakultät der Universität Zürich. Eine glanzvolle juristische Karriere ist ihm vorgezeichnet. Dennoch hat sich der 30-Jährige dazu entschlossen, etwas für die Allgemeinheit zu tun. Zusammen mit dem Herrliberger Christian Wittmer, Treuhänder nach HSG-Schule und Sohn des amtierenden Gemeindepräsidenten, gründete Babey diesen Frühling die Emeritus-Work. Ziel der Firma: die Vermittlung von rüstigen Rentnern an KMU.

Erfahrungsgemäss braucht es für ein solches Unterfangen Unternehmertum, viel Schnauf und ein soziales Gewissen. Für jemanden, der an der Goldküste aufgewachsen ist, muss vornehmlich Letzteres hart erarbeitet werden. Nach dem zweiten WK in der Armee habe es ihm gedämmert, erzählt Babey. «Lieber im Zivildienst etwas Sinnvolles machen als im Wiederholungskurs gelangweilt herumsitzen», dachte er sich. Folge: Babey arbeitete zuerst einige Monate in einem Behindertenheim, anschliessend bei der Heilsarmee als Mädchen für alles. Diese Zeit habe ihm die Augen geöffnet, sagt der gut aussehende junge Mann heute.

Immer mehr alte Menschen

Die beiden Akademiker haben sich gefragt, ob man mit sozialem Engagement auch Geld verdienen könne, und stiessen bei ihrer Suche auf die demografische Entwicklung in der Schweiz: Immer mehr Leute werden älter, bleiben dabei gesund und rüstig und wollen weiterhin etwas Sinnvolles tun. Schnell war die Idee eines Vermittlungsbüros für Pensionierte geboren. Bereits im Juli ging das junge Unternehmen online.

Zuerst habe man die Seniorenseite beackert, erzählt Babey. Und sei relativ schnell fündig geworden. Man habe Seniorenheime und -organisationen angeschrieben sowie Flyer verteilt und verschickt; harte Knochenarbeit eben. Seit September habe es angezogen, sagt Babey. Bis zu drei Senioren, mehrheitlich Frauen, melden sich seither wöchentlich bei ihnen. Das geht ganz einfach: einloggen auf der Homepage des jungen Unternehmens und das Formular ausfüllen.

Mit Goodwill kann man sich nichts kaufen

Viel schwieriger sei es, die andere sprich die Unternehmerseite zu überzeugen. Seit Anfang Oktober steht dieses Unterfangen zuoberst auf dem Terminplan. «Hier beginnen wir wieder bei null», sagt der Jurist. Nur schon bis zur verantwortlichen Person eines Unternehmens – Geschäftsführer oder HR-Mensch – vorzudringen, sei manchmal eine wahre Odyssee. Zwar treffe man dann meistens auf sehr viel Goodwill und werde für die hervorragende Idee beglückwünscht, doch davon könne man sich nichts kaufen, so Babey. Argumente habe er genug. Wer könne es sich schon leisten, auf jemanden zu verzichten, der beispielsweise über jahrzehntelange Führungserfahrung verfügt? Doch auch Gegenargumente gebe es zuhauf.

Viele Firmen hätten eigene Seniorenprogramme oder würden bewusst nur junge Leute anstellen. Vor allem bei den Grossunternehmen sei das so. Deshalb wolle er sich in nächster Zeit auf kleine und mittlere Firmen konzentrieren, sagt er und hofft dabei auf den baldigen Durchbruch auch auf Unternehmensseite. Dann werde das Ganze sicherlich die erhoffte Eigendynamik erreichen, ist Fabio Babey überzeugt. Bis zum März 2011 geben sich die beiden Jungunternehmer Zeit, dann müssen sie über die Bücher.

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Erstellt: 04.11.2010, 20:18 Uhr

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