Opfikon: Weniger Steuern und trotzdem gut bei Kasse

Die Unterländer Gemeinden gesunden finanziell. Sie brauchen 2010 voraussichtlich rund 4 Millionen Franken weniger aus dem Steuerausgleichs-Pott.

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Die neuesten Zahlen zum Steuerkraftausgleich im Kanton Zürich zeigen, dass dieses Jahr 20 von 170 Gemeinden total 376 Millionen Franken in den Steuerpott abliefern. 87 Gemeinden beziehen daraus 325 Millionen Franken. In den übrigen Gemeinden werden ­weder Steuern abgeschöpft noch zu­geschossen. Von der Differenz zwischen Ein- und Auszahlungen werden 30 Millionen Franken für Kulturausgaben in Zürich und Winterthur verwendet, der Rest wird in einen Fonds zurückgelegt. Die Stadt Zürich ist nicht in den Finanzausgleich einbezogen.

Opfikon zahlt nichts mehr

In den Bezirken Dielsdorf und Bülach hatten letztes Jahr die vier Gemeinden Opfikon, Wallisellen, Neerach und ­Boppelsen infolge ihrer überdurchschnittlichen Steuerkraft noch total 16,6 Millionen Franken in den Steuerpott einbezahlt. Opfikon leistete mit 8,2 Millionen den Hauptbeitrag. Dieses Jahr gehört die Stadt nicht mehr zu den Zahlergemeinden, weil sie an Steuerkraft verloren hat. Der Opfiker Finanzvorsteher Valentin Perego führt den Verlust an Steuerkraft auf die Wirtschaftskrise und die damit ausbleibenden Steuereinnahmen bei den juristischen Personen zurück. Jahrelang war die UBS beste Steuerzahlerin der Stadt. Der Einbruch sei aber nicht problematisch, sagt Perego, weil der Steuerausfall durch den Wegfall der Steuerkraftabschöpfung ­ausgeglichen werde.

Ebenfalls weggefallen ist der 2009 noch erfolgte kleine Zuschuss von ­Boppelsen in den Steuertopf. Der grösste ­Zustupf kommt heuer von Wallisellen, das 6,9 Millionen Franken zahlen muss (2009: 5,6 Millionen). Neerach liefert noch 2,3 Millionen Franken ab (2009: 2,7 Millionen). Neu gehören auch Winkel und ­Nürensdorf mit 530'000 beziehungsweise 240'000 Franken zu den Ge­meinden, deren Steuerkraft abgeschöpft wird. Die vier Zahlergemeinden speisen die Finanzausgleichskasse mit total 9,9 Millionen Franken.

Bülach ist Hauptprofiteur

Die Zahl der Unterländer Gemeinden, die von einem Steuerzuschuss profitieren, ist gegenüber dem Vorjahr von 24 auf 21 gesunken. Diese können 2010 mit einem Zuschuss von total 44,3 Millionen Franken rechnen. 2009 belief sich die steuerliche Unterstützung des Unter­landes noch auf 56,1 Millionen Franken. Die Bilanz unter dem Strich ist also ­positiv, das heisst, das Unterland braucht weniger Unterstützung und hat an Steuerkraft gewonnen. Die Gemeinden der Bezirke Bülach und Dielsdorf be­finden sich punkto Steuerkraft mehrheitlich unter dem kantonalen Mittel, wie Heinz Montanari, Leiter Gemeindefinanzen beim kantonalen Gemeindeamt, sagt. Grösster Nutzniesser ist ­Bülach. Die Stadt erhält in diesem Jahr 5,7 Millionen Franken aus dem Steuerkraftausgleich. 2009 waren es noch 14,3 Millionen, was zeigt, dass auch ­Bülach finanziell am Gesunden ist, wie Finanzvorsteher Walter Baur sagt.

Schleinikon ist steuerschwach

Oberglatt erhält nicht nur 5,6 Millionen Franken aus dem Steuerkraftausgleich, sondern zusätzlich 2,6 Millionen Franken aus dem Steuerfussausgleich. Im Gegensatz zum Steuerkraftausgleich, mit dem sich die Gemeinden gegenseitig helfen, wird der Steuerfussausgleichstopf vom Kanton geäufnet. Er verteilt daraus dieses Jahr an 22 steuerschwache Gemeinden 81,1 Millionen Franken. Im Unterland profitieren davon neben Oberglatt auch Bachs und Schleinikon. Schleinikon hat im Unterland die geringste relative Steuerkraft (1'670 Franken pro Person), gefolgt von Glattfelden mit 1'723 Franken und Oberglatt mit 1'764 Franken. Die grösste Steuerkraft kann im Unterland Neerach mit 5'216 Franken ausweisen. Die Gemeinde liegt damit noch vor Wallisellen, wo jeder Ein­wohner im Schnitt 4792 Franken Steuern zahlt.

Unterschiedliche Steuerkraft

19 Unterländer Gemeinden (2009: 15) leisten 2010 weder einen Beitrag an den Finanzausgleich, noch erhalten sie ­daraus einen solchen. Die Zahlungen an den Finanzausgleich hängen von der relativen Steuerkraft ab. Damit die Zahlen unter den Gemeinden vergleichbar sind, wird ausgerechnet, wie hoch die Steuereinnahmen bei einem Steuerfuss von 100 Prozent wären. Den auf 100 Prozent hochgerechneten Ertrag dividiert man durch die Anzahl Einwohner, woraus sich die relative Steuerkraft ergibt. Diese reicht im Kanton Zürich von 1'286 Franken in Fischenthal bis 14'239 Franken in Rüschlikon. In der reichsten Gemeinde ist sie also elfmal so hoch wie in der ärmsten. Der Durchschnitt liegt bei 3'457 Franken. Im Unterland liegen nur gerade neun Gemeinden über dem Mittel, 35 darunter.

Finanzausgleich wirkt

Der Finanzausgleich soll in erster Linie mithelfen, grosse demografische und wirtschaftliche Unterschiede zwischen den Gemeinden teilweise auszugleichen. Die Steuerpflichtigen sollen von ihren Gemeinden vergleichbare Leistungen erhalten, unabhängig von ihrer Grösse oder geografischen Lage. Viele Gemeinden können die notwendigen Aufgaben nur dank des Finanzausgleichs erfüllen und vielleicht sogar noch den Steuerfuss senken. Ziel ist auch, mit dem Finanzausgleich die Steuerfussunterschiede zwischen den Gemeinden zu verringern. Der tiefste Steuerfuss liegt heute bei 73 Prozent in Neerach und dem Maximalsteuerfuss von 122 Prozent in zahl­reichen Gemeinden im Kanton, darunter Bachs, Eglisau, Niederhasli, Oberglatt und Schleinikon. Gäbe es keinen ­Finanzausgleich, könnten die Steuerfüsse nach Angaben des kantonalen ­Gemeindeamts theoretisch zwischen 50 und 400 Prozent schwanken.

Mehr Nachrichten und Hintergründe aus dem Unterland gibt es täglich auf den Regionalseiten im zweiten Bund des Tages-Anzeigers. Schreiben Sie direkt an unterland@tages-anzeiger.ch

Erstellt: 09.08.2010, 20:52 Uhr

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