Klaus J. Stöhlker ist Unternehmensberater und lebt in Zollikon.

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Adieu, mes amis! Eine Traurigkeit ist über mich gekommen. Wo einst ein Team begeisterter, übermüdeter, gestresster Journalisten war, gähnt bald die Leere. Ihr werdet nicht mehr gebraucht. Das Geld reicht noch einige Zeit, aber die Printmedien schrumpfen wie ein alter Apfel. Ihr hättet gerne weitergeschrieben, aber eure Meinung ist nicht mehr gefragt. Die Chefs haben entschieden: Es gibt dafür andere, vielleicht sogar Bessere. Die Leser hätten gerne weiter- gelesen, sich geärgert und manchmal auch gefreut. Sie sind es gewohnt, den Wandel hinzunehmen. Manchmal war die Zeitung gut, manchmal schlecht, zuletzt wurde sie aufgegeben.

Liest die Goldküste noch? Jetzt schliesst auch meine Buchhandlung, die mich 30 Jahre beliefert hat. Keine Nachfolger für diesen einst hoch geschätzten Job. Was lesen die Menschen an der Goldküste? Kein Zweifel, das gebildete Grossbürgertum löst sich auf wie ein Frühnebel am See. Die Bibliotheken der Väter kommen in den Müll. Bertrand Russel, Sartre und Heidegger sind nicht mehr gefragt. Damit sterben auch die intelligenten Journalisten aus; sie werden seltener als ein Goldkorn am Oberrhein. Dafür zu viele eitle Vereinsnachrichten, Streitigkeiten von Bauherren mit dem neidischen Volk, von Hundebesitzern, die ihre «mondo cane» gegen Kinder und Spaziergänger verteidigen. Nein, diese Medien braucht es nicht.

Was lesen die Jungen, die unter 40-Jährigen? Bildbände, Konsummagazine, das reicht oft. Die Elite liest Englisch oder Spanisch und bedient sich ab Internet. Für wen soll man eigentlich an dieser Küste noch schreiben? Die Zeit der «Seebuebe» und ihrer kräftig gebauten Begleiterinnen geht dem Ende zu. Zwischen sie haben sich die Reichen und Erfolgreichen aus aller Welt geschoben. Die wollen nicht über die Schweiz lesen und nachdenken, sondern über das Land ihrer Herkunft, den neuen Achtzylinder und den richtigen Gärtner. Das ist es: Die einst sich gross und eigenständig fühlende Goldküste ist zum Vorstadtquartier Zürichs geworden, zur boomenden Uferzone einer Region, die zum Sehnsuchtsort reicher Europäer wird: Schönheit, Luxus, wenig Steuern. Von diesen weiss niemand, dass Rapperswil im Kanton St. Gallen liegt und Wollerau in Schwyz. Wissen tut es nur deren Steuerberater.

Darum müssen die Beschreiber des biederen Alten gehen und den Glanzpapierjournalisten Platz machen. Diese schöne neue Welt löst bei den Alten im Geiste die Krise aus, bei den Jungen den Jubelschrei des elitären Fortschritts. Die neue Goldküste schlüpft aus den alten Mauern in strahlende Paläste, wo nicht mehr Wilhelm Tell, General Guisan und Albin Zollinger die Herrschaft führen, sondern die Macher und Models einer neuen Zeit. Adieu, meine Freunde! Euer Werk ist getan. Die Zukunft wird euch nur gehören, wenn ihr sie annehmt. Sie kennt keine Kompromisse.

Klaus J. Stöhlker ist Unternehmensberater und lebt in Zollikon.

Erstellt: 22.10.2010, 19:35 Uhr

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