Mehr Purzelbäume in den Stadtzürcher Kinderkrippen

Gesünderes Essen und mehr Bewegung: Mit dem Projekt Purzelbaum Kita will die Stadt Kinder bereits in der Krippe fördern.

Projekt Purzelbaum: In Kinderkrippen wird die Bewegung bereits im jungen Alter gefördert.

Projekt Purzelbaum: In Kinderkrippen wird die Bewegung bereits im jungen Alter gefördert. Bild: Thomas Kienzle/Keystone

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Fast jedes sechste Kind, das in der Stadt Zürich in den Kindergarten kommt, ist zu dick. Es bewegt sich zu wenig oder ernährt sich falsch. Die Betroffenen stammen häufig aus sozial benachteiligten Familien. Nun will die Stadt Zürich Kinder bereits vor dem Eintritt in den Kindergarten zu mehr Bewegung und gesünderem Essen animieren. Im letzten Sommer hat sie in zwölf Kindertagesstätten (Kitas) das Projekt Purzelbaum Kita lanciert.

Die Erfahrungen seien positiv, sagte Schulvorstand Gerold Lauber (CVP) gestern vor den Medien. «Es lohnt sich, die Kinder möglichst früh zu fördern – auch in Bezug auf Chancengleichheit.» In den ersten Lebensjahren sei das Hirn besonders aufnahmefähig, sagte Daniel Frey, Direktor der Schulgesundheitsdienste. Bewegung stimuliere die Hirnentwicklung und sei damit ein Motor für die physische, psychische und soziale Entwicklung eines Kindes.

Immer wieder Essen probieren

Auch bei der Ernährung werden bereits früh prägende Erfahrungen gemacht. Kindern ist nur der Sinn für Süsses angeboren. Andere Geschmacksrichtungen müssen sie zuerst kennen lernen, um sie überhaupt mögen zu können. Deshalb sollten Kinder immer wieder möglichst viele verschiedene Speisen probieren.

Im Projekt Purzelbaum Kita erhalten die Krippen deshalb zum Beispiel wöchentlich besondere Menüvorschläge und Bewegungsideen. Teammitglieder besuchen Weiterbildungen zum Thema, und die Kita wird bewegungsfreundlich umgestaltet. Die beteiligten Kitas haben sich freiwillig für das eineinhalb Jahre dauernde Projekt gemeldet. Die Kosten betragen 6600 Franken pro Krippe, finanziert wird das Projekt vom Stadtrat über seinen Legislaturschwerpunkt Frühförderung. In der jetzigen Phase wurden vor allem Einrichtungen in sozial schwachen Quartieren ausgewählt.

Kita-Alltag hat sich entspannt

Die Kita Chinderhuus Wirbelwind in der Grünau beteiligt sich am Projekt. Zwei der Gruppenräume sind mit Matten ausgelegt, in denen Kletter- und andere Spielgeräte stehen. Die Kinder hangeln sich hoch, hüpfen herunter, balancieren und springen von Matte zu Matte. Es ist erstaunlich ruhig, kein Kind schreit während der Medienkonferenz. «Seit sich die Kinder mehr bewegen können, hat sich der Alltag für alle entspannt», sagte Kita-Leiterin Helene Bögli.

Schon vor der Teilnahme am Projekt sei ihr und ihrem Team klar gewesen, wie wichtig Bewegung und gesunde Ernährung sind. Das Chinderhuus Wirbelwind sei aber oft an Grenzen gestossen, vor allem an räumliche. «Es brauchte wenig Aufwand, das zu ändern.» So habe man ein Klettergestell, das vorher in einer Ecke stand, im Raum platziert. Nun werde es viel mehr genutzt.

Die Projektleiterinnen Alexandra Papandreou und Sabrina Edler haben bereits das Projekt Purzelbaum für Kindergärten umgesetzt, an dem mittlerweile fast 80 Stadtzürcher Kindergärten beteiligt sind. Auch Purzelbaum Kita soll nach Abschluss der jetzigen Phase fortgeführt und ausgebaut werden.


www.stadt-zuerich.ch/purzelbaumkita

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 04.06.2013, 07:25 Uhr

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