Kantonsrat will Jugendparlament

Für Juniorpolitiker soll es in Zürich ein neues Parlament geben. Bürgerliche fürchten Aufwand und Kosten.

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Von Daniel Schneebeli

Zürich – Die drei grünen Kantonsräte Andreas Wolf (31, Dietikon), Claudia Gambacciani (30, Zürich) und Regula Käser (50, Kloten) verlangen in einer Motion die Einrichtung eines kantonalen Jugendparlaments. Sie wollen Jugendlichen, die noch nicht stimm- und wahlberechtigt sind, mehr politischen Einfluss verschaffen. Das Jugendparlament soll dem Kantonsrat Vorstösse einreichen können. «Es ist höchste Zeit, dass wir den Jungen mehr Verantwortung geben», sagte Wolf gestern. Sein Appell fiel auf fruchtbaren Boden. Der Kantonsrat überwies die Motion mit 83:80 Stimmen – gegen den Widerstand von FDP, SVP und EDU.

Martin Farner (FDP, Oberstammheim) wehrte sich gegen die «Aufblähung» der Traktandenliste. Für ihn sollen sich Jugendliche in Vereinen auf ihre demokratischen Tätigkeiten vorbereiten. Ein Jugendparlament führe zu Bürokratie und verursache unnötig Kosten. Barbara Steinemann (SVP, Regensdorf) lehnte das Jugendparlament ab, weil es keine repräsentative Zusammensetzung des Wählerwillens darstelle: «Jugendliche verbringen ihre Freizeit nicht in solchen Debattierklubs.» Zu weit ging die Idee auch der EDU. Politische Jugendförderung sei Sache der Parteien.

Die CVP unterstützte das Anliegen. Fraktionschef Philipp Kutter betonte zwar, ein Jugendparlament sei ein Experiment, das auch scheitern könne, aber den Versuch sei es wert: «Der Appetit kommt auch in der Politik mit dem Essen.» Die neuen Mitteparteien GLP und BDP stimmten ebenfalls für die Motion. Ein Jugendparlament fördere den Dialog zwischen der Jugend und den Erwachsenen, sagte Marcel Lenggenhager (BDP, Gossau). Grüne und SP wollen die Jugend spielerisch an die Politik heranführen. Monika Spring (SP, Zürich), die selber in einem Jugendparlament politisiert worden ist, betonte, ein Jugendparlament sei fast gratis zu haben, da die Jungen keine Sitzungsgelder bekommen. Motionär Wolf sprach von ein paar 10 000 Franken pro Jahr – etwa das, was eine einzige Kantonsratssitzung kostet.

Erstellt: 07.02.2012, 06:38 Uhr

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